Glattbach: Morddrohung gegen Bürgermeister

Morddrohungen erhielt der Bürgermeister der unterfränkischen Gemeinde Glattbach (Kreis Aschaffenburg), nachdem eine Vortragsveranstaltung mit dem rechtsextremen Autor Michael Winkler abgesagt wurde. Der Würzburger schreibt regelmäßig im Neonazi-Portal Altermedia und wurde 2008 wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Der Vortrag über „Die Weltlage“ sollte im Vereinsheim eines örtlichen Sportvereins stattfinden. Eingeladen hatte ihn ein Gemeinderatsmitglied, das sich nun zerknirscht zeigt: „Ich war oberflächlich informiert.“ Die Gemeinde wurde durch eine Email über die Hintergründe informiert und setzte sich sofort mit dem Sportverein in Verbindung, der wiederum sagte die Veranstaltung umgehend ab.

Zur Zielscheibe der rechtsextremen Winkler-Anhänger wurde daraufhin Bürgermeister Fridolin Fuchs (CSU), der nach eigenen Angaben 14 Hass-Emails bekam, darunter auch Morddrohungen. Ausgangspunkt für diese Mails war offenbar Winklers Webseite, wo der Ausgeladene sich über den „Dorfschulzen“ beklagt hatte, über „Denunzianten“ und „Erpressung“ gifftete und schließlich Hinweise zur Erreichbarkeit und zum Aussehen des Bürgermeisters gab.

Der gelernte Diplom-Physiker Winkler ist seit Jahren arbeitslos und bezeichnet sich als „selbstständiger Schriftsteller“. Im August 2008 wurde er vom Landgericht Würzburg wegen Volksverhetzung zu einer Strafe von 120 Tagessätzen zu je 10 Euro verurteilt. Nach Erkenntnis des Gerichts hatte Winkler in einem seiner Internet-Texte den Holocaust verharmlost. In der ersten Instanz hatte Winkler vor dem Amtsgericht Würzburg noch versucht, sich von der rechtsextremen Szene abzugrenzen und hatte sich als „CSU-Mitglied“ bezeichnet. Interessierter Zuschauer bei der Verhandlung und Gesprächspartner nach dem Urteil war freilich der unterfränkische NPD-Bezirkschef Uwe Meenen gewesen, der mittlerweile als NPD-Bundesvorstandsmitglied dem „Amt Politik“ der Partei vorsteht. Zur Berufungsverhandlung beim Landgericht waren schon 20 Winkler-Anhänger erschienen; einige klopften laut Bericht in der Lokalpresse „lautstark rassistische und ausländerfeindliche Sprüche“.

Eine regelmäßige Kolumne schreibt Winkler im Neonazi-Internetportal Altermedia, beim Netzradio Germania verlas er den „täglichen Tageskommentar“ (so die Ankündigung im Original). Bei der NPD Heilbronn stand Winkler als Vortragender über den „Zusammenbruch der Finanzsystems“ auf dem Programm. Unter falscher Flagge sollte Winkler schon einmal in München segeln: Auch dort wollte er sich über „Die Weltlage“ auslassen, der Gaststätte wurde jedoch eine „kleine Veranstaltung um das Thema Meditation und Spiritualität“ angekündigt. Die Geschäftsführung wurde über die Winkler-Hintergründe aufgeklärt und externer Linksagte die Veranstaltung ab.

Gerne bedient Winkler externer LinkKatastrophen-Ängste eines endzeitlich eingestimmten Publikums. Man befinde sich derzeit in „Phase 0“ der kommenden Apokalypse, in der man am besten in einem über 250 Meter hoch gelegenen Bauernhof mit Atombunker und Vorräten für drei Jahre überleben könne. Doch auch ohne eine derartige Überlebens-Immobilie empfiehlt Winkler einen Versandhandel , der „fertig konfektionierte Fluchtgepäcke“ verkauft. Der Shop wird von zwei Kameraden betrieben, die bei der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) ihr Handwerk von Zeltlagern und völkischer Untergangsideologie gelernt haben.

Siehe auch: “Kampf um die Straße”: Attacken statt Aufmärsche in Gräfenberg?,