Gemeinsam gegen die Versöhnung: Extreme Rechte wird ewigvorgestrig

Die Republikaner und andere extrem Rechte haben den Besuch von Kanzlerin Merkel in Paris zum Jahrestag des Waffenstillstands von 1918 als „würdelos, peinlich und geschichtsvergessen“ kritisiert. „Frau Merkel trampelt wie ein blinder Elefant durch den Porzellanladen der Geschichtspolitik“, sagte der Bundesvorsitzende der Republikaner Rolf Schlierer – und bewies somit, wo die größte Gemeinsamkeit zwischen Rechtsradikalen und Neonazis liegt – im Geschichtsbild. Nicht umsonst können zu Aufmärschen mit Themen zur deutschen Geschichte die meisten Teilnehmer mobilisiert werden (Dresden, Wehrmachtsausstellung).

„Der 11. November 1918 ist kein Tag des Friedens und der Völkerverständigung, er markiert vielmehr den Beginn der deutschen Katastrophe“, so Schlierer. An einem solchen Tag gebe es für Deutsche nichts zu feiern. Die Protestaktionen der „Konservativ-subversiven Aktion“, die unter dem Motto „Was macht Merkel in Paris?“ vor dem Brandenburger Tor und der französischen Botschaft in Berlin gegen die Teilnahme Merkels an der französischen Siegesfeier demonstriert hatte, bezeichnete Schlierer als „richtig und notwendig“.

Auch die rechtsradikale Junge Freiheit berichtete ausführlich über die Aktion. Die „jungen Wilden“ der KSA schlugen dann auch gleich den Bogen zu 1945, denn hier liegt für die extreme Rechte der Hase mal so richtig im Pfeffer, seitdem läuft es nicht mehr gar nicht mehr richtig für sie. Und so heißt es dann auf einem Flugblatt zu der rhetorischen Frage „Was sucht Merkel in Paris?:

„Denn hierzulande verliert sich im Zeichen gelungener Verwestlichung allmählich das Bewußtsein, daß die Deutschen nichts zu feiern haben, wenn es um das Datum 1918 geht, noch weniger, als im Hinblick auf das Datum 1945. Warum also ist Bundeskanzlerin Merkel heute in Paris, um gemeinsam mit Nicolas Sarkozy am Arc de Triomph – dem Siegesmal der Franzosen – eine Feierlichkeit zu begehen?“

Auch eindeutig neonazistische Seiten berichteten wohlwollend über die Aktion der „Konservativ-subversiven Aktion“ und schlugen in eine ähnliche Kerbe wie die Reps, die das Jahr 1918 nämlich noch benutzen, um die Schuldfrage für den 2. Weltkrieg zu beantworten; sie geben einfach den Franzosen die Schuld für Hitler, den wollte die nicht-nationalsozialistische Rechte ja eigentlich gar nicht, man konnte nur nicht anders:

Das völkerrechtswidrige Friedensdiktat von Versailles, mit dem eine über Jahrhunderte in Europa geübte Praxis der Amnestierung des geschlagenen Gegners, sie wie zuletzt im Frieden von Frankfurt 1871 zum Tragen kam, auf amerikanischen Druck aufgegeben wurde, habe die erste deutsche Republik von Anfang an verhängnisvoll diskreditiert und sei letztlich eine wesentliche Ursache für die Machtergreifung der Nationalsozialisten und für den zweiten Weltkrieg gewesen.

Das ist weit eleganter als es Neonazis vortragen, die oft versuchen ihren großen Führer reinzuwaschen. Das sehen offenbar auch mehrere Neonazis so und übernehmen den Beitrag der Jungen Freiheit. Und die Reps bilanzieren:

„Wer glaubt, die Geschichte revidieren zu können, indem er das Geschichtsbild der Sieger übernimmt und sich bei deren Siegesfeiern hinzugesellt, der zeigt nur, daß er nichts begriffen und aus der Vergangenheit nichts gelernt hat.“

90 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs versucht die extreme Rechte in Deutschland also weiterhin, ihr nationalistisches und revisionistisches Geschichtsbild zu verbreiten. Damit soll zum einen die angebliche deutsche Leidensgeschichte um ein Kapitel erweitert werden, zum anderen Deutschland von der Schuld an Hitler und dem 2. Weltkrieg freigesprochen werden. Gesten der Versöhnung stören dabei nur. Glücklicherweise leben wir aber im 21. Jahrhundert – und die Ewiggestrigen werden zu Ewigvorgestrigen.

Siehe auch: “Neue Rechte” voran: Gegen die Schmach von 1918!