Esoterik – Nationalsozialismus – Rechtsextremismus

Vom 17. Februar bis 17 März 2010 findet in der Universität Bielefeld in den Räumen des ästhetischen Zentrums der Universität die Ausstellung „Religion der Reinheit. Esoterik – Nationalsozialismus – Rechtsextremismus“ statt. Autor der Ausstellung ist der Historiker Herbert Rätz. Rätz, in der Arbeitskammer des Saarlandes für Erwachsenenbildung und Politik­beratung zuständig, erforscht seit vielen Jahren die Vernetzung von Esoterik/Okkultis­mus zu Nationalsozialismus und Rechtsextremismus. Er stellt seine diesbezüglichen Ergebnisse nun der Öffentlichkeit mit der Ausstellung vor, die aus 33 kommentierten Exponattafeln besteht. Die Ausstellung wird am 17. Februar um 18.00 Uhr in den Räumen des ästhetischen Zent­rums der Universität Bielefeld mit einem Einführungsvortrag des Historikers Herbert Rätz und einer Vernissage eröffnet. Sie schließt am 17. März um 18.00 Uhr mit einem Abschluss­vortrag von Herrn Rätz.

Über die Ausstellung:
Der Nationalsozialismus hat sich als Sammlungsbewegung für völkische Organisationen verstanden, mit dem Anspruch der absoluten Führung. Wer sich nicht diesem Anspruch unterwarf, wurde gnadenlos bekämpft, obwohl in der Sache Übereinstimmung bestand. Beispielsweise wurden neu-heidnische Gruppen ebenso verboten, wie Okkultorden oder der „Verein Deutsche Gotterkenntnis“, dem Mathilde und Erich Ludendorff vorstanden.

Der Nationalsozialismus ist nicht nur ein Antijudaismus. Denn die Vernichtung all dessen was als „volksschädlich“ bezeichnet wurde war nur die eine Seite der Menschenverachtung. Die andere Seite ist die „Religion der Reinheit“. Aus diesem Blickwinkel auf die NS-Ideologie wird dann auch erkennbar, warum es für Nationalsozialisten keinen Widerspruch bedeutet, wenn „das internationale Kapital“ ebenso „jüdisch“ ist, wie der Bolschewismus: beide werden als unterschiedliche Erscheinungsformen desselben Phänomens gesehen, des Materialismus.

Deshalb stellt die Ausstellung „Die Religion der Reinheit“ dar, welche Wurzeln dieser Alltagsreligion zugrunde liegen. Das Problem beginnt nicht erst im „Dritten Reich“ sondern ist schon vor dem Beginn unserer Zeitrechnung angelegt worden. Das apokalyptische Denken, der „Kulturpessimismus“, der stets die Welt zugrunde gehen und in der Neuerung einen Werteverfall sieht, steht in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff des „Dritten Reiches“, des „Tausendjährigen“, also ewigen Reiches, in dem die „Mächte der Finsternis“ besiegt und vernichtet worden sind. Eine Geschichte des apokalyptischen Denkens lässt sich nicht darstellen, dazu ist sie zu umfangreich. Wohl aber die Entwicklung der menschenverachtenden „Religion der Reinheit“, die mit der Entstehung der „modernen“ Esoterik identisch ist, vom Endes des 19. Jahrhunderts bis ins „Dritte Reich“ und die Erscheinungsformen ihres Kultes.

Kurator der Ausstellung ist Prof. Dr. Heinz Gess vom Fachbereich Sozialwesen der FH Biele­feld. Er bereitet die Ausstellung zusammen mit Frau Dr. Heike Piehler vom ästheti­schen Zent­rum der Universität und Studierendem aus dem Projekt „Politische Bildung“ am Fach­bereich Sozialwesen der FH Bielfeld vor. Mehr zu der Veranstaltung via Kritiknetz.

Siehe auch: Klaus J. Bade: “Tausendjährige deutsche Kultur ist eine völkische Fiktion”

4 thoughts on “Esoterik – Nationalsozialismus – Rechtsextremismus

  1. kennt jemensch eine seriöse internetpräsenz welche sich kritisch mit dem thema esoterik/esoterik&braunes gedankengut befasst?

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