Zwei Jahre nach Überfall auf Jugendclub: Prozess gegen neun Männer

Am 12. November 2009 hat das Amtsgericht Cottbus den Prozess gegen neun Männer eröffnet. Ihnen wird der Opferperspektive zufolge vorgeworfen, im Juni 2007 den Jugendklub Fragezeichen in Cottbus-Sachsendorf überfallen zu haben. Bei dem Überfall wurden zahlreiche Gäste verletzt. Etwa 20 bis 30 Personen waren demnach in den frühen Morgenstunden des 10. Juni 2007 in den Jugendklub eingedrungen. Dort feierten Jugendliche eine „Electronic-Body-Music-Party“. Am Eingang stehende PartybesucherInnen wurden mit Reizgas besprüht. Anschließend schlugen die Angreifer auf Gäste ein, die zum Teil erheblich verletzt wurden. Als die Polizei eintraf, floh die Gruppe.

Einige der Täter seien als Angehörige der rechten (Fußball-)Szene erkannt worden, heißt es. Bereits im Mai 2005 war der Jugendklub von Rechten gestürmt worden. In den Räumen fand damals eine Informationsveranstaltung über Rechtsextremismus statt. Im Gegensatz zu diesem Angriff ist bis heute unklar, warum der Jugendklub im Juni 2007 überfallen wurde. Die Veranstalter der Party bezeichnen sich selbst als unpolitisch.

Zum Prozessbeginn am 12. November 2009 verweigerten den Angaben zufolge alle Angeklagten die Aussage. Keine Angaben zum Motiv der Tat machte auch eine Zeugin. Richter Christian Grauer verhängte daraufhin 200 Euro Ordnungsgeld und Beugehaft. Er werde eine »Mauer des Schweigens« nicht dulden, betonte der Richter am Amtsgericht. Herrschte auf der einen Seite Schweigen, machten sich die rund 25 Prozessbesucher aus dem Umfeld der Angeklagten durch Tuscheln und Kichern während der Vernehmungen immer wieder bemerkbar. Sie waren laut Opferperspektive als Angehörige der rechten Szene erkennbar. Weil die Gruppe der Angeklagten so groß ist, findet der Prozess in den Messehallen in Cottbus statt. Keine der Räume des Amtsgerichtes Platz hätte ausreichend Platz geboten.

Siehe auch: Rassistische Diskoschläger vor Gericht: Kritik an langer Verfahrensdauer

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