Zwischen hirnlos und elitär: Vom Umgang mit der Neuen Rechten

Der Publizist Henryk Broder hat in seiner Sparring-Arena den Endstation-Rechts-Macher Mathias Brodkorb öffentlich vermöbelt. Da dies offenbar auf dessen eigenen Wunsch hin geschah und sich Brodkorb für die verbale Abreibung noch artig bedankt, scheint die ganze Angelegenheit nicht so wild gewesen zu sein – dafür aber aufschlussreich. So schickte Brodkorb ungefragt eine Selbstdarstellung an Broder, in der es bezüglich des SPD-Projekts Endstation Rechts heißt:

wir haben monatlich mehr als 100.000 Besuche und unterscheiden uns von den anderen Portalen dieser Art erheblich. Unsere Schwerpunkte sind einerseits die NPD, andererseits die konservative und neue Rechte. Bei Letzterer legen wir allerdings Wert darauf, sie nicht hirnlos dem Nazismus zuzuschlagen. Dies bringt uns im “Kampf gegen Rechts”-Milieu erhebliche Kritik ein.

Nun kann Mathias Brodkorb selbstverständlich wieder behaupten, er habe niemanden konkret gemeint, allerdings fragt man sich schon, an welche „Portale dieser Art“ er konkret denkt: Das Netz gegen Nazis? Den Störungsmelder? NPD-BLOG.INFO? Mut gegen rechte Gewalt? redok? Und dann sei auch noch die Frage gestattet, auf welchem dieser Portale die Neue Rechte „hirnlos“ dem Nazismus zugeschlagen wird? Und warum schreibt man das alles an Broder?

Diese Fragen werden wahrscheinlich unbeantwortet bleiben. In Sachen falsch verstandenes Rebellentum bleibt aber noch zu ergänzen, dass die Interpretationen zur elitären Rechten den Endstation-Rechts-Machern zumindest im „Kampf gegen Links“-Milieu erheblichen Zuspruch einbringen.

Siehe auch: Zwischen Anmerkung und Belehrung: Wenn eine Theorie zur Ideologie erhoben wird, “Keine Politik mehr rechts von Lenin”? Konservatismus in der Krise

7 thoughts on “Zwischen hirnlos und elitär: Vom Umgang mit der Neuen Rechten

  1. Menschenfeindliche Einstellungen finde ich aber auch hier:
    Zitat aus der heutigen FAS
    „In dieser Woche ist Frau Wagenknecht demonstrativ sitzen geblieben, als Israels Staatspräsident den Bundestag besuchte. Das hat Abgeordnete ihrer eigenen Partei aufgebracht. „Wer am Tag der Befreiung von Auschwitz nicht willens ist, während der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag dem israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Simon Peres den nötigen Respekt zu bezeugen, der ist für mich nicht wählbar“, sagte der sächsische Bundestagsabgeordnete Michael Leutert der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Auch drei weitere Abgeordnete – Christine Buchholz, Sevim Dagdelen und Heike Hänsel – haben sich nicht für Peres erhoben – ein Zeichen, dass der Antizionismus in der Linkspartei alles andere als überwunden ist.“

    Diese vier LINKE-Abgeordnete gehören doch auch in einen „Blick nach rechts!“

    Heike Hänsel stellt fest, dass sie zu dieser Zeit gar nicht im Bundestag war.

  2. Putzig ist auch der Hinweis auf Broders Interview auf Blaue Narzisse.de. Ich dachte für ER wäre nur relevant was jemand schreibt und nicht wo:-).

  3. Herr Brodkorb gibt ja auch einem neurechten Blog gerne mal ein Interview und erzählt wie gerne er und seine Kollegen die Junge Freiheit lesen. Darin kritisiert Brodkorb Linke, die die JF als Scharnier zwischen Konservativen und Rechtsextremen ansehen, diese würden nur „am Schreibtisch einen imaginären Feind zusammen […] basteln“, um dann bei Endstation Rechts diesen Blog als „ein Habermas-Projekt von rechts“ zu würdigen.

  4. Richtigstellung zur Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Gedenktag

    Hiermit fordere ich eine Richtigstellung der seit gestern verbreiteten Meldung, ich sei bei der Rede von Shimon Peres im Bundestag anläßlich des Holocaust-Gedenktages “demonstrativ sitzen geblieben”. Dies ist eine falsche Behauptung des Abgeordneten Michael Leutert, die er in denunziatorischer Weise verbreitet hat. Ich konnte aus terminlichen Gründen nicht an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, war also gar nicht anwesend. Da der “Informant” Leutert trotzdem meinen Namen erwähnt hat, zeigt die Absicht der politischen Verleumdung. Die ungeprüfte Weitergabe von Behauptungen ist Ausdruck eines unseriösen Journalismus. Es ist befremdlich, daß sich diese Zeitungen für solche Desinformationen mißbrauchen lassen.

Comments are closed.