In Gedenken an Stefan Heym

Am 16. Dezember 2001 ist der Schriftsteller Stefan Heym in Israel an Herzversagen gestorben. Heym, als Helmut Flieg am 10. April 1913 als Sohn einer jüdischen Chemnitzer Kaufmannsfamilie geboren, musste wegen des NS-Terrors Deutschland verlassen, er kehrte als US-Soldat und Mitglied der legendären Ritchie Boys zurück. Heym verließ Amerika 1952 jedoch wegen der Verfolgungen linker Intellektueller und Künstler durch McCarthy, damals verließen auch Charlie Chaplin, Bertolt Brecht und Thomas Mann die USA. 1952 zog er zunächst nach Prag, von wo er 1953 in die DDR übersiedelte. Auch dort bekam er Probleme, da er sich kritisch zu dem Regime äußerte. Nach der Wiedervereinigung zog Heym auf einer offenen Liste der PDS in den Bundestag ein, wo er im Jahr 1994 als Alterspräsident die Eröffnungsrede zum 13. Deutschen Bundestag hielt.

Im Jahre 1997 gehörte Heym zu den Unterzeichnern der „Erfurter Erklärung”, in der ein rot-grünes Bündnis unter Tolerierung der PDS nach der Bundestagswahl 1998 gefordert wurde. Heym starb am 16. Dezember 2001 an Herzversagen am Toten Meer in Israel nach der Teilnahme an einem Heinrich-Heine-Symposium in Jerusalem.

„Exportgeschäft“

„Wir exportieren!
Wir exportieren!
Wir machen Export in Offizieren!
Wir machen Export!
Wir machen Export!
Das Kriegsspiel ist ein gesunder Sport!

Die Herren exportieren deutsches Wesen
zu den Chinesen!
Zu den Chinesen!

Gasinstrukteure,
Flammengranaten,
auf arme, kleine gelbe Soldaten –
denn davon wird die Welt genesen.
Hoffentlich
lohnt es sich!

China ist ein schöner Machtbereich.
Da können sie schnorren und schreien.
Ein neuer Krieg –
sie kommen sogleich,
mit Taktik und Reglement und Plänen
Generale, Majore!
Als ob sie Hyänen der Leichenfelder seien.

Sie haben uns einen Krieg verloren.
Satt haben sie ihn noch nicht –
wie sie am Frieden der Völker bohren!
Aus Deutschland kommt das Licht!
Patrioten!
Zollfrei Fabrikanten von Toten!

Wir lehren Mord! Wir speien Mord!
Wir haben in Mördern großen Export!
Ja!
Es freut sich das Kind, es freut sich die Frau.
Von Gas werden die Gesichter blau.
Die Instruktionsoffiziere sind da.

Was tun wir denn Böses?
Wir vertreten doch nur die deutsche Kultur.“