Neonazi-Überfall: Roter Stern Leipzig soll nochmal in Brandis antreten

Entsetzen bei Roter Stern Leipzig, Freude beim FSV Brandis. Das am 24. Oktober 2009 wegen des Überfalls von Neonazis nach zwei Minuten abgebrochene Bezirksklasse-Spiel zwischen beiden Vereinen wird einem Bericht der Leipziger Volkszeitung zufolge wiederholt. Das Verbandsgericht des Leipziger Fußball-Verbandes (LFV) unter Vorsitz von Steffen Tänzer lehnte demnach die Berufung des Connewitzer Vereins gegen das Urteil des LFV-Sportgerichts ab. Roter Stern forderte eine Spielwertung von drei Punkten und 2:0 Toren für sich.

Tänzer begründete das Urteil damit, dass den Brandisern als Gastgeber „nur eine leichte Verletzung der Verkehrssicherheitspflicht“ vorgeworfen werden kann. Die Attacke der Randalierer sei so plötzlich erfolgt, dass die einheimischen zwölf Ordner nicht rechtzeitig verhindernd eingreifen konnten. Zudem habe es vor dem Skandalspiel keine ernsthaften Hinweise auf derartige Vorfälle gegeben.

Während sich die Brandiser Vertreter beim Urteilsspruch froh die Hände reichten, erklärte die Roter-Stern-Chefin Sophia Bormann, in den nächsten Tagen im Verein beraten zu wollen, ob das Team in Brandis antritt. Der zuständige Staffelleiter informierte zudem, dass ihm der sächsische Polizeipräsident Bernd Merbitz zugesichert habe, zu den Partien von Roter Stern in Beilrode, Schildau und Mügeln jeweils eine Hundertschaft Ordnungshüter zu schicken. Steffen Tänzer indes bat die Sterne anzutreten. „Es kann doch nicht sein, dass der Wille der Nazis zum Tragen kommt und sie national befreite Zonen schaffen, egal ob gegen Farbige oder anders Denkende.“

Geplanter Angriff

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24. Oktober 2009 beim FSV Brandis war es zu einem gewalttätigen Angriff von ca. 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL gekommen. Die Angreifer waren nach Augenzeugenberichten dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen. Der RSL betonte in einer Stellungnahme zu den Vorfällen, auf Nachfrage hätten Verantwortliche des FSV Brandis und eingesetzte Polizisten geschildert, dass sie bereits im Vorfeld Erkenntnisse hatten, dass Nazis zum Spiel anreisen wollten. Dennoch konnten die Vereinsordner und die wenigen anwesenden Polizisten nicht die Sicherheit gewährleisten. Im Vorfeld der Partie stattgefundene Gespräche zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten nicht zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte.

Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil “die Dummen noch kommen”. Auffällig sei in diesem Zusammenhang gewesen, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm, so der RSL. Dass Ordner bei Fußballspielen selbst gewaltbereite Rechtsextremisten sind, ist beileibe kein neues Phänomen, aber immer wieder bemerkenswert.

Nach dem unkontrollierten Betreten des Sportplatzes bewaffneten sich die Angreifenden laut RSL mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten, die auf dem Sportplatz deponiert waren. Dieser Umstand lasse auf einen geplanten Angriff schließen. Für eine vorzeitige Planung der Aktion spreche zusätzlich die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten. Die politische Motivation des Angriffes sei durch die Rufe der Angreifer „Scheiß Zecken“ und „Scheiß Rote“ belegt.

Mit Anpfiff des Spiels warfen die zum Teil vermummten Personen pyrotechnische Erzeugnisse, Steine und zusätzlich eine Flasche, die mutmaßlich mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt war, in die Reihen der RSL-Fans, heißt es weiter. Daraufhin sei es zu Jagdszenen gekommen, sofort wurden wahllos die Fans des Roten Sterns mit den bereitgestellten Gegenständen angegriffen. Die Fans wichen zurück, wurden aber in die Enge gedrängt. Im Zuge der Angriffe wurden drei Personen schwer, und weitere Personen verletzt. Durch den Neonazi-Angriff wurde die Partie nach zwei Minuten abgebrochen. Unter anderem wurde der Torwart des RSL schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. RSL-Sprecherin Claudia Krobitzsch zufolge sind rechte Provokationen mit Hitlergruß etc. und Angriffe bei Auswärtsspielen keine Seltenheit, “in solchen Dimensionen wie diesmal gab es das aber noch überhaupt nicht”.

Siehe auch: NPD-Funktionär nach Überfall auf linken Fußball-Verein verhaftet, Schwerverletzte nach Neonazi-Überfall auf “Roter Stern Leipzig”