Google Ads: Klick nach rechts

Der Internetriese Google plaziert NPD-Werbung auf Onlineportalen großer Medien – und ignoriert damit die eigenen Werberichtlinien. Doch die betroffenen Verlage wehren sich – mehr oder weniger.

Von André Lenthe, zuerst erschienen in der jungen Welt

Der Hinweis auf der Internetseite des Hamburger Abendblattes suggeriert Seriösität. »Kostenlos jeden Samstag per EMail Objektiv über die NPD informieren«, steht in etwas eigenwilligem Deutsch direkt unter einem redaktionellen Bericht über die rechtsextreme Partei. Wer auf den Button klickt, landet auf der Website der NPD und erfährt dort, daß die Truppe derzeit eine Kampagne unter dem Motto: »Danke, Schweiz –Minarettverbot auch hier« gestartet hat. Kein Einzelfall. Seit einigen Wochen wirbt die NPD auf den Internet­angeboten großer Zeitungshäuser für ihren »Wochenbrief«. Dabei nutzt sie »Ad-Sense«, einen Werbedienst der Internetsuchmaschine Google. Das Angebot stellt inhaltsbezogene Reklame zur Verfügung, die automatisch erzeugt wird. Dank Google gelingt es der NPD, Werbung auf prominenten Anzeigenplätzen zu veröffentlichen. Bei der Süddeutschen Zeitung beispielsweise oder beim Axel-Springer-Verlag. Auch andere Internetportale haben »Ad-Sense« in ihre Seiten integriert. Welche Anzeige erscheint, richtet sich nach bestimmten Stichworten im angezeigten Text. Der Nebeneffekt bei diesem Prinzip: Wer im Internet kritisch über die NPD berichtet und »Ad-Sense« installiert hat, wirbt möglicherweise gleichzeitig für die Positionen der Partei.

NPD-Werbung auf Welt-Online: Eingesehen am 20. Oktober 2009
NPD-Werbung auf Welt-Online: Eingesehen am 20. Oktober 2009

Der Internetriese hat kein Problem mit seinem Kunden aus der rechten Ecke. »Google ist eine Werbeplattform, die grundsätzlich jedem offensteht, der sich bei seiner Werbung an die Gesetze und unsere Werberichtlinien hält«, erklärt die Firma auf jW-Nachfrage. Dazu zählten auch alle Parteien in Deutschland, die nicht vom Bundesverfassungsgericht verboten sind. Doch die eigenen Grundsätze würden es dem US-Unternehmen durchaus ermöglichen, die Geschäfte mit der NPD zu beenden. So steht in den Werberichtlinien, daß »Anzeigentexte, die sich gegen eine Organisation, Person oder Personengruppe aussprechen, nicht zulässig« sind. Doch genau das betreibt die NPD. »Auch die Deutschen haben genug von Überfremdung, Islamisierung und immer mehr Moscheebauten in unseren Städten«, erfährt der Leser beim Klick auf den »NPD-Wochenbrief«. Bei Google hält man solche Aussagen für unbedenklich. »Die Anzeige wurde geprüft; man wolle keine Entscheidung darüber treffen, welche Meinung richtig oder falsch sei«, sagte Google-Sprecherin Lena Wagner zu junge Welt.

Der Axel-Springer-Verlag, in dem auch das Hamburger Abendblatt erscheint, sieht das allerdings anders. »Die im konkreten Fall von der NPD verwendete URL haben wir unmittelbar nach Kenntnisnahme auf eine ›Blacklist‹ gesetzt«, erklärte Christian Garrels, Sprecher des Medienhauses, gegenüber jW. Garrels verweist auf einen Filter, der es Websitebetreibern ermöglicht, unpassende Anzeigen auszuschalten. Zwar funktioniere diese Sperre noch nicht optimal, aber der Verlag arbeite intensiv daran, die existierenden Kontrollmechanismen einzusetzen und weiterzuentwickeln, betonte Garrels. »Grundsätzlich gilt, daß die Medien der Axel Springer AG Werbung von Parteien ablehnen, deren Programme im Widerspruch zu den Unternehmensgrundsätzen stehen«, so der Unternehmenssprecher. Neben den grundlegenden Menschenrechten wie Freiheit und Gleichheit gehörten unter anderem auch die Aussöhnung mit dem jüdischen Volk dazu, so Garrels. Auch bei Zeit-online, dem Internetportal der Hamburger Wochenzeitung, hat man reagiert. »Wir arbeiteten an einer Optimierung der zur Verfügung stehenden Filter und Sperrlisten«, betonte Zeit-online-Geschäftsführer Christian Röpke. Über Geschäftsbeziehungen zu Google will er sich aber nicht äußern. »Bitte haben Sie Verständnis, daß wir zu der Zusammenarbeit mit Partnern an dieser Stelle keine Aussage machen«, so Röpke.

Die Hoffnung auf einen entsprechenden Filter von Google hat der Betreiber des Recherche- und Informationsportals »NPD-Blog.info«, Patrick Gensing, bereits aufgegeben. Er habe »Ad-Sense« deshalb komplett von der Seite genommen. »Eine Konsequenz, die viele Verlage scheuen dürften, ist Google doch zu groß und einflußreich«, vermutet er. Daher würden die NPD-Anzeigen bislang kaum thematisiert. Wohl auch deshalb, weil alle Beteiligten von dem bisherigen System profitieren, kritisiert Gensing. »Dabei müßte man sich nur vorstellen, daß in den Print-Ausgaben von Welt, Süddeutscher Zeitung oder Bild Anzeigen der NPD veröffentlicht werden, dann wäre aber etwas los«, erklärt der Journalist. Doch offenbar, so Gensing, gelten im Internet andere Maßstäbe.

Siehe auch: Nazis & sex sell: NPD-Spenden über 0900-Nummern, “Damit hilft Google der NPD”, Google-Ads mit NPD-Propaganda, NPD bei Google News, Wie braune Propaganda zur Nachricht wird

6 thoughts on “Google Ads: Klick nach rechts

  1. Sehr guter Artikel, schön objektiv und kein „Google ist scheisse“ gerede, google kann da ja schliesslich nichts dafür.

  2. draufklicken und draufklicken lassen. man muss den senf nicht mal lesen, damit es sie geld kostet.

    .~.

Comments are closed.