Nazi-Aussteigerin: „Ich wollte ein vernünftiges Leben“

Tanja Privenau ist eine der bekanntesten Aussteigerin der vergangenen Jahre – und auch diejenige, welche von der Szene öffentlich am heftigsten attackiert wurde. Die 38-Jährige war 20 Jahre in der rechten Szene aktiv, hatte Kontakte zum NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und zu Fraktionschef Udo Pastörs. Im Jahr 2005 ist sie aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen. In Königs-Wusterhausen berichtete die Insiderin der Märkischen Allgemeinen zufolge am 02. Dezember 2009 über ihre Erfahrungen. „Schon im Mai 2002 wollte ich den Scheiß nicht mehr und ein vernünftiges Leben mit meinen Kindern starten“, erzählte die fünffache Mutter, die mit einem Neonazi verheiratet war. Sie wandte sich dem Bericht zufolge an den Verfassungsschutz und bekam dort nicht die erhoffte Hilfe. Drei Jahre später fand sie erneut den Mut und schaffte den Absprung mit Hilfe des Aussteigerprojekts Exit.

Tanja Privenau erzählte de, Bericht zufolge davon, wie sie in ihrer Kindheit politisch geprägt wurde und sich mit 13 Jahren der rechten Szene anschloss. „Die NPD war mir nicht radikal genug.“ Privenau gehörte der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) und der Wiking-Jugend an. Sie war Kameradschaftsführerin und engagierte sich in der rassistischen „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“. Seit ihrem Ausstieg muss sie sich vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann und seinen Kameraden verstecken. Sie lebt an einem unbekannten Ort mit ihren Kindern und ist mehrmals umgezogen.

In der Diskussion mit Privenau und Exit-Chef Bernd Wagner sei es vor allem um Strategien gegangen, um Jugendliche vor den Einstieg in die Szene der Menschenfeinde und Verschwörungstheoretiker zu bewahren. Gesprächsangebote und ein Zugehen auf gefährdete und rechte Jugendliche seien sehr wichtig, meinte die Aussteigerin dem Blatt zufolge. Auch das Versagen des Staates bei der Eingliederung wurde demnach thematisiert. Im nächsten Jahr werde Exit ein Büro in Königs Wusterhausen eröffnen. 

Siehe auch: Ein Neonazi steigt aus: “Ich will, dass es allen Menschen gut geht”, Innenansichten aus der Neonaziszene: Ein Autonomer Nationalist steigt aus, Rückblick: Ein NPD-Aussteiger packt aus