Die Immobilien-Masche zieht nicht mehr

In ganz Deutschland hat die NPD in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es um angebliche Kaufabsichten von Rechtsextremisten für Immobilien, die oft als schwer verkäuflich galten. Experten und Beobachter hatten immer wieder den Verdacht geäußert, dass es sich dabei um eine Masche handelte, um den Kaufpreis in die Höhe zu treiben. Jetzt will die NPD angeblich den Berghof am Dillnerg kaufen.

Wie die Neumarkter Nachrichten berichteten, wolle der Besitzer das Anwesen in den nächsten Tagen veräußern, es gebe Gerüchte um einen Verkauf an die NPD. Dazu wollte sich der Besitzer des Hotels auf Anfrage der Zeitung nur vage äußern.

Schulungszentrum statt Bordell?

Der Berghof hat dem Bericht zufolge eine bewegte Zeit hinter sich: 2006 wurde er zum Schnäppchenpreis versteigert; dann plante ein möglicher Betreiber, ein Bordell aus dem ehemaligen Hotel zu machen – der Marktrat lehnte dies jedoch ab. Nun steht das Anwesen zum Verkauf, „noch diese Woche wird das über die Bühne gehen“, so der Besitzer gegenüber den NN. Künftig soll der Berghof ein Tagungszentrum beherbergen, sagte er noch und wurde dann recht vage. Es sei eine politische Geschichte. Ob die NPD das Gebäude kaufen werde, wollte er weder dementieren noch bestätigen. Vollkommen richtig stellt die Zeitung die Frage, ob die Partei das Geld dafür habe – und weist auch auf den Tod des Neonazi-Anwalts Jürgen Rieger hin, dessen Name im Zusammenhang mit angeblichen Kaufabsichten immer wieder aufgetaucht war.

Man habe keine konkreten Hinweise darauf, erklärte laut NN Robert Aiwanger vom Staatsschutz in Regensburg, dass die Partei das Areal erwerben wolle. Bekannt sei aber eine Masche, die hin und wieder verfolgt werde: Lasse sich ein Objekt nur schwer verkaufen oder habe die Gemeinde einen Erwerb abgelehnt, versuche man eine Drohkulisse aufzubauen. Bei mancher Gemeinde funktionierte das schon: sie kaufte ein Haus teils zu einem überhöhten Preis – um zu verhindern, dass sich Rechtsextreme im Ort niederließen.

Kein Vorkaufsrecht

In Postbauer-Heng war man bis zur NN-Anfrage über die Vorgänge nicht informiert. Die Gemeinde besitze kein Vorkaufsrecht, so Bürgermeister Horst Kratzer gegenüber dem Blatt. Das heiße, sie würde über ein endgültiges Geschäft erst dann informiert werden, wenn es in das Grundbuch eingetragen werde. Denn eine Nutzungsänderung müsse wahrscheinlich gar nicht beantragt werden, sollte ein Schulungszentrum im Berghof entstehen; denn bis vor einigen Jahren war in dem Gebäude auf dem Dillberg ein Hotel untergebracht.

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