NPD bald auf dem „sächsischen Weg“?

Die NPD sucht nach neuen Ideen für ihre künftige politische Arbeit und will im Januar eine „Strategiekommission“ einberufen. NPD-Chef Udo Voigt kündigte an, der Parteivorstand werde sich über die Ergebnisse dieser Kommission „ernsthafte Gedanken“ machen. Nebenbei empfiehlt Voigt seine Partei nicht nur als einzige Alternative für Deutschland, sondern auch für eine „Neuordnung in Europa“.

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In einer Video-Aufnahme räumte Voigt ein, dass die NPD im zu Ende gehenden „Superwahljahr“ vor allem Misserfolge zu verbuchen habe. Die Gründe könne man außerhalb der Partei suchen, doch vor allem müsse man sich an die eigene Nase fassen.

Neue strategische und taktische Überlegungen seien gefragt, mit welcher Verpackung die Partei ihre Aussage an den Wähler bringen könne, sagte der Parteichef. Der Bürger müsse begreifen, dass die NPD, dass nationale Politik die einzige Alternative „für die Neuordnung in Europa und in Deutschland“ sei.

Deshalb wolle die NPD im Januar eine Strategiekommission einberufen, zu der Berater der Partei, Nichtmitglieder, Parteivorstands-Mitglieder sowie Mitglieder aus Landes- und Kreisverbänden eingeladen werden sollten. Diese Kommission soll dem Parteivorstand „neue Vorschläge unterbreiten“, der sich dann „ernsthafte Gedanken“ darüber machen wolle, „was wir umsetzen können und umsetzen wollen“.

Lesetipp: Porträt des NPD-Funktionärs Holger Apfel: Es geht um ein gepflegtes Äußeres

Ergänzung NPD-BLOG.INFO: Damit dürfte Voigt auch auf die neuen Machtverhältnissen in der NPD reagieren. Nach dem Tod von NPD-Vize Rieger, der dem offenen NS-Flügel angehörte, rückt wohl Holger Apfel als Stellvertreter nach. Apfel hat bereits vor Monaten den „sächsischen Weg“ ausgerufen, der auf eine bürgerliche Fassade für die Neonazi-Partei setzt. Voigt hatte den „deutschen Weg“ dagegen gesetzt, allerdings zeigt sich nach dem Wahljahr, dass Apfels Strategie wohl zukunftsweisender ist. Der NPD-Fraktionschef in Sachsen ist zudem mittlerweile auch Landeschef des mächtigsten Landesverbandes. Ohne Apfel dürfte in der NPD also nichts mehr gehen. Gerüchten aus der Partei zufolge sollen Apfel und Voigt ihren Streit zudem beigelegt haben.

Siehe auch: Von der Altherren-Partei zur aktionistischen Dachorganisation: Die Geschichte der NPD, Nach Riegers Tod: Wird Apfel neuer NPD-Vize?

3 thoughts on “NPD bald auf dem „sächsischen Weg“?

  1. „Diese Kommission soll dem Parteivorstand “neue Vorschläge unterbreiten”, der sich dann “ernsthafte Gedanken” darüber machen wolle, “was wir umsetzen können und umsetzen wollen”.“

    Ist das nicht ein Armutszeugnis für den „Vorstand“, wenn es ihm nicht gelingt, sich selbst „ernsthafte Gedanken“ zu machen? Ob die geistigen Kapazitäten der NPD außerhalb des „Vorstandes“ für die Grundlegung einer neuen „Strategie“ ausreichen, ist zu bezweifeln.

    Vom „sächsischen Weg“ ist nur bedingt, falls gar nicht zu sprechen, da auch die NPD im Mecklenburg-Vorpommern sich bürglerlich gibt. Zudem bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland wesentliche strukturelle Unterschiede, die es der NPD im Osten offensichtlich einfacher machen, Wahlerfolge einzufahren, während sie im Westen eigentlich um ihre Existenz kämpft.

    Falls man im „Vorstand“ der NPD den „sächsischen Weg“ für erfolgeversprechender hält, sollte man nicht vergessen, dass die NPD in Sachsen ihr Wählerstimmenpotenzial im Vergleich zu vorletzten Landtagswahl fast halbiert hat und nur aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung mit ihren 5,3% aller Stimmen gerade noch so in das Landesparlament „gerutscht“ ist. Doch da in der NPD die Realität gerne negiert wird, glaubt man, im „sächsischen Weg“ ein Patentrezept gegen die chronische Bedeutungslosigkeit der NPD im Westen gefunden zu haben.

    Erinnert sei hier nur an die REPublikaner und die DVU, die in Ermangelung eines kompetenten und charismatishen Personals und ihres biedermeiersch-bürgelichem Auftretens im Westen quasi nicht existen sind.

  2. Sehr interessant was sich gerade mal wieder auf Deck des Parteischiffes begibt bzw an kommenden Begebenheiten andeutet.

    Da macht Käptn Iglo,sorry Voigt die Rolle rückwärts und kuschelt wieder mit den geschassten Politikfähigen,die ihrerseits, die Nase voll vom ungeschminkten NS-Crashkurs des Bundesvorstandes, auf Distanz gingen und trotzig an ihre eigenen regionalen Teilerfolge anknüpften.

    Naja, Voigt kann Rückendeckung gut gebrauchen,ist mit Rieger doch einerseits sein Schutzpatron und Sponsor,andererseits wohl auch der zentrale Regisseur und Strippenzieher innerhalb der Parteispitze der letzten drei Jahre abhanden gekommen.
    Hinterlassen hat er zunächst ein Machtvakuum und mit Thomas Wulff einen Ziehsohn,der es mit dem gewieften Taktiker Voigt nicht aufnehmen,geschweige denn Riegers ehemalige Vormachtstellung auch nur annähernd ausfüllen könnte.

    So ist denn nun der Beginn des zu erwartenden neuen Kapitels der NPD, dass sich Voigt und Apfel angeblich wieder ausgesöhnt haben.
    Aller Wahrscheinlichkeit nach sind dabei die Würfel intern schon gefallen zugunsten eines Schwenks der Bundespartei auf einen sog. „politikfähigen“ Kurs, u.a.auch bekannt als „Sächsischer Weg“.
    Nicht auszuschließen auch,dass mittelfristig die Fraktion MV mehr gestalterischen Einfluss auf die Gesamtpartei nimmt.
    Gut möglich, dass bei den nächsten Parteivorstandswahlen einiges an Bewegung in die bisherigen Kräfteverhältnisse kommt.

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