Rechtes Monatsblatt: Medienkonzern übernimmt Vertrieb

Ab dem 18. Dezember wird an Zeitungskiosken und im Bahnhofsbuchhandel ein neues rechtsextremes Monatsheft verkauft, das die Nachfolge des betagten „Nation & Europa“ antritt. Der Verleger Dietmar Munier will ein „deutsches Nachrichtenmagazin“ mit eindeutigen Botschaften etablieren. Hilfreich zur Seite steht dem Rechtsblatt eine Tochterfirma des Hamburger Bauer-Verlags, die den Vertrieb übernimmt.

Von redok nach CC-Lizenz übernommen

Publizistisch tätig war Munier bislang vor allem mit seinen Buchverlagen (Arndt Verlag, Verlag Pour le merite, Orion-Heimreiter) und der im schleswig-holsteinischen Martensrade ansässigen Dachgesellschaft „Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft“. Im Oktober hatte er die in Coburg erscheinende dahinsiechende Monatszeitschrift Nation & Europa gekauft, die seit 1951 bestand und zuletzt von Harald Neubauer (Geschäftsführer) und Peter Dehoust (Chefredakteur) geleitet wurde. Im Verfassungsschutzbericht 2008 wurde das Blatt als „wichtiges meinungsbildendes Medium für die rechtsextremistische Szene“ eingestuft.

Nun soll als Nachfolger das neue rechte Monatsmagazin mit dem Titel Zuerst! Neuland für die extreme Rechte erschließen. Als journalistische Führungsfigur soll offenbar Manuel Ochsenreiter dienen, der einst Redakteur der neurechten Jungen Freiheit war und dem norddeutschen Verleger Munier bereits seit einiger Zeit als Chefredakteur der Deutschen Militärzeitschrift dient.

Das Heft soll monatlich mit einem Umfang von 84 Seiten zu einem Verkaufspreis von 6,50 Euro erscheinen. Zu den Themenschwerpunkten haben die Zuerst!-Macher bislang nur vage Abgaben gemacht: gegen „Umvolkung, Multikulti, Integration, Asyl, Islam“ will man anschreiben, „Schuldkult“ bekämpfen sowie „Tradition“ und „historische Wahrheit“ befördern. Parteipolitisch hat sich Munier auf der extremen Rechten nicht festgelegt, pflegt jedoch Beziehungen zur sächsischen NPD.

Das ambitionierte Vorhaben erfährt Hilfestellung von der „Verlagsunion“ (VU), die laut einer Mitteilung des Fachblattes Der Kontakter den Vertrieb des Blattes ubernommen hat. Die im hessischen Walluf ansässige Vertriebsfirma ist ein Tochterunternehmen der Hamburger Bauer Media Group (früher: Heinrich Bauer Verlag), die mit einer Reihe von Zeitschriften (Quick, Bravo, TV Hören und Sehen) und der Magdeburger Tageszeitung Volksstimme eine der größten deutschen Verlagsgruppen ist.

Gegenüber dem Kontakter erklärte VU-Vertriebsleiter Klaus Jankowiak: „Wir vertreiben diesen Titel wie viele andere auch, und so lange der Titel nicht gegen geltende Gesetze verstößt, sehen wir keinen Handlungsbedarf“. „Aus den bisher vorgelegten Themen“ könne er „keinen rechtsextremistischen Inhalt erkennen“, sagte er dem Kontakter.

6 thoughts on “Rechtes Monatsblatt: Medienkonzern übernimmt Vertrieb

  1. Na wenn das so ist, dann werden sich ja auch die Inhalte ändern – so, wie sich seit Jahrzehnten die Inhalte der „Landser“-Häftchen auf unseren Bahnhöfen geändert haben … *rofl* 😉

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dietmar_Munier

    (…)

    Ziel dieser Vereine und Verbände sowie auch der 1993 gegründeten „Gesellschaft für Siedlungsförderung in Trakehnen m.b.H.“ (GST) ist es, Häuser und Grundstücke im einstigen Ostpreußen für eine „deutsche Wiederbesiedlung“ der ehemaligen deutschen Ostgebiete zu erwerben um so „durch Ansiedlung Rußlanddeutscher in Nordostpreußen neue Fakten für eine deutsche Perspektive unserer Ostprovinz zu schaffen“.

    Die GST baute nach eigenen Angaben seit 1993 zwei Dörfer für Russlanddeutsche in Jasnaja Poljana und Szirgupönen (Amtshagen).[1]
    Der Schulverein betreibt dort eine Schule, in der die Kinder neben der deutschen Sprache nationalsozialistisches Gedankengut erwerben.[2]
    Dort unterrichteten unter anderem:[3]

    Richard Edmonds, Gründungsmitglied der rechtsextremen British National Party (BNP)
    Herbert Fritz, Autor bei der Nationalzeitung und Referent der den Nationalsozialismus rechtfertigenden Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AfP)
    Götz Eberbach, Referent der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS (HIAG)
    Von russischer Seite werden Muniers Aktivitäten eher kritisch bewertet, 1996 erließen die russischen Behörden ein Einreiseverbot gegen Munier.[4]

    (…)

    1973 gründete Munier in Kiel einen Buchladen unter dem Namen „Nordwind“.[5] Während seines Wehrdienstes untervermietete er das Geschäftslokal an den Holocaustleugner und Verleger Thies Christophersen, kündigte diesen Vertrag aber wegen Differenzen über die inhaltliche Ausrichtung des Sortiments nach einigen Monaten wieder und firmierte seitdem unter der Bezeichnung „Sturmwind“-Buchladen. Mit wechselnden Adressen wegen wiederholter Kündigungen betrieb er unter den Bezeichnungen „Rathaus-Buchhandlung“ und „Buchhandlung am Dreiecksplatz“ bis 1993 Buchhandlungen in Kiel. Heute ist Dietmar Munier Geschäftsführer und Mitinhaber der Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH, zu der unter anderem die Verlage ARNDT, Orion-Heimreiter, Bonus und Pour le Merite gehören. Die Verlagsgruppe veröffentlicht jährlich etwa 50 Bücher, Kalender, Poster, CDs und DVDs.

    (…)

    1996 erschien im „Arndt-Verlag“ ein Buch mit dem Titel „Dokumente polnischer Grausamkeiten“, für das in verschiedenen Vertriebenenzeitungen, so z. B. in „Der Schlesier“, geworben wurde. Im Anzeigentext heißt es dazu: Diese Dokumentation aus amtlichen Quellen (Auf Wunsch des Auswärtigen Amtes: ,Nachdruck aus dem Jahr 1940′) belegt die grenzenlosen Quälereien, denen Deutsche zwischen 1919 und 1939 unter polnischer Gewalt ausgesetzt waren, sei es in Posen und Westpreußen, in Oberschlesien oder Zentralpolen. Die entsetzlichsten Exzesse spielten sich jedoch im August/September 1939 ab und sind als ,Bromberger Blutsonntag‘ in die Geschichte eingegangen. Der Untertitel des Buchs lautete im Auftrage des Auswärtigen Amtes aufgrund urkundlichen Beweismaterials herausgegeben, wodurch nach Meinung des Auswärtigen Amtes der Eindruck entstehen konnte, es würde sich bei dem Herausgeber der Dokumentensammlung um das derzeitige Auswärtige Amt unter dem damaligen Bundesminister Klaus Kinkel handeln. Einen vom Auswärtigen Amt angestrengten Prozess gegen den Arndt-Verlag auf Unterlassung der Nennung des Untertitels gewann das Amt[9], einen weiteren, in dem es die Urheberrechte für den Text des Buches beanspruchte, verlor es. (…), Zitat Ende.

    … Letztendlich nichts Neues: Waffen-SS (HIAG), Holocaustleugner, Geschichts- und Gebietsrevisionisten und der sonstige braune Abschaum unter pseudo-„nationalen“ Anstrich…

    Ach ja – was lese ich immer wieder gerne diese „durchdemokratisierten“ Plattitüden der “Verlagsunion”:

    (…)

    “Wir vertreiben diesen Titel wie viele andere auch, und so lange der Titel nicht gegen geltende Gesetze verstößt, sehen wir keinen Handlungsbedarf”. (…), Zitat Ende.

    Da ist wohl … ähm … öhm … wieder … ähm … kein Hakenkreuz auf dem … öhm … Blättchen …, dann … ähm … werden wir … öhm … auch machtlos seien … ähm … wie die deutsche Justiz. *g* 😉

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