„Hardcore“ keine Neonazi-Marke mehr

Die Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ hat die Löschung des Markennamen „Hardcore“ erreicht. Ein Neonazi aus Niedersachsen hatte den Begriff beim Markenamt für eine Kleidungsmarke angemeldet. Dieser Eintrag wurde nach Angaben des Anwalts von „Kein Bock auf Nazis“ am 28. Dezember 2009 offiziell gelöscht. Da der Neonazi, der auch in einer bekannten Rechtsrockband aktiv ist, innerhalb der anschließenden Frist keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung eingelegt habe, sei die Löschung ab sofort rechtskräftig, sagte Tim Brenner von „Kein Bock auf Nazis“ gegenüber NPD-BLOG.INFO. Dies sei „ein großer Erfolg für unsere Kampagne“, welche mit 150.000 Stickern, 50.000 Flyern und reihenweise Bannern unterstützt wurde.

„Kein Bock auf Nazis“ bedankt sich ausdrücklich für die Unterstützung der Kampagne: „Wir sind uns sicher, dass dies ohne die vielen tausend Mails und Anrufe von Euch beim Markenamt und alle die Hilfe nicht möglich gewesen wäre.“ Zunächst habe das Markenamt zurückhaltend auf den Löschantrag reagiert; die vielen Anrufe und Faxe hätten dann aber die Relevanz dieser Sache klargemacht, so Brenner. „Kein Bock auf Nazis“ will sich dafür mit einem angemessenen „Dankeschön“ revanchieren.

NS-Hardcore ausschalten
NS-Hardcore ausschalten

Brenner erklärte, die Löschung der Marke „Hardcore“ sei durch zwei Ansätze verfolgt worden. Zum Einen können Privatpersonen gegen eine Eintragung Einspruch einlegen, dies sei zunächst geschehen. Zusätzlich habe man auch Firmen angeschrieben, die ebenfalls den Namen Hardcore verwenden, beispielsweise eine spanische Firma, die Sprühdosen herstellt oder eine deutsche Firma für Motorradteile. Diese Firmen hätten ebenfalls Einspruch eingelegt.

Brenner betonte, die Kampagne gegen den NS-Hardcore werde jetzt erst recht weitergehen. Neonazis versuchten verstärkt, den Hardcore für sich zu besetzen, da dieser als cool angesehen werde. Dies zeige einmal mehr, wie wichtig es ist, dass sich Leute gegen Neonazis klar positionieren. Zudem werde deutlich, wie „arm“ die Neonazi-Bewegung sei, was kreatives Potenzial angeht: Alles werde nur geklaut und kopiert.

Die Marke “Hardcore” wäre für folgende Bereiche urheberrechtlich geschützt gewesen, hätte KBAN die Löschung nicht durchgesetzt: Banner (Standarten), Baumwollstoffe, Bettzeug (Bettwäsche), Bezüge für Kissen, Drucktücher aus textilem Material, Duschvorhänge aus textilem Material oder aus Kunststofffolie, Fahnen, Wimpel (nicht aus Papier), Etiketten aus Textilstoffen, Heimtextilien, Textilhandtücher, Textilstoffe, Webstoffe (elastisch), Wandbekleidungen aus textilem Material, Anzüge, Babywäsche, Badeanzüge, Badehosen, Bademäntel, Bademützen, Bandanas (Tücher für Bekleidungszwecke), Bekleidung aus Lederimitat, Bekleidungsstücke, Büstenhalter, Damenkleider, Einstecktücher, Fußballschuhe, Geldgürtel (Bekleidung), Gürtel (Bekleidung), Halbstiefel (Stiefeletten), Halstücher, Handschuhe (Bekleidung); Hemd-Höschenkombinationen (Unterbekleidung), Hemdblusen, Hemden, Hosen, Hosenträger, Hüte, Jacken, Jerseykleidung, Kapuzen, Kopfbedeckungen, Lederbekleidung, Leibwäsche, Lätzchen, nicht aus Papier, Morgenmäntel, Mäntel (pelzgefüttert), Mäntel, Mützen, Mützenschirme, Oberbekleidungsstücke, Overalls, Parkas, Pelze (Bekleidung), Pullover, Pyjamas, Regenmäntel, Schals, Schärpen, Schlafanzüge, Schlüpfer, Schuhe, Slips, Socken, Stiefel, Sportschuhe, Strümpfe, Sweater, T-Shirts, Trikots, Trikotkleidung, Unterwäsche, Westen, Wäsche, Überzieher, Materialbearbeitung, Druckarbeiten, Einfassen von Stoffen, Färben von Stoffen und Textilien; Anfertigung und Änderung von Bekleidungsstücken; Aufdrucken von Mustern; Behandlung von Textilien und Webstoffen; Einfassen von Webstoffen; Färben von Textilien; Lasergravuren, Papierbehandlung, Offsetdruckbearbeitung, Sticken.

Hardcore stammt aus linken Subkulturen. Auch diesen Stil haben Neonazis für sich kopiert und mit neonazistischen und völkischen Inhalten aufgeladen. Hardcore-Punk (zumeist einfach Hardcore oder HC abgekürzt) entstand laut Wikipedia Ende der 1970er Jahre in den USA und unabhängig davon in Großbritannien als radikalere und schnellere Weiterentwicklung des Punk Rocks. Die ursprüngliche Hardcore-Ära gilt seit Mitte der 1980er Jahre als beendet, als Hardcore begann, sich in unterschiedliche Subgenres aufzuspalten. Schon in den USA trieb der Hardcore bisweilen bizarre Blüten, es tauchten bereits in den 1980er Jahren eher rechte Bands auf. Dagegen wehrten sich breite Teile der Hardcore-Bewegung anhaltend und erfolgreich. Eine bekannte Parole ist “Good night white pride!“, die ebenfalls von Rassisten und Neonazis kopiert und umgedeutet wurde.

Siehe auch: “Hardcore” als Neonazi-Marke rechtlich geschützt, “NS-Hardcore” ausschalten
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9 thoughts on “„Hardcore“ keine Neonazi-Marke mehr

  1. Das Phänomen „National Socialist Hardcore“ aus antifaschistischer Perspektive: Die Zeitschrift Lotta hat dazu jüngst einen lesenswerten Schwerpunkt veröffentlicht. Leseprobe gibt es hier:http://projekte.free.de/lotta/pdf/37/L37_NSHC_Schwerpunkt_Opener.pdf

    Schwerpunkt Lotta #37

    Lauter, schneller, härter
    Hardcore, Hatecore und National Socialist Hardcore

    National Socialist Hardcore
    Zwischen Mythos und Selbstverständnis

    Straight Edge als Ideologie und Lifestyle
    Wie sich Neonazis jugendkulturelle Themen aneignen

    Fight the System
    Die Bedeutung des Hardcore für die Herausbildung der AN

    It’s still more than Music
    Interview mit der Konzertgruppe »Hit & Run«

    Hier kann die Zeitschrift bestellt werden: http://projekte.free.de/lotta

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