Polizeiberichte: „Deutscher Gruß“ und Schwarzafrikaner

Viele Medien übernehmen Formulierungen aus Polizeiberichten, es ist daher nicht nebensächlich, was dort geschrieben wird. Daher lohnt sich ein Blick auf diese Meldungen. Die Berliner Polizei berichtet beispielsweise am 15. November 2009:

Antisemitische Äußerungen gerufen Charlottenburg-Wilmersdorf: Polizeibeamte nahmen in der vergangenen Nacht in Charlottenburg einen alkoholisierten 21-Jährigen in Gewahrsam, nachdem er sich in der Joachimsthaler Straße vor zwei Wachpolizisten gestellt, den rechten Arm zum Deutschen Gruß gehoben und antisemitische Äußerungen gerufen hatte. Der 21-Jährige blieb nach durchgeführter Blutentnahme zum Ausnüchtern im Polizeigewahrsam. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

Nun sind Polizisten nicht zwangsläufig Experten auf allen Gebieten, mit denen sie bei ihrer Arbeit konftontiert werden, dennoch sei angemerkt, dass der Begriff „Deutscher Gruß“ für den Hitler-Gruß dem NS-Sprachgebrauch entspricht.

Ohnehin erstaut es immer wieder, dass in Polizeimeldungen bei Angriffen auf Schwarze sehr oft von ausländerfeindlichen oder fremdenfeindlichen Attacken die Rede ist. Dies impliziert allerdings, Schwarze seien generell Fremde oder Ausländer, was zwar auch die NPD findet, aber so einfach nicht stimmt – und auch die Motivation des Angriffs wird nicht deutlich gemacht. Es handelt sich zumeist nämlich um rassistische Angriffe.

Auch im aktuellen Fall des Angriffs auf einen 37-jährigen Schwarzen in Hamburg war der Polizeibericht sehr ungenau, so schrieb die Polizei von einem „Schwarzafrikaner“, was wenig Aufschluss über die Herkunft des Opfers gab, denn der ist Portugiese. Aber „Schwarzafrikaner“ sollte wohl signalisieren, dass es sich eben um einen Schwarzen handelte. Doch Afrika ist kein Land und als Herkunftsangabe nicht ausreichend. “…XY wurde geschlagen, weil er aus Afrika kommt” ist keine differenzierte oder wahrheitsgemäße Aussage. Da es Menschen aller Hautfarben gibt, die aus Afrika kommen, ist die Motivation für die Tat nicht auf die Herkunft des Opfers zurückzuführen, sondern auf die Hautfarbe.

Möchte man darstellen, dass es sich bei dem Opfer um einen Schwarzen handelt – beispielsweise bei rassistisch motivierten Angriffen – so ist die korrekte Wortwahl “Schwarzer” oder wenn nötig “schwarzer Deutscher“ – oder „schwarzer Portugiese“. Eine Tat ist rassistisch motiviert, wenn sie gegen Menschen verübt wird, deren Hautfarbe eine andere ist als die der Täter und mit rassistischen Beleidigungen einhergeht.

Siehe auch: Dokumentation: Migranten und Medien, “Rasse” soll aus Gesetzestexten verschwinden, UN-Experten kritisieren mangelhafte Maßnahmen gegen Rassismus, Buchtipp: “Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus”, Leitfaden: Rassistisch, fremdenfeindlich oder rechtsextrem? Schwarze, weiße oder farbige Menschen?

4 thoughts on “Polizeiberichte: „Deutscher Gruß“ und Schwarzafrikaner

  1. Der Artikel gefällt mir sehr gut! Das ganze kommt vielen immer wie eine Kleinigkeit vor, aber zeugt von dem grundsätzlichen Schubladendenken der Menschen.
    Mir persönlich geht auch immer das „Messer in der Hose auf“, wenn ich etwa überhaupt von „Schwarzafrikanern“ höre. Ein Afrikaner ist nun mal Schwarz, sicher ist „Schwarzafrika“ technisch gesehen ein geographisches Gebiet, da es allerdings keinen Begriff für das restliche Afrika (oder die Menschen darin) gibt ist das Wort in sich unsinnig.
    Man bezeichnet einen Münchner auch nicht als Lederhosen-Bayern, weil es auch Bayern gibt die keine Lederhosen tragen.

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