Bordsteinkick: Milde Urteile gegen Neonazis

Ein halbes Jahr nach dem Beinahe-Tod eines jungen Linken in Friedrichshain ist der Prozess gegen vier Neonazis mit einem überraschend milden Urteil geendet. Die Jugendkammer des Landgerichts verurteilte nach einem Bericht des Tagesspiegels den Haupttäter Oliver K. (26) wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu fünfeinhalb Jahren Haft. Die Angeklagten Michael L. (23) und Marcel B. (21) kamen mit je zwei Jahren auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung davon. Im Fall von Marcel B. verhängte die Kammer den Angaben zufolge eine Jugendstrafe, weil er zur Tatzeit Heranwachsender war. Den Angeklagten Michael G. (24) sprachen die Richter frei.

Die Kammer blieb damit deutlich unter den Anträgen von Staatsanwalt Jörg Wetzel, der für Oliver K. acht Jahre und für Michael L. sowie Marcel B. je drei Jahre Haft gefordert hatte. Selbst der Verteidiger von Oliver K. hatte in seinem Plädoyer immerhin eine Strafe „nicht über sieben Jahre“ genannt. Ursprünglich hatte Wetzel allen vier Angeklagten versuchten Mord vorgeworfen.

Nach Ansicht der Richter begingen die drei verurteilten Angeklagten erst dann Straftaten, als die meisten Linken nach einer Schlägerei geflohen waren – und damit lag keine Notwehrsituation vor. Oliver K. habe mit einem „klar erkennbaren Tötungsvorsatz“ das bewusstlose Opfer ein Stück weitergeschleift und ihm einen Stampfkick auf den Kopf versetzt. Dies sei ein „ungeheuer brutales Vorgehen“, sagte Diekmann laut Tagesspiegel und verwies auf die zur Tatzeit gleich drei offenen Bewährungsstrafen des Angeklagten. Dennoch billigte die Kammer ihm strafmildernd zu, stark alkoholisiert gewesen zu sein.

Der Anwalt des beinahe getöteten Linken, Ole Weidmann, hatte den Angaben zufolge in seinem Plädoyer gefordert, den Angeklagten Oliver K. wegen versuchten Mordes zu verurteilen, wie es in der Anklageschrift stand. Außerdem seien alle drei Freunde von Oliver K. Mittäter gewesen. Von den Angeklagten äußerte nur Marcel B. in seinem letzten Wort Reue.

Siehe auch: Bordsteinkick: Polizei belastet Neonazi schwer, “Wir kriegen euch alle!” – Polizei hörte Drohungen offenbar, Berlin: Nazis fordern mehr rechte Gewalt, Haftbefehl wegen Mordversuchs nach rassistischem Angriff in Berlin, Dubiose Anklage gegen Nazigegnerin, NPD-Wahlkampf: Größenwahn und rassistische Hetze, Neonazi-Überfall in Berlin: Haupttäter kommt offenbar aus Brandenburg, Brutale Gewalttat in Berlin: Neonazis verletzen 22-Jährigen schwer

6 thoughts on “Bordsteinkick: Milde Urteile gegen Neonazis

  1. nazis begehen einen (fast)mord (nur der unfähigkeit der täter, dem alkoholpegel der täter oder dem zufall ist zu danken, dass das opfer überlebte), und in doofland (ja, völlig kindisch, aber passend) wird versucht antifaschismus zu kriminalisieren. während sich (teilweise) infantiler „linksextremismus“ gegen sachen richtet stecken „rechte“ häuser in brand (zossen, klingenhain) und spielen „american history-x“ nach und die bundesregierung (frau köhler) sowie das mitte-rechts-bündnis in sachsen stellen „links-“ und rechtsextremismus auf eine stufe.

    -> weimar lässt grüßen!!! und am ende sagen wieder alle: „wir haben von alle dem doch nix gewusst!“

  2. „während sich (teilweise) infantiler “linksextremismus” gegen sachen richtet…“

    Da fragen wir mal eine beliebige deutsche Einsatzhundertschaft, ob sich die Beamten wie körperliche Gegenstände (Sachen) fühlen.

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