Brauner Banker in Hamburger Vorort

Am Ende blieb ihm keine andere Wahl: „Ja ich bin der André Busch, der das Buch Blutzeugen geschrieben hat“. Ein Bekenntnis, das für den 36 Jahre alten Bankmanager aus einem Vorort im Westen von Hamburg zu einem Problem werden könnte, denn das Buch brachte ihn in das Visier des Hamburger Verfassungsschutzes und könnte auch berufliche Konsequenzen für ihn haben. Auf mehr als 500 Seiten befasst sich das „Werk“ mit Tätern des NS-Regimes, die dort zu „Opfern“ und damit zu “Blutzeugen“ erklärt werden.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Am Ende blieb ihm keine andere Wahl: „Ja ich bin der André Busch, der das Buch Blutzeugen geschrieben hat“. Ein Bekenntnis, das für den 36 Jahre alten Bankmanager aus einem Vorort im Westen von Hamburg zu einem Problem werden könnte, denn das Buch brachte ihn in das Visier des Hamburger Verfassungsschutzes und könnte auch berufliche Konsequenzen für ihn haben. Auf mehr als 500 Seiten befasst sich das „Werk“ mit Tätern des NS-Regimes, die dort zu „Opfern“ und damit zu “Blutzeugen“ erklärt werden.

Monatelang hatten Journalisten nach dem Autoren dieses Werkes recherchiert, versuchten herauszufinden, wer sich hinter der Bezeichnung A.K. Busch auf dem Buchrücken verbirgt. Am Ende waren die zusammengetragenen Rechercheergebnisse so erdrückend, dass dem Banker keine andere Wahl blieb, als die Autorenschaft zuzugeben. Erschienen ist das Buch im „Nordwind-Verlag“ des aus Göttingen stammenden Rechtsextremisten Thorsten Heise (40).

In rechtsextremen Kreisen wird das Buch gefeiert- schließlich war der Banker mit seinem Werk auch bei NPD-Veranstaltungen zu Gast. Autoren wie Andre Busch und ihre Bücher haben in der rechtsextremen Szene eine wichtige Funktion, sagt Dr. Manfred Murck, Vize-Chef des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz: “Der intellektuelle Teil des Rechtsextremismus liefert jenen eine Rechtfertigung, die nachts üble Taten auf der Straße vollbringen.“ Anders ausgedrückt: die in dem Buch beschriebenen „Blutopfer“ wie die des SA- Schlägers Horst Wessel könnten Vorbild sein für junge Leute.

So sieht es auch der emeritierte Politologe der Helmut-Schmidt Universität der Bundeswehr in Hamburg, Professor Wolfgang Gessenharter. Für ihn weist das Buch des Bankers eindeutige Bezüge zur Naziideologie auf. Wer schon den Schutzumschlag des Buches mit den Silhouetten von SA-Männern schmücke und das Signet eines SS-Verlages auf dem Einband abdrucke, müsse sich diese Ideologie auch zurechnen lassen, sagt der Professor.

Den 36 Jahre alten Banker Andre Busch ficht das nicht an: Weder glorifiziere sein Buch die NS-Weltanschauung noch sei der rechtsextreme Verlag Beleg für eine braune Gesinnung des Bankers. Es habe sich einfach kein anderer Verlag gefunden, der sein Werk drucken wollte, sagt Busch. Eine wenig stichhaltige Begründung, sagt Professor Gessenharter. Schließlich habe sich Busch das Vorwort von einem Mann schreiben lassen, der bei den Pogromen des 9. November 1933 einer der schlimmsten Aktivisten der Nazischergen gewesen ist. Er heißt Emil Klein, ist mittlerweile 104 Jahre alt und wird in dem Buch gepriesen als „ letzter lebender Teilnehmer des Marsches auf die Feldherrenhalle am 9.11.1923 in München.

Auch André Busch selbst ist in rechten Kreisen kein Unbekannter. Er ist sogenannter „Alter Herr“ der Hamburger Burschenschaft „Chattia Friedberg“. Sie feiert sein Buch auf ihrer Internetpräsenz überschwänglich. Bei dieser Vereinigung gebe es, so der Hamburger Verfassungsschutz, „Anhaltspunkte für Verbindungen zum Rechtsextremismus“. Die Burschenschaft hat offenbar nichts dagegen, dass sich NPD-Aktivisten auf ihrer Mitgliederliste finden. Außerdem wird Andre Busch mehrfach in einem Magazin als Autor genannt, das in zweifelhaftem Ruf steht – es heißt „Der Freiwillige“ und ist das Magazin der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS.

Siehe auch: “Die aggressiv-kämpferische Haltung der NPD ist offensichtlich”, SS-Aufmarsch in Sachsen-Anhalt: Hingucken? Fehlanzeige, Interne Broschüre nicht gelesen? Die NPD und die “Kriegsschuldlüge”