Die Religionskritikverhinderer

Der deutsche Stammtisch aus xenopohoben Bürgern, Rassisten und Neonazis jubelt: Die Schweizer haben einer Initiative zugestimmt, wonach es künftig verboten sein wird, Minarette in dem Land zu errichten. 57 Prozent der abgegebenen Stimmen fielen für die Initiative gegen den Bau von Minaretten aus. Bislang gibt es deren vier. Prompt kündigten andere rechtsradikale Parteien aus dem europäischen Ausland ähnliche Initiativen an, beispielsweise in Dänemark und den Niederlanden.

In Deutschland jubelte die NPD, der Widerstand gegen die Islamisierung formiere sich. Auch die Republikaner feierten das Schweizer Ergebnis. Unionspolitiker schlugen teilweise in eine ähnliche Kerbe: Während manchmal schon eine kritische Anmerkung reicht, um zum „Bestmenschen“ zu werden, warnte Wolfgang Bosbach von der CDU vor „hochmütiger Kritik“ – sogar bevor überhaupt irgendjemand etwas gesagt hat. Zudem forderte er einen „offensiven Umgang“ mit dem Thema Minarette auch in Deutschland.

Vorgeschmack auf die Wahl in NRW?

Wenige Monate, nachdem eine Muslima in einem Dresdner Gericht erstochen wurde, scheint die Islamfeindlichkeit zum neuen Hoffnungsträger der Rechten zu werden. Dies könnte besonders im Hinblick auf die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, wo die rechtsextremen PRO-Parteien stark sind, zu weiteren unappetitlichen Vorgängen führen.

Letztendlich wird durch die rassistische Hetze und die unverantwortliche Übertreibung eine konstruktive und aufgeklärte Religionskritik verhindert. Diese ist dringend erforderlich, sowohl was beispielsweise den islamischen Antisemitismus angeht, als auch den christlichen Fundamentalismus. Daran haben die Rechtsradikalen aber kein Interesse. Sie propagieren einen Kampf der Kulturen, Moslems sind und bleiben für sie Fremde. Und um gegen diese zu polemisieren, interessieren sich solche Leute dann plötzlich auch für Menschen, die man sonst in Abschiebehaft sehen möchte, wenn sie nach Europa fliehen können; wie beispielsweise Mädchen in Afrika, die beschnitten werden sollen. Für die Propaganda gut genug, für eine Aufenthaltsgenehmigung reicht es aber nicht.

Die Wiener Zeitung DIE PRESSE kommentierte das Resultat treffend:

„Das knallharte Kalkül der Initiatoren ist aufgegangen: Mit ihrer Kampagne schürten sie die Ängste vor einem militanten islamischen Fundamentalismus, der zwar an manchen Orten der Welt ein Problem ist, aber sicher nicht in Appenzell. Und dass ein Minarettverbot im Zweifelsfall Fundamentalismus eindämmen könnte, glauben die Befürworter hoffentlich selbst nicht.“

Siehe auch: “pro Köln” laut Gericht eine rechtsextreme Organisation, Programme gegen Extremismus: “Der Alltagsrassismus fällt komplett weg”

27 thoughts on “Die Religionskritikverhinderer

  1. „Armin Laschet: Glücklicherweise ist unsere Verfassung ja klüger und lässt keine Volksabstimmung auf Bundesebene zu,..“

    Mann was ist der Mann krank von der CDU. Glücklicherweise bin ich klüger erkenne das System der BRD einfach nicht als demokratischen Rechtsstaat an, wenn noch nicht mal ein Plebiscet auf nationaler Ebene gestattet wird.

    Und das alles gegen ein kleines Land, welches weder schuldig wurde durch Nationalsozialismus noch durch Stalinismus, sondern zu den Urvätern der Demokratie aus drei Sprachgebieten gehört.

  2. Über die Fehler und Versäumnisse in der Einwanderungs- und Intergrationspolitik kann man ewig streiten, wobei ich davon Ausgehe, dass 99,9% aller (medial) beteiligten Diskutanten sich noch nie ernsthaft, d.h. tiefergehend und auch mal längerfristig mit dieser hochkomplexen Thematik befasst haben, dennoch aber für sich in Anspruch nehmen, bescheid zu wissen.

    Die „Debatten“ über die Einwanderungs- und Integrationspolitik werden nicht durch empirisch gesicherte Fakten und sonstige sozialwissenschaftliche Untersuchungen bestimmt – diese verlassen den akademischen Elfenbeinturm kaum oder verschwinden nach einer Weile in den Aktenschränken irgendwelcher Ministerien -, sondern durch Vorurteile, Stereotypen und Klischees, durch die Anhnugslosigkeit der allermeisten Diskutanten, gegenseitigen Vorwürfen und Anschuldigungen und Angstmacherei, und dass nicht nur in Deutschland oder in der Schweiz.

    Wenn in den Nachrichtensendungen der ÖR oder bei RTLaktuell über Zuwanderung und/oder Intergration berichtet wird, dann erscheint im Hintergrund ein Bild, auf dem in aller Regel Frauen in Kopftüchern und ggf. mit Kinderwagen oder Schwarze abgebildet sind.
    Daran wird mehr als deutlich, wie „WIR“ Einwanderung und Intergration sehen und wen „WIR“ damit hauptsächlich oder, schlimmer noch, auschschließlich assozieren. Zuwanderung und Intergration brauchen ein „Gesicht“, und das geben „WIR“ ihnen in Gestalt von Muslimen und Menschen mit dunkler(er) Hautfarbe im Allgemeinen.

    Wer kann also ernsthaft behaupten, dass unserer auf Effekthascherei konditionierten und zu Massenpsychosen neigenden Massengesellschaft ein sachlicher und vorurteils- und klischeefreier Diskurs über diese Thematik gelingt, wenn offensichtlich nicht einmal die Nachrichtenredaktionen sich von bestimmten negativen menschlichen Neigungen frei machen können?
    Ich habe da meine Zweifel.

    Wer Minarette verbietet, fördert geradezu die Desintegration und Abkoppelung von Muslimen von der „Leitgesellschaft“, selbst jener säkularen, die sonst keinen Fuß in eine Moschee setzen und die „Integration“ längst „vollzogen“ haben.

    Ansonsten gilt Brecht nach wie vor: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“, d.h. kulturelle und ethnische Desintergration hat in aller Regel sozioökonomische und politisch-rechtliche (z.B. Verwehrung bestimmer Rechte für Minderheiten) Ursachen.

Comments are closed.