Hintergrund: “Frontbann 24″

Seit Anfang 2009 hat in Berlin eine neue Nazikameradschaft namens “Frontbann 24″ existiert,  die einerseits durch ihre Herkunft (Ex-NPDler) und andererseits durch ihr Auftreten (Uniformierung) im öffentlichen Raum auffiel. Am 13. August 2009 ließ der Berliner Innensenator Wohnungen von “Frontbann 24″-Mitglieder in ganz Berlin durchsuchen. Am 05. November 2009 wurde die Neonazi-Kameradschaft verboten.

Horst Mühle hat Infos zu “Frontbann 24″ zusammengestellt

Nach parteiinternen Querelen zwischen einigen Berliner NPD Kreisverbänden und dem Landesverband unter dem Vorsitz von Jörg Hähnel traten die Kreisverbandsvorsitzende Gesine Hennrich (Marzahn-Hellersdorf) und Hans Joachim Henry (Tempelhof-Schöneberg) von ihren Posten zurück und aus der Partei aus. Vor allem aus besagten Kreisverbänden gaben weitere Mitglieder der NPD ihr Parteibuch zurück. Einige von ihnen schlossen sich dem “Freien und Nationalen Bündnisses” (FNB) an, andere gründeten die Kameradschaft “Frontbann 24″. Inzwischen dient auch die Berliner DVU als willkommene Alternative für Ex-NPDler.

20090601_Frontbann-24.com_Homepage_Ortsgruppen

“Frontbann 24″ steht in der Tradition der nationalsozialistischen Wehrbewegung Frontbann, der im August 1924, nach dem gescheiterten Hitlerputsch, von Ernst Röhm als Ersatz- und Dachverband für die SA und anderer paramilitärischer Gruppierungen gegründet wurde. Der Frontbann verstand sich als ein – wie Röhm es ausdrückte – “kampffähiges Instrument der Bewegung”. Wie andere Ersatzverbände auch, stand diese politische und straff militärische Organisation “auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung” und bekannte sich “bedingungslos zu Hitler, Ludendorff und Graefe”.[*]

Kurz nach seiner Gründung bekam es der Frontbann mit repressiven Maßnahmen des Staates zu tun. Die bayerische Polizei verhaftete am 17.9.1924 die Führer der Münchener Verbände und beschlagnahmte nahezu das gesamte Aktenmaterial. Man befürchtete, dass der Frontbann die Bestrebung verfolgte, “die verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staatsform des Reiches und der Länder zu untergraben”.

Trotz dieser Repressalien, die letztendlich im Sande verliefen, schien sich der “ausschließliche Träger der nationalsozialistischen Idee” (Zitat Röhm) durchzusetzen. Bis zur erneuten Legalisierung der SA im Frühjahr 1925 gehörten der Ersatzorganisation Frontbann bis zu 30.000 Mann an.[*]

Vier Ortsgruppen in Berlin

Seit seiner Gründung Anfang 2009 entstanden in Berlin mindestens vier “Frontbann 24″-Ortsgruppen, so in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Neukölln, Schöneweide und Hohenschönhausen. Außerhalb Berlins sollen sich nach nicht verifizierbaren Informationen zwei weitere Ortsgruppen gebildet haben. Die Mitgliederzahl liegt nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes derzeit bei etwa 40 bis 60 Personen. Der Altersschnitt liegt bei über 30 Jahre – für Kameradschaften ungewöhnlich hoch.

Ob “Kameraden” von “Frontbann 24″ bereits zuvor in anderen Kameradschaften, wie beispielsweise der verbotenen “Kameradschaften Tor”, der “Berliner Alternative Süd-Ost” (BASO) oder beim “Märkischen Heimatschutz” (MHS) aktiv tätig waren, ist derzeit unklar.

Aktionsorientiert und uniformiert

Nach außen hin zeigt sich “Frontbann 24″ aktionsorientiert und uniformiert. Erstmals sah man die Gruppe “Frontbann 24″ mit ihren Fahnen am 14. Februar 2009 auf der Dresdener Nazidemo anlässlich der Bombardierung der Elbmetropole zum Ende des 2. Weltkriegs. Anfängliche Höhepunkte im Bestehen der Kameradschaft waren im März 2009 ein von “Frontbann 24″ organisierter Aufmarsch in Oranienburg mit rund 30 Kameraden gegen eine zeitgleich laufende antirassistische
Demonstration sowie eine Kundgebung am Berliner Kriminalgericht gegen “Kinderschänder”, bei der sich ca. 35 Nazis beteiligen.

Beim Aufmarsch im brandenburgischen Luckenwalde am 23. Mai 2009 traten Mitglieder von “Frontbann 24″ erstmalig uniformiert auf. Größtenteils trug man schwarze Hosen und Hemden, letztere mit einer aufgestickten “24″ am Kragen sowie einem stilisieren Reichsadler und den Schriftzug “Frontbann 24″ auf der Brust.

Nachdem “Frontbann 24″ bereits kurz Thema im Verfassungsschutz-Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus war, der Landesverfassungsschutz eine eigene Meldung zur “Gründung der rechtsextremistischen Kameradschaft ‘Frontbann 24′” veröffentlichte, berichteten einige Printmedien über diese neue Kameradschaft. In Folge dieser Ereignisse legte die Polizei ihre anfängliche Zurückhaltung gegenüber den Mitgliedern der Nazigruppierung ab und reagierte beim öffentlichen Auftritt von “Frontbann 24″ zu Beginn des NPD-Aufmarsches in Storkow (4.7.2009) konsequent, in dem der Truppe das offene Tragen der Hemden mit angebrachten Kameradschaftsinsignien verboten wurde.

Ähnlich verfuhr die Polizei – allerdings mit anderer Begründung – bei einem Naziaufmarsch am 1. August im niedersächsischen Bad Nenndorf. Zusammen mit anderen Nazis blieb “Frontbann 24″ in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes zurück, um dort “für die Sicherheit” der sichergestellten Kleidungsstücke zu sorgen.

Namenszusatz als Schutz vor Verbot?

Die Auswertung des Bildmaterials der Storkower sowie der Luckenwalder Nazidemo ergab, dass sich “Frontbann 24″ direkt auf den SA-Ersatzwehrverband Frontbann bezieht und der Namenszusatz “24″ lediglich ein mögliches Verbot vorbeugen soll. Mindestens zwei Mitglieder haben sich auf ihre Unterarme den Schriftzug “Frontbann” eintätowieren lassen – ohne die Zahl “24″. Diese öffentlich getragenen Tätowierungen erfüllen den Straftatbestand der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und begründeten zudem möglicherweise ein Verbot.

Die Abschaltung der ersten Homepage http://frontbann-24.npage.ch/ (vermutlich durch den Provider), beantworte “Frontbann 24″ mit dem Umzug (http://www.frontbann-24.com) auf einen in den USA registrierten und somit geschützten Server (server-widerstand.com), der mutmaßlich von einem NPD-Kader aus Kiel gemietet wurde. Mittlerweile steht die Domain frontbann-24.com ganz ohne Server da, so dass keine Seite mehr aufrufbar ist.

Wenn auch durch seine Offenheit bei vielen “Autonomen Nationalisten” sehr umstritten, so ist dennoch festzustellen, dass “Frontbann 24″ eine wachsende Kameradschaft ist, die sich eindeutig auf die von Ernst Röhm gegründete paramilitärische Wehrbewegung Frontbann bezieht. Daher hat der Berliner Innensenator seiner Behörde eine konsequente Überwachung dieser Kameradscahft aufgetragen, was letztendlich in Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern von “Frontbann 24″ am 13. August 2009 mündete. Zudem sagte Körting in einem Interview, ein Verbot der Gruppe werde geprüft.

[*] Ernst Röhm, “Der Frontbann”, in: “Die Geschichte eines Hochverräters”, 5. Auflage, Verlag Franz Eher Nachf., München 1928, Seite 321-346

Siehe auch: Razzien gegen Neonazis: “Frontbann 24″ vor dem Verbot? ,Berlin: “Frontbann 24″ geht es an den Kragen, Berliner Neonazi-Band veröffentlicht CD, Berlin: “Kameradschaft Tor” bleibt verboten, Berlin: Hohe Fluktuation bei NPD und deutlich mehr rassistische GewalttatenVS-Berlin: NPD verliert durch Machtkampf deutlich an SchlagkraftPoppenkontakte & Huren24 – Erpressung bei der NPD?, Berlin: rassistische Gewalt stieg 2008 um 40%, Keine V-Leute bei NPD-Spitzen in Berlin und weiteren Bundesländern

4 thoughts on “Hintergrund: “Frontbann 24″

  1. Alle Demokraten müssen klar und deutlich gegen nationalsozialistische Ideologien vorgehen. Das Vergessen der Vergangenheit und die heutige Gleichgültigkeit lassen solche oft gefährliche Parteien, Gruppen und Organisationen entstehen. Selbst deren Duldung ist ein Eingeständnis für Unfähigkeit. Es schadet das Ansehen Deutschlands weltweit!

    Symbole, öffentliche Erscheinungen incl. Demonstrationen, Gedenktage von NS-Anhängern zu Hitler, dessen Paladine und der menschenverachtende Gesinnung muss grundsätzlich strafbar sein. Ganz wichtig ist deren Beweisführung für ein Verbot bzw. heftige Strafen ohne Bewährung. Keine Kompromisse!

    Nationalsozialismus (weltweit verbreitet) und andere Ideologien beispielweise in der „DDR“, China, Nordkorea oder Russland machen klar, das eine Uneinigkeit von menschenfreundlichen Gesellschaften deren Nährung und Verbreitung begünstigt.

    Aufklärung in der Schule ist der erste Ansatz. Im Elternhaus und sozialem Umfeld hängt es von der Einstellung ab, den ein junger Mensch beeinflusst ist.

    Für mich persönlich ist die Beschäftigung und Abwehr von Antisemitismus, NS und deren Folgen besonders wichtig geworden. Meine Erkenntnis ist: Schaltet man sein Gehirn nicht ein, so haben es die Demagogen leicht.

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