Sächsische Schulen tragen weiterhin NS-Namen

Knapp ein Jahr nach einer Debatte um sächsische Schulen mit problematischen Namenspatronen aus der NS-Zeit hat sich noch keine Schule umbenannt. Wie MDR SPUTNIK berichtete, wurde das von der Sächsischen Bildungsagentur mit Verweis auf das Kultusministerium bestätigt. Antisemitismus-Forscher Benjamin Ortmeyer von der Universität Frankfurt/ Main forderte im MDR, dass auf diese Untätigkeit sofort reagiert wird. „Ich fürchte, dass an diesen Schulen die NS-Zeit bagatellisiert wird“, sagte der Wissenschaftler. Personen, die in irgendeiner Form mit den Nazis kooperierten, dürften nicht als Namenspatron geehrt werden. Das sei unabhängig von dem, was sie sonst geleistet hätten.

Ausgelöst wurde die Debatte um historisch belastete Schulnamen laut MDR Anfang 2009 durch eine Studie des Chemnitzer Historikers Geralf Gemser. Darin führte er 15 Schulen in Sachsen auf, deren Namenspatronen seiner Aussage nach mit NS-Organisationen zusammengearbeitet haben oder Mitglied der NSDAP waren. Als Beispiel nannte Gemser das Ferdinand-Sauerbruch-Gymnasium in Großröhrsdorf. Der Chirurg Sauerbruch soll als Ärtzefunktionär im Dritten Reich Gelder für medizinische Versuche an KZ-Häftlingen bewilligt haben. Die Schulkonferenz beschloss daraufhin im Mai 2009, den Namen abzulegen. Das lehnte der Landkreis Bautzen in seiner Funktion als Schulträger jedoch ab, weil angeblich kein direktes kriminelles Handeln nachgewiesen werden könne.

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7 thoughts on “Sächsische Schulen tragen weiterhin NS-Namen

  1. Mich würde es interessieren, ob die Schulnamen alle nach der Wende vergeben wurden und von wem.

  2. Dann bin ich ja gespannt, wann die Namen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht getilgt werden. Ihre damalige Tätigkeit richtete sich gegen eine demokratisch gewählte Regierung und hatte eine „Sowjetrepublik Deutschland“ zum Ziel.

  3. Ähnliche Bestrebungen gab es mal bei Bundeswehrkasernen. Bis heute sind sie nach Nazis benannt.

  4. @ LaHaine

    Wie kommst Du denn darauf, daß die kritisierten Namen NACH 1989 vergeben worden seien? Vielmehr hatte die DDR und die damalige Staatspartei mit Sauerbruch überhaupt kein Problem.

    Aber es ist ja auch so einfach, hinter allem, was auch nur ganz entfernt nach NS riecht, einfach mal konservative und „reaktionäre“ Urheber zu vermuten …

    Im übrigen erinnere ich bei solchen Feststellungen gerne wieder einmal daran, daß in zahlreichen Städten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR Hitler bis zum Ende des SED-Regimes nicht aus der Liste der Ehrenbürger gelöscht wurde. Das geschah fast in allen Fällen erst zu Beginn der neunziger Jahre …

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