Die NPD und die Bildung: Von Sündenböcken und Glashäusern

Ausgerechnet die NPD, welche für jedes reale oder fiktive Problem einen Sündenbock präsentiert, beklagt sich über die vermeintlich ungerechte Behandlung von Lehrern in Sachsen. Diese sollten wohl zum Sündenbock gemacht werden, so die Neonazi-Partei. Allerdings ist erst einmal schwer zu verstehen, worum es in dem Beitrag – von Google News einmal mehr zur Nachricht gekürt – überhaupt geht. Autor Reinhard Busch, auch für die Deutsche Stimme tätig, schreibt auf einer NPD-Seite:

Volles Gehalt für volle Arbeit, wo kommen wir denn dahin? Wurde nicht bisher immer von Standortvorteilen geredet, die es zu verteidigen gelte? Im Zuge der Globalisierung muß doch jeder wettbewerbsfähig sein! „Nicht jeder, denn vereinzelt gibt es doch noch Bereiche, wo dies nicht zutrifft. So bei Abgeordneten und Bürgermeistern”, teilt Antje Hiekisch (NPD) mit.

Bekommen Bürgermeister und Abgeordnete nur halbes Gehalt bei voller Arbeit? Oder dreiviertel Gehalt bei sieben Achtel Arbeit? Vielleicht werden diese Rätsel noch aufgelöst. Weiter heißt es:

„Zusatzlasten”, kolportiert Gunnar Saft in der sächsischen Presse. Mit dieser Wortwahl entsteht der Eindruck, die sächsischen Lehrer würden unangemessene Forderungen stellen.

Wer ist Gunnar Saft? Keine Ahnung. Aber Teilzeitarbeit sei den vergangenen Jahren – verbunden mit Einkommenseinbußen – „schmerzlich akzeptierte Einschnitte“ gewesen. Daher engagierten sich die Lehrer zunehmend ehrenamtlich. Das Ganze kommentiert nun Antje Hiekisch (NPD), „selbst Mutter zweier Kinder“ – und daher „natürlich“ qualifiziert, etwas zum Thema Lehrer zu vermelden. Denn welcher Lehrer liebt nicht die Eltern, die am Elternsprechtag erst einmal erklären, wie die Pauker ihren Job verrichten sollten?

Die zweifache Mutter zitiert noch einmal jenen unbekannten Gunnar Saft (möglicherweise ein Journalist) und verbindet das Ganze mit rechter Globalisierungskritik sowie Polemik gegen Bürgermeister, die nach Meinung von Antje Hiekisch – selbst in einer Partei, die sich zu einem beträchtlichen Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert – vollkommen überbezahlt seien.

Dass in Sachen Bildung allerdings tatsächlich im Freistaate Sachsen etwas faul ist, beweist die NPD einmal mehr selbst. Möglicherweise führt die NPD ebenfalls die Sündenböcke Globalisierung und überbezahlte Provinzbürgermeister für die Artikel-Überschrift „Endlich ein Sündenbock gefunden, die Lehrer sollen mitschuldig sein“ an. Sozusagen als selbsterfüllende Prophezeiung.

2 thoughts on “Die NPD und die Bildung: Von Sündenböcken und Glashäusern

  1. Ich versuch mal den Hintergrund der Geschichte zu erhellen:

    Gunnar Saft ist Journalist und schreibt regelmäßig für die Sächsische Zeitung. In einem Artikel ging es um die Lohnangleichung von sächsischen Lehrern, die demnächst „100% West“-Gehalt bekommen. Der Finanzminister(?) kommt zu Wort, Tenor: Das wird teuer. Weiter geht es darum, dass die Lehrergewerkschaft nun fordert, dass die Lehrer in höhere Lohngruppen eingeordnet werden. Denn z.Zt. sind sie bei 9-12, der West-Lehrer bei 13 – Die „100% West“-Gehalt sind also eher ein schöner Rechen-Trick. Tenor des Ministers: Diese *Zusatzlasten* können wir nicht bezahlen.

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