Hunderte Neonazis bei NPD-Trauermarsch für Rieger

NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)
Der verstorbene NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)

Nach Polizeiangaben haben etwa 850 Neonazis in Wunsiedel an einem Trauermarsch für den verstorbenen NPD-Funktionär Jürgen Rieger teilgenommen. Der Aufmarsch war zunächst verboten worden, weil ein Gedenken auch an den Hitler-Stellvertreter Heß befürchtet wurde. Rieger hatte mehrere Heß-Märsche in Wunsiedel organisiert. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob das Verbot am Freitag allerdings auf – unter der Auflage, dass Heß bei dem Aufmarsch nicht erwähnt werden darf.

In seiner Rede räumte NPD-Chef Udo Voigt laut Augenzeugen ein, dass Rieger die NPD bereits seit 2004 finanziell unterstützt hatte. Zudem soll ausgerechnet Pierre Krebs, ein enger Mitstreiter von Ex-NPD-Funktionär Andreas Molau, in seiner Rede den verstorbenen Rieger sehr gelobt haben. Molau und Rieger galten als Kontrahenten, Molau hatte Riegers Wahl zum NPD-Vize als „politische Katastrophe“ bezeichnet.

Neonazis enttäuscht über Teilnehmerzahl

Nach dem Aufmarsch in Wunsiedel streiten Neonazi-Kreise über die in ihren Augen zu geringe Teilnehmerzahl. In Internet-Foren war zuvor mit mehreren Tausend Teilnehmern gerechnet worden. Hauptverantwortlich machen die Kommentatoren die NPD für die enttäuschende Zahl von Neonazis. Zudem wird spekuliert, viele Personen im „Nationalen Widerstand“ seien verbittert, da Rieger sein Vermögen nicht an die Szene vererbt hat.

Lesetipp: Andrea Röpke hat beim blick nach rechts einen ausführlichen Bericht des Trauermarsches veröffentlicht.

Rieger war Ende Oktober an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Seitdem ist die extrem rechte Bewegung in großer Unruhe, da Rieger mit seinem Geld Wahlkämpfe und andere Aktivitäten unterstützt hatte. Zudem versuchen Neonazis, zumindest einige von Riegers Immobilien für sich zu sichern, dabei dürften sie allerdings schlechte Chancen haben.

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5 thoughts on “Hunderte Neonazis bei NPD-Trauermarsch für Rieger

  1. Soweit ich das gelesen habe, gehen die Nazis in ihrer Enttäuschung allerdings vielfach noch von lediglich 400 Teilnehmern aus. Das wäre angesichts Riegers Bedeutung wirklich blamabel gewesen.

    Eine Polizeiangabe von 850 Teilnehmern hingegen wird man auf ~1300 hochjazzen und sich mit den üblichen Floskeln („staatliche Repression“ und „kurzfristige Genehmigung“) schönquatschen.

  2. 400 bis 450 halte ich für eine sehr realistische zahl. und ja, das ist eigentlich eine blamage angesichts der großspurigen kondolenzbekundungen und vollmundigen prognosen in punkto teilnehmerzahlen im vorfeld.

    das mitgefühl für die hinterbliebenden bricht angesichts der tatsache, dass es für die kameraden wohl kein großes erbe geben wird, auch immer mehr ab, so dass auch schon erste bitterböse vorwürfe zu hören waren gegen den doch angeblich so hoch geschätzen verstorbenen. tja, blut ist eben dicker als wasser. und genau deshalb wird herr rieger wohl auch seine familie bedacht haben und nicht seine parteifreunde, die stiftung oder andere anhänger. immerhin wusste er doch als insider sehr genau, wie wunderbar diese mit geld umgehen können – nämlich gar nicht.

    ich persönlich habe mitgefühl für familie rieger – unabhängig davon, wer vom erbe des verstorbenen profitiert. die familie hat immerhin einen geliebten menschen verloren.
    wenn die aussicht auf erbe oder nicht erbe ausschlaggebend dafür ist, ob man nun trauert oder herrn rieger zum teufel wünscht, dann ist das doch ein deutliches zeichen. und es sagt eine menge aus. vielleicht hat das alles ja wenigstens den sinn, dass einige sich jetzt doch mal überlegen, in was für einem haufen sie da gelandet sind. das wäre doch durchaus ein großartiges erbe. für die demokratie, für unser aller zukunft und sicher auch für die familie.

  3. Ein Rieger ist eben kein Hess und wird es wohl kaum werden. Dafür war er in der Szene nicht unumstritten genug. Außerdem taugt er nicht als Repressionsopfer böser Mächte und Märtyrer, dazu war er wieder zu aggressiv.

    Wenn die Erinnerung für diese Figur nun so schnell verblasst wie die Begeisterung für das Trauer“spiel“, dann wird er bald nach seinem Tod vergessen sein. Einzig ein juristisches Gezänk um seinen Nachlass wäre ein ironisches Nachspiel seines Lebens, hat er doch über viele Jahre genau dies mehrfach provoziert.

    Ich bin ja enttäuscht, dass es noch keine Gerüchte gibt, dass ihn der Mossad und die USA umgebracht haben. Hatte mich so auf spannende Geschichten gefreut….

  4. @anonymus
    was, du hast von den mordtheorien noch nichts gehört? die gibt es doch schon reichlich.

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