NPD-Funktionär nach Überfall auf linken Fußball-Verein verhaftet

Einen Monat nach dem Überfall auf Spieler und Fans des Vereins „Roter Stern Leipzig“ beim Auswärtsspiel in Brandis ist es nun zu den ersten Verhaftungen gekommen. Nach fast 300 Zeugenvernehmungen und der Auswertung von umfangreichen Video- und Fotomaterial wurden die ersten fünf Personen festgenommen. Mit den Verhaftungen sei die Einschätzung, dass es sich um einen Angriff von Neonazis gehandelt habe, bestätigt, kommentierte die Linkspartei. Alle Tatverdächtigen gehörten dem gewaltbereiten Teil der extremen Rechten an. Zwei von ihnen ließen sich demnach auch von dem Umstand nicht abschrecken, dass sie noch unter Bewährung standen. „Wenn sich unter diesen Personen auch ein Neonazi aus Görlitz befindet, ist dies ein deutliches Anzeichen für eine überregionale Vernetzung der Szene und die Planung des Überfalls im Vorfeld“, so Kerstin Köditz, Landtagsabgeordnete der Linkspartei in Sachsen.

Verflechtung NPD und militante Neonazi-Szene

Bemerkenswert sei für sie, dass einmal mehr die Verflechtung der NPD mit der militanten Neonazi-Szene deutlich werde. Denn zu den Verhafteten gehöre auch ein Gemeinderatskandidat dieser Partei aus der Gemeinde Bennewitz, der zugleich Sänger der Skinheadband „Storm of Mind“ ist und der „Terror Crew Muldental“ zugerechnet werde. Er soll ebenfalls an dem Überfall von etlichen Neonazis auf mehrere Besucher der Highland Games im September in Machern beteiligt gewesen sein und deshalb eine Anklage wegen dreifacher Körperverletzung erwarten.

Geplanter Angriff

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24. Oktober 2009 beim FSV Brandis war es zu einem gewalttätigen Angriff von ca. 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL gekommen. Die Angreifer waren nach Augenzeugenberichten dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen. Der RSL betonte in einer Stellungnahme zu den Vorfällen, auf Nachfrage hätten Verantwortliche des FSV Brandis und eingesetzte Polizisten geschildert, dass sie bereits im Vorfeld Erkenntnisse hatten, dass Nazis zum Spiel anreisen wollten. Dennoch konnten die Vereinsordner und die wenigen anwesenden Polizisten nicht die Sicherheit gewährleisten. Im Vorfeld der Partie stattgefundene Gespräche zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten nicht zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte.

Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil “die Dummen noch kommen”. Auffällig sei in diesem Zusammenhang gewesen, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm, so der RSL. Dass Ordner bei Fußballspielen selbst gewaltbereite Rechtsextremisten sind, ist beileibe kein neues Phänomen, aber immer wieder bemerkenswert.

Nach dem unkontrollierten Betreten des Sportplatzes bewaffneten sich die Angreifenden laut RSL mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten, die auf dem Sportplatz deponiert waren. Dieser Umstand lasse auf einen geplanten Angriff schließen. Für eine vorzeitige Planung der Aktion spreche zusätzlich die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten. Die politische Motivation des Angriffes sei durch die Rufe der Angreifer „Scheiß Zecken“ und „Scheiß Rote“ belegt.

Mit Anpfiff des Spiels warfen die zum Teil vermummten Personen pyrotechnische Erzeugnisse, Steine und zusätzlich eine Flasche, die mutmaßlich mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt war, in die Reihen der RSL-Fans, heißt es weiter. Daraufhin sei es zu Jagdszenen gekommen, sofort wurden wahllos die Fans des Roten Sterns mit den bereitgestellten Gegenständen angegriffen. Die Fans wichen zurück, wurden aber in die Enge gedrängt. Im Zuge der Angriffe wurden drei Personen schwer, und weitere Personen verletzt. Durch den Neonazi-Angriff wurde die Partie nach zwei Minuten abgebrochen. Unter anderem wurde der Torwart des RSL schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. RSL-Sprecherin Claudia Krobitzsch zufolge sind rechte Provokationen mit Hitlergruß etc. und Angriffe bei Auswärtsspielen keine Seltenheit, “in solchen Dimensionen wie diesmal gab es das aber noch überhaupt nicht”.

Wegen der rassistischen und neonazistischen Gewalt in Sachsen stockte die Regierung die Soko Rex personell auf.

Siehe auch: Schwerverletzte nach Neonazi-Überfall auf “Roter Stern Leipzig”, Mehr Gewalt: Soko Rex wird aufgestockt

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