Politisch korrektes Deutsch gegen jiddische Wurzeln

Als aufrechter Rechter hat man es schwer. Überall lauert der böse Zeitgeist, der dem politisch korrekten Rechten drangsaliert. So auch zu Silvester: Der „gute Rutsch“, den sich arglose Deutsche wünschen, ist nämlich möglicherweise jiddischen Ursprungs. NPD und Junge Freiheit, bitte übernehmen…

Die NPD und die Junge Freiheit hatten zum Jahreswechsel 2010 alte Kamellen in Sachen Etymologie wiedergekäut. Dabei geht es um den Wunsch „einen guten Rutsch“, welcher möglicherweise aus dem Hebräischen kommt. Die NPD in Baden-Württemberg schreibt dazu (Fehler im Original):

Auf Weihnachtskarten, die jetzt verschickt werden, wird vielfach auch schon ein “guter Rutsch” ins neue Jahr gewünscht. Aber mit Rutschen hat diese weitverbreitete Redensart nichts zu tun. Sie kommt aus dem Hebräischen. Rosch Haschana heißt wörtlich übersetzt “Kopf des Jahres” und bedeutet den Jahresanfang. Die Juden wünschen sich einen “guten Rutsch” nicht in den letzten Dezembertagen, sondern im September oder Oktober, wenn sie das neue Jahr beginnen.” Also keinen Rutsch, aber ein gutes Neues Jahr, Gesundheit, Kraft und auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

Die Junge Freiheit nutzte hingegen als Aufhänger die Zuschrift einer NPD-Anhängerin, in der über die Verwendung des „Guten Rutsches“ in dem neurechten Blatt geklagt wurde. Dazu schreibt die JF:

Jiddisch und national gehen demnach also nicht zusammen. In diesem Sinne hat auch die JUNGE FREIHEIT endgültig bewiesen, in Wirklichkeit tief antinational eingestellt zu sein. Verkündete sie doch ihren Lesern vor wenigen Tagen in großen Lettern – allerdings nicht in „Schwabacher Judenlettern“ (Martin Bormann): „Die JUNGE FREIHEIT wünscht einen guten Rutsch!“

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Nun beschäftigt sich die JF aber nicht weiter damit, warum solche Dösbaddels wie die NPD-Anhängerin dieses Blatt überhaupt lesen, sondern der Autor ruft eine Art kulturellen Urheberrechtsstreit aus. Den Rutsch will er offenbar nicht kampflos den Juden überlassen, denn „im Deutschen ist auch ohne jiddischen Einfluß bereits das Wort „Rutsch“ vorhanden, auch in der Bedeutung „kleine Reise““. Es sei sogar „statt dessen auch der entgegengesetzte Weg denkbar, nämlich daß im Jiddischen das hebräische „Rosch“ an den deutschen „Rutsch“ angeglichen wurde“. Denkbar ist viel. Und der Artikel von Thomas Paulwitz, nach eigenen Angaben „Historiker und Sprachpfleger“, endet denn auch mit dem obligatorischen Hinweis auf den bösen, bösen Zeitgeist:

Möglicherweise ist also bei vielen, die den Rutsch für jiddisch halten, eher der Wunsch der Vater des Gedankens, da die Geschichte so schön dem Zeitgeist entspricht.

Siehe auch: Die Geschichte des Schlachters. Mord und Antisemitismus in einer deutschen Kleinstadt

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