Nach Riegers Tod: Akten der „Tietjen-Stiftung“ spurlos verschwunden

Akten der „Tietjen- Stiftung“ nach Informationen von NDR Info verschwunden. Die Behörden rätseln: Was geschieht nun mit Riegers Immobilien?

Von Stefan Schölermann NDR Info

Die rechte Szene handelte schnell: Nur wenige Stunden, nachdem Ärzte in Berlin den Hirntod des Hamburger Rechtsextremisten Jürgen Rieger festgestellt hatten, erschienen nach Informationen von NDR Info Szeneaktivisten im Hamburger Nobel-Stadtteil Blankenese, wo der Neonazi wohnte und seine Rechtsanwaltskanzlei hatte.

Jürgen Rieger (re.) / T-Shirt-Aufdruck links: "Wir bleiben braun" (Quelle: Marek Peters)
Jürgen Rieger (re.) / T-Shirt-Aufdruck links: "Wir bleiben braun" (Quelle: Marek Peters)

Die Rechtextremen erhielten Zugang zu Unterlagen in Riegers Haus. Seitdem sind vor allem die Akten der berüchtigten Rieger-Firma namens „Wilhelm Tietjen-Stiftung für Fertilisation“ spurlos verschwunden. Nach Informationen von NDR Info befinden sie sich jetzt im Einflussbereich der rechtsextremen Szene. Der Vorgang stellt die Behörden vor überraschende Probleme, denn die in London registrierte Firma war als formale Eigentümerin diverser Rieger-Immobilien in den Grundbüchern eingetragen. Dazu gehören der berüchtigte „Heisenhof“ im Landkreis Verden und der„Schützenhof“ im thüringischen Pößneck. Außerdem wollte Rieger am 16. Dezember im Namen dieser Firma ein 80- Betten-Hotel in Faßberg im Landkreis Celle ersteigern.

Seit dem Tod des Neonazis versuchen die Behörden, diese Immobilien dem Einfluss der rechten Szene dauerhaft zu entziehen. Die Türen des Schützenhofes in Pößneck wurden deshalb am Freitag vergangener Woche versiegelt. Dem „Heisenhof“ im Landkreis Verden droht der Abrissbagger, nachdem das Verwaltungsgericht in Stade eine entsprechende Verfügung des Landkreises abgesegnet hatte. Gegen dieses Urteil hatte Rieger Rechtsmittel eingelegt. Die Akten gelten als Schlüsseldokument für alle weiteren juristischen Auseinandersetzungen um die Firma. Ohne die Akten der Firma „Tietjen-Stiftung“ dürfte es den Behörden in Zukunft außerdem schwer fallen, die verworrenen Eigentumsverhältnisse des verstorbenen Neonazis aufzuklären.

Fraglich bleibt vor allem, ob Rieger in diesen Akten zu Lebzeiten einen Bevollmächtigten ernannt hatte, der seine Geschäfte fortführen könnte. Fraglich ist außerdem, ob am Ende Riegers Familie das Vermögen der Firma erben wird oder ob es der britischen Krone zufällt. Die Familie hat keine Bezüge zur rechtsextremen Szene.

Keine Stiftung

Rieger hatte die Firma „Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd.“ Im Jahre 2001 in London gegründet . Das Firmenkapital war die Hinterlassenschaft eines Bremer Altnazis, der Rieger als Erben und Testamentsvollstrecker engesetzt hatte. Unter anderem mit diesem Geld hatte Rieger bundesweit immer wieder seine berüchtigten Immobiliengeschäfte betrieben. Rieger hatte die Firma bewusst im Namen als „Stiftung“ bezeichnet, um ihr den Anstrich der gemeinnützigen Tätigkeit zu geben. Tatsächlich handelt es sich um eine konventionelle Firma, die einer deutschen GmbH ähnlich ist.

Siehe auch: Schützenhaus Pößneck: No-go-area für Neonazis, Riegers Testament: NPD und Neonazis gehen leer aus, Neonazis in Aufregung: Rieger-Kanzlei wird von Anwaltskammer abgewickelt, Neonazis trauern um Rieger: “Ein Riese ist gefallen”, NPD-Vize Jürgen Rieger verstorben, Die NPD verliert ihren wichtigsten Geldgeber

2 thoughts on “Nach Riegers Tod: Akten der „Tietjen-Stiftung“ spurlos verschwunden

  1. Wenn sowas bei einer obskuren, vom VS gesponsorten Organisation vorkommt, ist das nicht übermäßig verwunderlich.
    Kleinigkeit am Rande, innere Sicherheit und so :-))) :

    „(…) Auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion teilte die Bundesregierung jetzt mit, dass in den letzten zehn Jahren insgesamt 332 als »Verschlusssache« (VS) deklarierte Geheimakten spurlos verschwunden sind.
    Es ist dem Bundesinnenministerium, als nationale Sicherheitsbehörde, nicht einmal bekannt, welche Inhalte die Geheimakten hatten. Nur so viel, dass es sich um Vorgänge aus den Bereichen der »Organisierten Kriminalität«, »Proliferation« (Rüstung), »Forschungsaktivitäten ausländischer Staaten« und »Überwachung des Außenwirtschaftsverkehrs« handele. …“

    http://info.kopp-verlag.de/
    news/skandal-bundesregierung-vernichtet-tausende-von-geheimakten-
    und-gibt-andere-akten-trotz-ablauf.html

    Hat die Putzfrau wohl versehentlich mitgenommen; wir wollen ja schließlich keine Vorurteile gegen QualitätspolitikerInnen schüren.

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