Lesetipp: Wandel der Feindbilder?

Auch die antifaschistische Zeitschrift LOTTA hat sich in ihrer neuen Ausgabe mit dem Rassismus gegen Muslime als Eintrittskarte der extremen Rechten in die politische Mitte beschäftigt. Nachdem die von zwei rechtspopulistischen Parteien inszenierten Initiative gegen Minarettbau in der Schweiz erfolgreich abgeschlossen war, hagelte es Ankündigungen zur Nachahmung von Rechtsaußenparteien in ganz Europa. Findet in der extremen Rechten ein Wandel der Feindbilder statt?, fragt die LOTTA.

Lesetipp: Die NPD und das Kreuz mit dem Minarett

LOTTA-Autor Alexander Häusler zeigt anhand von Beispielen auf, wie die extreme Rechte zwischen Antisemitismus und Moslemfeindlichkeit laviert. Dabei werde die weit verbreitete Angst vor dem politischen Islamismus genutzt, um rassistische Feindbilder salonfähig zu machen. Das brisante Thema Moscheebau bietet dafür eine ideale propagandistische Projektionsfläche, der sich nahezu alle Parteien von Rechtsaußen bedienen.

Streit hingegen gibt es in der extremen Rechten im Umgang mit dem Feindbild Jude. Während die modernisierte extreme Rechte in Europa erkannt hat, dass mit allzu offenem Antisemitismus keine breite Zustimmung zu erzielen ist, beharrt die neonazistische Rechte auf ihrem klassischen Feindbild und sieht in dem proklamierten Feindbildwandel ihres modernisierten Widerparts einen „Verrat an der Sache“. Jenseits dieses Streits – so zeigt der Beitrag auf – rückt der kulturreligiös aufgeladene Rassismus in Form des Schlagwortes der „Islamisierung“ in die Mitte der politischen Debatte. Die rassistische Verknüpfung von religiösen mit ethnischen Angstszenarien – „kulturfremder Glaube“ und „Überfremdung“ – hat im Schlagwort „Islamisierung“ seinen treffenden Kampagnen- und Kampfbegriff gefunden.

Aktuell findet dieser Kampfbegriff – häufig unwidersprochen – Resonanz in der Öffentlichkeit: Viele Zeitungen und Zeitschriften präsentieren aktuell Online-Umfragen zu Erhebung von Einstellungen gegenüber der „Islamisierung“. Dadurch droht der modernisierte Rassismus von Rechtsaußen gesellschaftsfähig zu werden. Der Artikel kann hier online gelesen werden, die weiteren Beiträge finden sich in der Print-Ausgabe, die hier bestellt werden kann.

NS-Hardcore & Angriff von Rechts

Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich mit neofaschistischen Einflüssen in der „Hardcore“-Musikszene. Außerdem wird mein Buch „Angriff von Rechts“ besprochen. Zu meiner großen Freude hat der Rezensent erkannt, dass dieses Buch eben nicht für Fachleute geschrieben wurde, sondern für die große Mehrheit, die nicht sofort weiß, was völkische Ideologie und Ethnopluralismus ist. „Fazit: Ein lesenswertes, journalistisches Werk, das vor allem EinsteigerInnen zu empfehlen ist.“

Siehe auch: “ANGRIFF VON RECHTS” – Hintergründe zum Buch, “Hardcore” als Neonazi-Marke rechtlich geschützt, “NS-Hardcore” ausschalten

3 thoughts on “Lesetipp: Wandel der Feindbilder?

  1. Bisher hat die „Rechte“ das Problem doch ganz pragmatisch gelöst: Araber und Muslime sind ihre Verbündeten, wenn sie a) gegen Israel kämpfen (=> Antisemitismus) und b) „zuhause“ bleiben. Gegen Überfremdung und Islamisierung lässt sich so daheim trotzdem noch kämpfen, ganz im Geiste des „Ethnopluarismus“. Denn demzufolge hat man ja gar nichts gegen die „anderen“, solange sie nicht hier sind.

  2. „Zu meiner großen Freude hat der Rezensent erkannt, dass dieses Buch eben nicht für Fachleute geschrieben wurde, sondern für die große Mehrheit, die nicht sofort weiß, was völkische Ideologie und Ethnopluralismus ist. “Fazit: Ein lesenswertes, journalistisches Werk, das vor allem EinsteigerInnen zu empfehlen ist.” “

    Wer sich so selbstlos und edel der guten Sache, nämlich der Bekämpfung des allgegenwärtigen deutschen Rechtsextremismus und Neonazismus widmet, der darf natürlich schon mal mit einer kleinen materiellen Belohnung rechnen, und damit: Kauft, Leute, kauft mein Buch „Angriff von Rechts“ !

    Übrigens: Gabs so was in der Vergangenheit nicht schon? Und das gleich mehrfach …?

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