Die Blaue Narzisse und der Kern unserer Bildungsprobleme

Das ist nämlich alles ganz einfach. Weniger Studenten bringen mehr Platz in den Universitäten, jeder bekommt also einen Sitzplatz. Weniger Studenten sparen zudem jede Menge Geld. Weniger Studenten können dann auch besser betreut werden, das Niveau steigt. Die Abschlüsse der wenigeren Studenten sind dann mehr Wert und diese Studenten können dann wertvolle Beiträge für die Gesellschaft leisten, weil sie natürlich bessere Jobs bekommen, zudem irgendwann Einfluss und Macht.

Von Florian Röpke

Eine klassische Win-Win-Situation für die Beteiligten. Doch wer möchte denn freiwillig nicht studieren? Wer hat was von freiwillig gesagt?

Die Neue Rechte macht sich da natürlich so ihre Gedanken, immerhin arbeitet man ja fleißig an einer Gegenöffentlichkeit, erhofft sich mehr politischen und kulturellen Einfluss und gehört intellektuell, zumindest in der Selbstwahrnehmung, zu den ganz Großen. Und mit dieser Selbsteinschätzung fällt es einen Felix Menzel natürlich nicht schwer, mal eben „seinen Ansatz“ zu formulieren:

„(…) Zuletzt noch zu den inhaltlichen Forderungen der Studenten: Diese lassen sich auf “Mehr Geld” und “Mehr Mitbestimmung” reduzieren und befassen sich damit nicht mit dem Kern unserer Bildungsprobleme. Mein Ansatz: Wir müssen weg von der Massenuniversität hin zu einer echten Elitenbildung.

Interessant, wie man sich im Ansatz schon täuschen kann! Wo diese zukünftigen Eliten rekrutiert werden, welche Maßstäbe angesetzt werden sollen, man kann es nur vermuten. Es ist alerdings mehr als ein Verdacht, wenn man interpretiert, wer dabei wohl auf der Strecke bleibt. Der linke Pöbel und die Ausländer, um es mal in neurechter Sprache ganz deutlich zu sagen.

Denn während unser Bildungssystem ganz klar Menschen benachteiligt, die finanziell schlecht dastehen, möchte Menzel durch eine gezielte Elitenbildung noch einen draufsetzen. Das Argument, man könne ja auch gezielt aus diesen „unteren“ Schichten fähiges Personal fördern halte ich für verlogen. Das nur schon vorweg, falls es jemand auf den Lippen hat. Denn daran wird man bei der Blauen Narzisse sicherlich keinen ernsthaften Gedanken verschwenden.

Siehe auch: Junge Freiheit: Für Schultze-Ronhof und gegen die “Shoah-Epidemie”, Gemeinsam gegen die Versöhnung: Extreme Rechte wird ewigvorgestrig, “Neue Rechte” voran: Gegen die Schmach von 1918!, Deutungshoheit, ick hör dir trapsen: “Bei uns gilt Neger nicht als Schimpfwort”, “Keine Politik mehr rechts von Lenin”? Konservatismus in der Krise

3 thoughts on “Die Blaue Narzisse und der Kern unserer Bildungsprobleme

  1. Recht haben sie. Klasse statt Masse! Ich bin in der DDR großgeworden. Damals war die Quote an Abiturienten und Studenten wesentlich niedriger als heutzutage. Allerdings gelingt es noch heute viele Bürgern der Ex-DDR, mit lediglich 10-klassigem POS- respektive Realschulabschluss, Aufgaben zu lösen, an denen viele Abiturienten der Jetztzeit scheitern.
    Das lässt tief blicken, oder?

    Freundliche Grüße aus Pisa

  2. Lieber Vorkommentator….

    Spannenden Verallgemeinerung. Das klingt ganz nach bayerischer Logik. Dort will man ja auch die besten Gymnasiasten, Real- und Hauptschüler von Deutschland haben. Hat man auch, aber wie kommt das?
    Nun… man selektiert einfach stärker! Clever, denn so kommen mehr intelligente Schüler dort „nur“ auf die Realschule anstatt wie anderenortes auf das Gymnasium. Dort ziehen sie dann den Durchschnitt nach oben – obwohl sie woanders noch auf das Gymnasium gekommen wären, aber dort vielleicht den Durchschnitt gesenkt hätten.

    So funktioniert der hochintelligente PISA-Vergleich mit anderen Bundesländern und Staaten.

    Dass Schüler in anderen Ländern immerhin das Abitur bekommen hätten, in Bayern ihnen das aber versperrt bleibt, zeigt die Statistik dann in der Abiturquote. Ergo: Scharfe Selektion erzeugt die wahren Bildungsverlierer! Und in Thüringen nimmt man sich sowas dann zum Vorbild.

    So kann man auch die Statistik des angeblich besten Schulsystems in Deutschland verzerren und daraus politisches Kapital schlagen – auf Kosten der Schüler.

    Aber: Ohne den Import der ach so dummen Abiturienten aus anderen (nördlichen) Bundesländern hätte man im technologisch hochgerüsteten Süden gar nicht genug Fachkräfte. So leistet man sich eine blendende Statistik und engagiert für die Industrie insgeheim anschließend die angeblichen „Bildungsverlierer“ aus dem Norden, um Hochschulen und Arbeitsplätze aufzufüllen.

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