Bahn soll NS-Opfer an Einkünften beteiligen

Ein Verband polnischer Deportierter fordert einem Bericht der IKG Wien zufolge „humanitäre Hilfe“ von der Deutschen Bahn. Die Bahn sei die Nachfolgerin der Deutschen Reichsbahn, die finanziell enorm von dem Transport von Nazi-Opfern profitiert habe, sagte der Präsident des größten Deportierten-Verbandes des Landes, Stanislaw Zalewski, dem Bericht zufolge. Heute wolle die Deutsche Bahn auf dem polnischen Markt aktiv werden. Da sei es nur gerecht, wenn sie einen Teil ihrer Einkünfte den ehemaligen Deportierten zur Verfügung stelle. „Medizinische Versorgung und Medikamente kosten viel in Polen, und der Mehrheit unserer Mitglieder geht es finanziell nicht gut.“

Nach Angaben des 2007 gegründeten Vereins „Zug der Erinnerung“ verdiente die Reichsbahn nach heutigen Berechnungen mindestens 445 Millionen Euro mit den Massendeportationen. Möglicherweise sei es sogar mehr als eine Milliarde Euro gewesen, heißt es in einer im November veröffentlichten Studie des Vereins. Es sei das erste Mal, dass die Mordbeihilfe der „Reichsbahn“ beziffert und den heutigen staatlichen Schuldnern zur Last gelegt werde, schrieb der Verein zu der Studie. Der „Zug der Erinnerung“ rief zudem zur umgehenden Gründung eines Hilfsfonds auf, um die überlebenden Opfer unterstützen zu können. Die Deutsche Bahn hatte Ende 2009 eine Lizenz bei den polnischen Behörden beantragt, um gemeinsam mit der polnischen PKP Intercity von Berlin aus eine Linie ins polnische Ostseebad Kolobrzeg (Kolberg) zu betreiben (siehe auch Pressemitteilung der Bahn). Darüber hinaus fährt im Rahmen der Zusammenarbeit bereits zwischen den jeweiligen Hauptstädten der Berlin-Warschau-Express.

Jahrelanger Kampf für die Ausstellungen

zugdererinnerung2Lange hatte sich die Bahn gegen die Ausstellungen des Vereins „Zug der Erinnerung“ gesperrt, die an die Rolle des Unternehmens bei den Transporten von Menschen in die Konzentrationslager thematisieren. Schließlich gab es doch eine Einigung, doch der Ärger ging  weiter. Für die rollende Ausstellung “Zug der Erinnerung” sollten die Veranstalter Gebühren an die Deutsche Bahn zahlen.

Beate Klarsfeld, die sich für eine Ausstellung jahrelang eingesetzt hatte, sagte im Interview mit tagesschau.de zu der Ausseinandersetzung mit der Bahn, Mehdorn fehle das Gefühl für Verantwortung. In Frankreich sei das Zeigen der Ausstellung kein Problem gewesen, so Klarsfeld, die Staatsbahn SNCF habe sich sehr kooperativ verhalten. Dort seien 18 große Reisebahnhöfe genutzt worden, um “die Kinder in die Wirklichkeit zurückzuholen. Die Reisenden sehen in der Ausstellung die Kinder vor der Deportation – lächelnde Kinder. Und sie lesen den Text, wann die Kinder deportiert und von ihren Eltern getrennt wurden. Denn Kinder wurden sofort vergast. Dann nehmen die Reisenden ihren Zug und denken: Vor 60 Jahren wurden auf diesen Strecken diese Kinder nach Auschwitz deportiert.“ Somit werde eine viel bedeutendere Beziehung zu den Ereignissen geschaffen, als wenn Menschen in ein Museum gingen.

Fotos aus der Ausstellung 11.000 Kinder.

Siehe auch: Bahn soll erhobene Gebühren an den “Zug der Erinnerung” spenden, The Nazis and the “Final Solution” (Episode 5/5), Ausstellung: Züge in den Tod, Erinnerungspolitik: Kunst vs Pädagogik?, Zug der Erinnerung: Bahn verdient offenbar an Holocaust-Gedenken