NPD will nicht mehr Freund vom Feind des Feindes sein

Vor dem bevorstehenden Strategietreffen der NPD im Großraum Berlin gehen die Befürworter einer Hetzkampagne gegen Moslems in Deutschland in die Offensive. Im Internet veröffentlichten sie ein Strategiepapier unter der Überschrift „Niemals deutsches Land in Moslem-Hand! Inhaltliche und taktische Gründe für den Kampf gegen die Islamisierung.“

Von Patrick Gensing

In dem Papier agiert die NPD einmal mehr mit unbewiesenen Behauptungen und „offenen Geheimnissen“; so heißt es:

Der Moslem und die Muslima als solche – mit ihrer fremden Herkunft, ihrem Aussehen, ihren Sitten und ihrer Religiosität – lösen bei den allermeisten Deutschen Unbehagen, Angst und Abwehr aus. Um die Forderung nach Ausländerrückführung zu popularisieren, sollte in Wahlkämpfen genau die Ausländergruppe in den Fokus gerückt werden, die sich die meisten Inländer außer Landes wünschen. Die nationale Opposition ist also wahltaktisch gut beraten, die Ausländerfrage auf die Moslemfrage zuzuspitzen (ohne sie freilich darauf zu beschränken) und die Moslems als Projektionsfläche für all das anzubieten, was den Durchschnittsdeutschen an Ausländern stört. Die populäre Moslemkritik kann so zum Türöffner für die viel weitergehende Ausländerkritik der nationalen Opposition werden.

Während die NPD sonst gerne von organisch-gewachsenen Völkern schwadroniert, machen sich es die Herren Neonazis hier deutlich einfacher und „argumentieren“ nun in religiösen Kategorien, um alle Ausländer zu treffen. Dies räumt die NPD auch offen ein: Man habe „propagandistisch die Moslems zu schlagen, um noch ganz andere Ausländergruppen politisch zu treffen“. Die nicht genannten Autoren des Textes versuchen zudem den Widerspruch aufzuheben, der sich aus ihrer Strategie ergibt, denn international sehen viele Neonazis im Kampf gegen die USA und Israel „den“ Islam als Verbündeten. Und das geht so:

Der Kampf gegen die Islamisierung Deutschlands schließt die Achtung vor dem Islam dort, wo er historisch beheimatet ist und die Lebensordnung der Menschen prägt, keinesfalls aus. Vor allem schließt die innenpolitische Gegnerschaft zum Islam nicht die außenpolitische Würdigung der islamischen Welt als letztes Bollwerk gegen die Durchkapitalisierung und Durchamerikanisierung der Welt aus.

Moslems gelten also als innere Feinde, aber nicht als äußere. Juden hingegen stellen für die Neonazis das schlimmste Übel auf Erden überhaupt dar und daher tun die Autoren des Textes auch alles, um nicht in den Verdacht zu geraten, mit Israel zu sympathisieren.

der Jude ist nicht plötzlich mein Freund, weil ich innenpolitisch gegen Moslems bin, und der Moslem ist nicht mein Freund, weil ich außenpolitisch gegen USrael bin. […] Es kann kein Bündnis mit einem Feind Deutschlands gegen den anderen Feind Deutschlands geben!

Ansonsten betreiben die NPD-Strategen in ihrer Abhandlung das, was in breiten Bevölkerungsschichten bis hin zu vielen Redaktionensstuben beliebt ist: Soziale Probleme werden ethnisch aufgeladen und gedeutet. „Neben der Nationalisierung der sozialen Frage muß der Kampf gegen die islamische Überfremdung das Kernthema nationaler Kampagnen sein“, schreibt die NPD dazu.

Lesetipp: Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”

Und wer sich gerne in der Vergangenheit suhlt, beispielsweise 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg, der hat auch wenig Probleme damit, noch weiter in die Vergangenheit abzudriften, um die eigenen Hass-Parolen zu unterfüttern. Die NPD schließt mit dem Satz: „Die Siege über die Türken vor Wien 1529 und 1683 dürfen nicht umsonst gewesen sein!“

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(Quelle: Marek Peters)

Schön zeigen Neonazis in anschließenden Diskussionen denn auch noch, wie wenig sie am Wohl von Menschen interessiert sind. So schreibt der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Unna/Hamm, Voss, auf einer rechtsextremen Seite:

Islamische Staaten und der Islam südlich des Mittelmeers können sehr wohl Verbündete deutscher Nationalisten sein. Südlich des Mittelmeers können sie Moscheen bauen und Minarette so viel wie sie wollen, sie können steinigen, Hände abhacken, Schador, Burka und weiß der liebe Himmel was tragen.

Dies kommentiert „Antiislamist“:

Im Gegensatz zur NPD sind uns die Frauen und Kinder in vom Islam drangsalierten Staaten eben nicht egal. Wir wollen den Islam nicht nur in Europa vernichten, sondern auch sonst von diesem Erdball fegen. Das sind wir unseren christlichen Werten und den Menschenrechten schuldig.

Einem NPDler mit Menschenrechten kommen; fast rührend.

Ansonsten wird das Papier der NPD aber von vielen Kommentatoren in den höchsten Tönen gelobt, so als sei es in der Bevölkerung auch nur ansatzweise bekannt, dass es in der rechtsextremen Bewegung eine Debatte über die außenpolitische Positionierung zur islamischen Welt gibt. Zu dieser Gelegenheit passend kommt gerade folgende Eilmeldung herein.

Eilmeldung

Siehe auch: Florian Röpke über das NPD-Papier, Minarett als Strohhalm, Die NPD und das Kreuz mit dem Minarett, November: NPD kommt auf den Anti-Minarett-Trip, DVU streckt Fühler in Richtung “Pro”-Gruppen aus, “Rassisten sind vorhersehbar wie Pawlowsche Hunde”, NPD gegen Minarette: “Echtes Pantoffelheldentum”, Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”

6 thoughts on “NPD will nicht mehr Freund vom Feind des Feindes sein

  1. „Es kann kein Bündnis mit einem Feind Deutschlands gegen den anderen Feind Deutschlands geben!“

    Hmm, wenn man es genau nimmt, dürften sie also nicht einmal ein Bündnis mit sich selbst eingehen, da sie ja auch im weiteren Sinne ein „Feind“ Deutschlands sind.

    Haben sie eigentlich bedacht, dass man in islamischen Ländern nicht so wirklich gut ankommt, wenn man hier gegen Moslems vorgehen möchte?

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  2. Der komplette Beitrag auf der Website der Bundes-NPD dürfte den Strafbestand der Volksverhetzung mit Bravour erfüllen. So etwas zu lesen, ist einfach nur abstoßend.

    Interessant ist – und das ist natürlich das Perfideste und Heuchlerrischste überhaupt- , dass der Schreiberling sich nicht scheut, so bereitwillig auf Zitate und Passagen aus der BRD-Judenpresse zurückzugreifen, um seinen Hasstiraden durch seriöse Blätter Nachdruck zu verleihen. Dort, wo es passt, zitiert man halt diese verhasste Judenpresse.

    Des Weiteren scheint man bei der NPD auch keine Berührungsängste mit wissenschaftlichen empirischen Untersuchungen von „BRD-Institutionen“ zu haben, um den eigenen Schwachmatien einen seriösen Anstrich zu verleihen. Dass die NPD ansonsten mit der Wissenschaft, nämlich dort, wo die kranken Ansichten ihrer Anhänger widerlegt werden können, aber auf Kriegsfuss steht, scheint diesmal keine Rolle zu spielen. Nun ja, wie die große Hannah Arendt schon schrieb, sind Ideologen und Ideologien höchst flexibel und wenig wählerrisch, wenn es darum geht, Propaganda einzusezen, um Feindbilder zu erfinden und diese auch zu transportieren.

    Mit Sicherheit wird es den einen oder anderen Leser geben, der all die in diesem Text aufgestellten Behauptungen glauben und sich anschließend bestättigt fühlen wird. Dies lässt sich nicht ändern, zeigt aber, wie tief die NPD in der rassistsichen Mottenkiste graben muss, um die letzten Wähler an sich zu binden.

  3. Vernichten und Menschenrechte passt auch nicht zusammen.

    Die NPD wird so auch niemals gewinnen, denn dazu muss man die Wahrheit kennen und verwenden.

  4. Israel tut mir wirklich Leid: Unterstützer wie PI, „Antideutsche“ oder die „Achse des Guten“ hat sich dieses großartige Land schon nicht verdient.

    Aber wenigstens solidarisiert sich nicht auch die NPD – sonst wäre Israel in der Tat wohl endgültig das Land mit den peinlichsten Freunden…

  5. January 12, 2010
    Op-Ed Columnist
    The Tel Aviv Cluster
    By DAVID BROOKS
    Jews are a famously accomplished group. They make up 0.2 percent of the world population, but 54 percent of the world chess champions, 27 percent of the Nobel physics laureates and 31 percent of the medicine laureates.

    Jews make up 2 percent of the U.S. population, but 21 percent of the Ivy League student bodies, 26 percent of the Kennedy Center honorees, 37 percent of the Academy Award-winning directors, 38 percent of those on a recent Business Week list of leading philanthropists, 51 percent of the Pulitzer Prize winners for nonfiction.

    In his book, “The Golden Age of Jewish Achievement,” Steven L. Pease lists some of the explanations people have given for this record of achievement. The Jewish faith encourages a belief in progress and personal accountability. It is learning-based, not rite-based.

    Most Jews gave up or were forced to give up farming in the Middle Ages; their descendants have been living off of their wits ever since. They have often migrated, with a migrant’s ambition and drive. They have congregated around global crossroads and have benefited from the creative tension endemic in such places.

    No single explanation can account for the record of Jewish achievement. The odd thing is that Israel has not traditionally been strongest where the Jews in the Diaspora were strongest. Instead of research and commerce, Israelis were forced to devote their energies to fighting and politics.

    Milton Friedman used to joke that Israel disproved every Jewish stereotype. People used to think Jews were good cooks, good economic managers and bad soldiers; Israel proved them wrong.

    But that has changed. Benjamin Netanyahu’s economic reforms, the arrival of a million Russian immigrants and the stagnation of the peace process have produced a historic shift. The most resourceful Israelis are going into technology and commerce, not politics. This has had a desultory effect on the nation’s public life, but an invigorating one on its economy.

    Tel Aviv has become one of the world’s foremost entrepreneurial hot spots. Israel has more high-tech start-ups per capita than any other nation on earth, by far. It leads the world in civilian research-and-development spending per capita. It ranks second behind the U.S. in the number of companies listed on the Nasdaq. Israel, with seven million people, attracts as much venture capital as France and Germany combined.

    As Dan Senor and Saul Singer write in “Start-Up Nation: The Story of Israel’s Economic Miracle,” Israel now has a classic innovation cluster, a place where tech obsessives work in close proximity and feed off each other’s ideas.

    Because of the strength of the economy, Israel has weathered the global recession reasonably well. The government did not have to bail out its banks or set off an explosion in short-term spending. Instead, it used the crisis to solidify the economy’s long-term future by investing in research and development and infrastructure, raising some consumption taxes, promising to cut other taxes in the medium to long term. Analysts at Barclays write that Israel is “the strongest recovery story” in Europe, the Middle East and Africa.

    Israel’s technological success is the fruition of the Zionist dream. The country was not founded so stray settlers could sit among thousands of angry Palestinians in Hebron. It was founded so Jews would have a safe place to come together and create things for the world.

    This shift in the Israeli identity has long-term implications. Netanyahu preaches the optimistic view: that Israel will become the Hong Kong of the Middle East, with economic benefits spilling over into the Arab world. And, in fact, there are strands of evidence to support that view in places like the West Bank and Jordan.

    But it’s more likely that Israel’s economic leap forward will widen the gap between it and its neighbors. All the countries in the region talk about encouraging innovation. Some oil-rich states spend billions trying to build science centers. But places like Silicon Valley and Tel Aviv are created by a confluence of cultural forces, not money. The surrounding nations do not have the tradition of free intellectual exchange and technical creativity.

    For example, between 1980 and 2000, Egyptians registered 77 patents in the U.S. Saudis registered 171. Israelis registered 7,652.

    The tech boom also creates a new vulnerability. As Jeffrey Goldberg of The Atlantic has argued, these innovators are the most mobile people on earth. To destroy Israel’s economy, Iran doesn’t actually have to lob a nuclear weapon into the country. It just has to foment enough instability so the entrepreneurs decide they had better move to Palo Alto, where many of them already have contacts and homes. American Jews used to keep a foothold in Israel in case things got bad here. Now Israelis keep a foothold in the U.S.

    During a decade of grim foreboding, Israel has become an astonishing success story, but also a highly mobile one.

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