Die Welt rockt gegen Links

Ulli Kulke hat in seinem Kommentar auf Welt-Online Familienministerim Kristina Köhler vorgeworfen, auf dem linken Auge blind zu sein. Eine etwas überraschende Behauptung angesichts der Äußerungen von Köhler in den vergangenen Jahren. Kulke beschwört eine vollkommen unterschätzte Gefahr von links, die mehr als 100 Todesopfer rechter Gewalt in den vergangenen 20 Jahren sind ihm keine Zeile wert. Warum auch, angesichts dieser erschreckenden Analyse,  die Kulke aufbietet, denn der Linksradikalismus übe eine „erhebliche Anziehungskraft auf Jugendliche“ aus. Um diese  Anziehungskraft abzuschwächen, fordert Kulke Präventionsarbeit.

“Programme gegen Extremismus”: Fakten bitte!

Zwar listet Kulke auch Unterschiede zwischen Links- und Rechtsextremismus auf, schätzt aber die Gefahr von links offenbar als weit akuter ein, da Neonazis ja gesellschaftlich isoliert seien.  Und daher – „in drei Teufels Namen“ –  könne es doch  endlich auch „Rock gegen Links“ geben. Anzumerken bleibt, dass es eine recht ähnliche  Musikkategorie bereits gibt – und das nicht erst seit gestern.

racRock Against Communism (englisch für „Rock gegen Kommunismus“), besser bekannt unter den Abkürzungen RAC bzw. R.A.C., ist eine Kampagne, unter der Bands aus dem Bereich des Rechtsrock erstmals 1977 aktiv wurden. Es handelt sich nicht um einen eigenen Musikstil, sondern es dient als selbstgewählter Sammelbegriff der rechtsradikalen Rockmusik-Szene. […] Die ersten RAC-Konzerte wurden 1977 von der rechtsextremen britischen National Front ausgerichtet. Sie sollten einen bewussten Gegenpol zur antifaschistischen Musikbewegung Rock Against Racism bilden. 1982 nahm sich Ian Stuart, der Sänger der Neonazi-Band Skrewdriver, des Konzepts an. Skrewdriver spielten einige Konzerte unter dem Motto „Rock against Communism“, weitere Bands schlossen sich an. […] „RAC“ ist bis heute ein beliebter Bezugspunkt neonazistischer und rechtsextremer Bands. In den deutschsprachigen Ländern wird der Begriff RAC heute zumeist zur Charakterisierung des Oi!-lastigen britischen Neonazi-Rocks der 80er-Jahre herangezogen. Die RAC-Bewegung kann daher als Bindeglied zwischen der offen neonazistischen, politisch ambitionierten Musikszene und sich politisch neutral verstehenden Skinheads und Oi!-Skins angesehen werden. Quelle: Wikipedia

Damit könnte diese Musik, eigentlich eher auf dem absteigenden Ast, möglicherweise eine große Zukunft vor sich haben; 80iger Retro ist ja ohnehin „in“. Aber auch die NPD-Schulhof-CD aus dem Jahr 2005 mit dem Titel „Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker“ dürfte bei künftigen Partys und Konzerten gegen Links sicherlich zum echten Schlager werden. Da fliegen bestimmt die Löcher aus dem Käse, bzw. die Fäuste in die Fressen der Untermenschen sowie die Mollies in die Flüchtlingsheime.

schulhodcf2005

Siehe auch: Kommentar: Mutwillige Vereinfachung