Der Kampf der Neonazis um das Rieger-Erbe

Die rechte Szene lässt nicht locker: Knapp zwei Wochen nach dem Tod des rechtsextremen Neonazi- Anwalts Jürgen Rieger aus Hamburg hat jetzt offenbar der Kampf um seine Immobilien eingesetzt. Dabei geht es der Szene offenkundig vor allem um den berüchtigten „Heisenhof“ im Landkreis Verden, eine ehemalige Bundeswehrkaserne, die Rieger im Jahre 2004 im Namen seiner in London registrierten Firma namens „Wilhelm Tietjen Stiftung“ erworben hatte. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit dem Landkreis Verden droht dem Heisenhof schon bald der Abriss.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Wenige Tage vor Ablauf der Rechtsmittelfrist hat sich beim zuständigen Oberverwaltungsgericht Lüneburg jetzt ein namentlich noch nicht bekannter Anwalt gemeldet, der vorgibt, für Riegers Firma handeln zu dürfen. Die Rechtslage um Riegers erheblichen Immobilienbesitz ist unklar, nachdem die rechte Szene die Akten der „Tietjen-Stiftung“ in einer Nacht -und Nebel- Aktion in ihren Besitz gebracht hatte. Deshalb ist fraglich, ob der Anwalt tatsächlich eine entsprechende Vollmacht wird vorlegen können, oder ob es sich um einen Propagandatrick der rechten Szene handelt, der bewusst für Verunsicherung sorgen soll.

Jürgen Rieger (re.) / T-Shirt-Aufdruck links: "Wir bleiben braun" (Quelle: Marek Peters)
Jürgen Rieger (re.) / T-Shirt-Aufdruck links: "Wir bleiben braun" (Quelle: Marek Peters)

Nach Informationen von NDRInfo ist aber die Gefahr offenkundig nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, dass der Anwalt tatsächlich in den Besitz einer gültigen Vollmacht gelangen könnte, um sich gegen den Abriss des Heisenhofes zur Wehr zu setzen.

Für Verunsicherung hat die Nachricht vom Auftreten des „Tietjen“- Anwalts auch im Landkreis Celle gesorgt. Dort wollte Rieger Mitte Dezember im Namen seiner Londoner Firma ein 80 Betten Hotel für ein braunes Begegnungszentrum ersteigern. Spekulationen ranken sich weiterhin um den Abtransport der Tietjen-Akten aus Riegers Villa im Hamburger Stadtteil Blankenese. Die Akten waren aus der Rieger-Villa entfernt worden, wenige Stunden, nach die Ärzte dessen Hirntod bekannt gegeben hatten Ein Augenzeuge will am Abend dieses Tages einen blauen „Ford Galaxy“-Van mit schwedischem Kennzeichen gesehen haben, in den zwischen 22 und 23 Uhr Akten und Kartons eingeladen worden seien. Zu den Besitztümern Riegers gehörte auch ein Landgut in Schweden.

Siehe auch: Verfassungsschutz bestätigt Bericht über Verschwinden der “Tietjen-Akten”, Nach Riegers Tod: Akten der “Tietjen-Stiftung” spurlos verschwunden, Schützenhaus Pößneck: No-go-area für Neonazis, Riegers Testament: NPD und Neonazis gehen leer aus, Neonazis in Aufregung: Rieger-Kanzlei wird von Anwaltskammer abgewickelt, Neonazis trauern um Rieger: “Ein Riese ist gefallen”, NPD-Vize Jürgen Rieger verstorben, Die NPD verliert ihren wichtigsten Geldgeber

2 thoughts on “Der Kampf der Neonazis um das Rieger-Erbe

  1. Bei Altermedia sind diverse Bruchstücke aus dem Tagebuch von Jürgen Rieger aufgetaucht.

    Hier die angeblich letzte Eintragung:

    Hamburg, 23. Oktober abends

    Komme gerade aus Schw. zurück. Das tat gut, mal wieder in Sv. Sä. zu sein. Ganz andere Stimmung. Auf dem Konto der HSH ist noch nichts aus Teheran eingegangen, der Ahmadinedschad kapiert auch gar nichts. Ich habe doch extra den Briefkopf mit der Kontonummer genommen. Vielleicht ist der auch wegen dem kleinen i beleidigt, diese Memme.
    Trübe Aussichten für die Vorstandssitzung morgen. Hoffentlich kommt die dicke Edda vom RNF nicht, ich verstehe die schwäbische Mundart von der kaum. Ob ich dem Steiner mal sage, daß er eine andere Mütze nehmen soll, die jetzige erinnert mich immer an Thälmann und an Helmut Schmidt, für mich als Hamburger ist das Käse. Der Mann tut mir leid, seit wir ihn nicht mehr in der Zentralen beschäftigen können, steht er finanziell mit seinen drei Kindern nicht gut da. Vielleicht stelle ich ihn demnächst als Fahrer für mich ein, als gelernter KFZ-Mechaniker kann er dann meinen Wagen und auch die alten in der Scheune in Schuß halten.

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