Am rechten Rand der Republik

Im November, wenn morgens Nebelschwaden übers Land wabern, sich das Laub am Boden schmutzig braun färbt, wird es richtig trist in Vorpommern. Dort oben, am rechten Rand der Republik, wo diese nicht nur geografisch am Ende ist, prägen hohe Arbeitslosigkeit, geringe Einkommen und Abwanderung vielfach den Alltag. Nach einer Studie der Universität Greifswald ist die rechtsextreme NPD im Uecker-Randow Kreis mit 51 Prozent die bekannteste Partei in der Altersgruppe der 12 bis 17-jährigen.

Von Thomas Niehoff für NPD-BLOG.INFO

Die persönliche Bilanz der Einwohner fällt, 20 Jahre nach der friedlichen Revolution, nicht immer positiv aus. Daran ändern auch die vielen sanierten Häuser mit den bunt gestrichenen Fassaden nichts, welche die Seiten der Zeitungen füllen und optisch von den Erfolgen des Vereinigungsprozesses künden sollen. Der Geist der Freiheit war gestern, es zählt der schöne Schein.

Guten Tag, liebe Leser!

In der Rubrik „Guten Tag, liebe Leser“ werden die Leser der Ostsee-Zeitung in jeder Ausgabe willkommen geheißen. Es menschelt gar ein wenig, wenn die Redakteure der Lokalausgaben kleine Begebenheiten aus ihrem Alltag zum Besten geben. Meist handeln die Geschichten von den kleinen Widrigkeiten des Lebens. Falsch geparkte Autos, um die Passanten in der Fußgängerzone kurvende Radfahrer und Hundehaufen auf den Gehsteigen, die Rubrik ist so etwas wie der erhobene Zeigefinger, der die schwindende Leserschaft an die Einhaltung von Recht und Ordnung gemahnt. Gelegentlich wird hier aber auch über vermeintlich positive Entwicklungen berichtet. Wie in der letzten Wochenendausgabe der Greifswalder Zeitung. Einer der Redakteure hat – pünktlich zum Jubiläum des Mauerfalls – ein neues Selbstverständnis bei einigen Vorpommern entdeckt.

Vorpommern zeigen Flagge!

Man ist wieder wer! Vielerorts „flattert“, ist zu lesen – „keineswegs nur vor öffentlichen Gebäuden“ – die „Vorpommern-Fahne (hellblauer über weißem Streifen, idealerweise mit rotem Greif)“ als Ausdruck der Heimatverbundenheit der Besitzer.

Wie etwa im Ortsteil Salchow der Gemeinde Klein Bünzow. Hier weht das hellblau-weiße Tuch schon seit Jahren im Vorgarten eines Anwesens und weist den braunen Kameraden den rechten Weg zum so genannten nationalen Wohnprojekt. Da verwundert es nicht, wenn ein Online-Flaggenversand die Käufer der Vorpommern-Fahne darauf aufmerksam macht, dass die Erwerber dieses Tuches bevorzugt auch die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reiches und die Reichskriegsflagge bestellen.

Das neu entdeckte Selbstverständnis der Flaggenbesitzer, welches da medial bejubelt wurde, ist wohl eher eines von vorgestern.

Siehe auch: Mecklenburg: Neonazis als Vorbilder und fast unsichtbarer Protest, Kommunalwahl in Anklam: NPD vor der SPD

2 thoughts on “Am rechten Rand der Republik

  1. habe ich das jetzt richtig verstanden:

    – eine zeitung in mvp schreibt über landesfahnen, die sich angeblich steigender beliebtheit erfreuten
    – vor einem braunen brüter weht sie auch
    – es gibt einen ungenannten versand, bei dem kunden vom shopsystem naziflaggen mit der mvp-flagge empfohlen bekommt
    – die ostseezeitung bejubelt fascho-flaggenhisser: q. e. d.

    ich komme da irgendwie nicht ganz mit. und dabei kann ich mir gut vorstellen, bei der lektüre der angesprochenen oz-rubrik flauen magen bis brechreiz zu empfinden. und sowohl vor wie nach der google-npd-geschichte kotzt mich elektrischer empfehlungsvoodoo regelmäßig an – und lädt zum nachdenken, nachfragen und nachtesten ein.

    aber ich habe bei euch wirklich schon zündendere polemiken gelesen. ehrliche emotionen in allen ehren, aber bitte haltet das gute niveau bei eurer wichtigen, willkommenen arbeit.

    .~.

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