Schützenhaus Pößneck: No-go-area für Neonazis

Nach dem Tod des NPD-Funktionärs Jürgen Rieger hat die Stadt Pößneck das von Neonazis genutzte Schützenhaus gesperrt. Es sei vom Ordnungsamt im Rahmen einer Eigentumssicherung für die Erben versiegelt worden, berichtete MDR 1 Radio Thüringen unter Berufung auf Bürgermeister Michael Modde. Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Kreiskulturhaus, das der Hamburger Anwalt 2003 über seine Londoner Firma «Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation» für 360.000 Euro gekauft hatte. Seither war es immer wieder für Veranstaltungen der rechtsextremen Szene genutzt worden.

Erst vor zwei Wochen führte nach MDR-Angaben der NPD-Kreisverband Jena dort einen Vortrag mit zwei ehemaligen SS-Männern durch. Im September versammelten sich hunderte Rechtsextreme an dem Haus, um ein sogenanntes Fest der Völker zu feiern. Die Stadt hatte sich in der Vergangenheit mit juristischen Mitteln darum bemüht, die Immobilie dem Zugriff der Rechtsextremen zu entreißen – konnte sich aber damit nur vorübergehend durchsetzen.

Rieger war am 29. Oktober im Alter von 63 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Einem Bericht des NDR zufolge wird im Testament des einstigen NPD-Bundesvize allein seine Familie begünstigt, die keinen Bezug zur rechtsextremen Szene habe.

Anwältin Spezialistin für Zwangsversteigerungen

Es zeichnet sich also immer mehr ab, dass die extrem rechte Infrastruktur künftig ohne die Riegerschen Immobilien auskommen muss. Nach Informationen von NPD-BLOG.INFO ist die von der Anwaltskammer eingesetzte Rechtsanwältin eine Spezialistin auf dem Gebiet der Zwangsversteigerung. Möglicherweise wurde sie zusätzlich beauftragt, die Immobilien Riegers zu veräußern. Dies ist aber noch nicht bestätigt.

Siehe auch: Riegers Testament: NPD und Neonazis gehen leer aus, Neonazis in Aufregung: Rieger-Kanzlei wird von Anwaltskammer abgewickelt, Neonazis trauern um Rieger: “Ein Riese ist gefallen”, NPD-Vize Jürgen Rieger verstorben, Die NPD verliert ihren wichtigsten Geldgeber

2 thoughts on “Schützenhaus Pößneck: No-go-area für Neonazis

  1. Hier scheinen mir zwei Sachen vermengt zu werden: Die von der Anwaltskammer eingesetzte Rechtsanwältin ist dafür zuständig, die laufenden Mandate von RA Rieger abzuwickeln. Das hat nichts mit dem Erbe Riegers zu tun, für das nun die Familie zuständig ist und bei dem die Anwaltskammer nichts mitzureden hat.

  2. Also auf der Seite der NPD Jena finde ich nichts zum Vortrag mit den SS-Männern. Überhaupt wirkt die Seite sehr verstaubt. Der letzte Artikel dort stammt vom 11.09.2009.

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