Geldstrafe für „Kommando Freisler“

Das Amtsgericht Herzberg hat am 02. November 2009 zwei Neonazis wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung zu Geldstrafen in Höhe von 3.600 und 3.000 Euro verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die 32 und 30 Jahre alten Männer als Mitglieder der Rechtsrockband „Kommando Freisler“ die 2003 erschienene CD „Geheime Reichssache“ mit volksverhetzenden Texten aufgenommen hatten. Das Gericht blieb damit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die auf Haftstrafen von einem, bzw. einem halben Jahr auf Bewährung plädiert hatte. Die Verteidiger der Angeklagten hatten eine Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro bzw. einen Freispruch gefordert.

Von Kai Budler für NPD.BLOG.INFO

Mit ihrem 2003 erschienen Erstling „Geheime Reichssache“ hatte die Rechtsrockband „Kommando Freisler“ für großes Aufsehen in der Öffentlichkeit gesorgt. Nicht nur, dass sie als Namensgeber ausgerechnet den berüchtigten NS- Volksgerichtshofpräsidenten Roland Freisler gewählt hatte, der noch in den letzten drei Jahren des NS-Terrorregimes tausende Todesurteile gefällt hatte. Auch das Booklet der CD machte die unverhohlene Gesinnung der Band deutlich: Das Beiheft zeigt Freisler mit zum Hitler-Gruß ausgestrecktem Arm sowie mehrere Hakenkreuzfahnen.

 Dabei wurden populäre Schlagermelodien genutzt, um die Neonazi Botschaften zu transportieren: zur Melodie von Liedern wie Mike Krügers „Der Nippel“ oder „Im Wagen vor mir“ ertönen Hasstexte voller antisemitischer Schmähreden. Göttingens Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner sprach dabei von „extrem volksverhetzenden Texten“ , der Verfassungsschutz attestierte der CD gar einen „eliminatorischen Antisemitismus“ – die Band gehe über die in der Szene übliche Judenfeindlichkeit hinaus und propagiere die Auslöschung der Juden. Kein Wunder also, dass sich die Musiker bemühten unerkannt zu bleiben. Mit dem Prozess in Herzberg bekamen die Mitglieder des „Kommando Freisler“ nun ein Gesicht.

Von Deutschland über Skandinavien nach Australien und zurück

Gleich zu Beginn räumte der 32-jährige gelernte Maler und Betreiber des Bad Lauterber Tätowierladens „Zettel am Zeh“, Oliver K., die Vorwürfe ein. Er ist nicht nur der Sänger der Band, von ihm stammen auch die Idee und Texte der CD. Doch seine Aussagen sind nichts neues: Bereits in den Vernehmungen des BKA in den jahren 2007 und 2008 hatte der 32-jährige entsprechende Angaben gemacht, die auch die Produzenten der CD betrafen.

Dabei war das BKA eigentlich nur aus Zufall auf die „Geheime Reichssache“ gestoßen. Bei Ermittlungen zum skandinavischen Vertrieb „Celtic Moon“ waren die Beamten in einem australischen Presswerk auf mehrere in Auftrag gegebene CD-Produktionen für den deutschen Markt gestoßen. Darunter befanden sich auch 2.000 Exemplare der Erstproduktion von „Kommando Freisler“ sowie der entsprechende, von einem Australier unterzeichnete Auftrag. Die Auflage ging nach Skandinavien, um von dort auf dem deutschen Markt vertrieben zu werden. Eine gezielte Vermarktung, wie die deutschsprachigen Kataloge von „Celtic Moon“ beweisen. Mit einem Stimmgutachten war das BKA Oliver K. auf die Spur gekommen. Seine Aussagen über die Vertriebsstrukturen dürften der Anlass gewesen sein für mehrere Durchsuchungen in Finnland sowie die Vollstreckung zweier Haftbefehle in Dänemark gegen einen deutschen und einen dänischen Staatsangehörigen. Die später ausgelieferten Flemming C. und Stephan G. sollen mehrere Jahren als Verantwortliche des rechten Vertriebs illegale Tonträger finanziert, deren Produktion in Auftrag gegeben und sie anschließend vertrieben haben. Dazu gehörte offenbar auch die Finanzierung der Aufnahmen und die Produktion der CD von „Kommando Freisler“.

Vom „Volkssturm“ zu „Kommando Freisler“

Im Gegensatz zum Sänger und Gitarristen machte der zweite Angeklagte und ehemalige Schlagzeuger, Sebastian „Basti“ K. keine Angaben vor Gericht. Anders verhielt sich da der heute 31-jährige Bassist Erik S., der seine Mitgliedschaft schon bei den BKA-Vernehmungen eingeräumt hatte. Der Chemiearbeiter gab vor Gericht zu vor der CD-Produktion in der Band gespielt zu haben, die sich intern „Volkssturm“ genannt und im Keller der Eltern des Sängers geprobt habe. Multitalent Oliver K. habe sie dabei in ihre Instrumente eingewiesen: „Sie können sich ja vorstellen, wie sich das anhörte“, sagte S. vor Gericht.

Als K. eine Reise für die CD-Aufnahme vorschlug, habe er mit der Ausrede abgelehnt, er bekomme keinen Urlaub. So sei er bei der Produktion nicht anwesend gewesen, einige Lieder der CD kenne er jedoch aus dem vorherigen „Volkssturm“-Repertoire.

„Polenschlüssel“ im Club 88?

Ein dritter Angeklagter musste vorerst nicht vor Gericht erscheinen. Ursprünglich wollte das Amtsgericht am Montag im Fall „Geheime Reichssache“ auch gegen den aus Neustadt stammenden Alexander H. verhandeln. Das Verfahren wurde jedoch kurzfristig abgetrennt, weil sein Verteidiger Jürgen Rieger in der vergangenen Woche einem Schlaganfall erlegen war. H. gehört in Schleswig Holstein zu den Kadern der rechtsextremen Szene und zählt auch an seinem jetzigen Wohnort Neumünster zu den Führungsfiguren. Er hat weitläufige Kontakte zur rechtsextremen Szene in Schweden und war zuletzt im Oktober dieses Jahres in die Schlagzeilen geraten. Unter der Adresse des Neonazi-Treffpunktes „Club 88“ hatte er ein Gewerbe angemeldet und bietet dort sog. „Polenschlüssel“ an. Dabei handelt es sich offenbar um eine Art von Generalschlüssel, der von Autodieben verwendet wird, um ein Kraftfahrzeug zu entwenden“.

Momentan hält sich der H. des öfteren in der Nähe des früheren NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert auf. Mit ihm teilt er offenbar dessen jüngste Leidenschaft, sich bei der berüchtigten Rockerclique „Bandidos“ zu engagieren. Unklar ist bislang, wann der Prozess gegen ihn im Beisein eines neuen Verteidigers eröffnet wird.

Neue CD von „Kommando Freisler“?

Über die weiteren Pläne der Band ranken sich bislang nur Gerüchte. Die zweite und bislang letzte CD „Kaufen Hören Hassen“ von „Kommando Freisler“ mit Sänger und Gitarrist K. erschien 2007 im „Witwe Bolte Versand“ des Neonazis und NPD-Politikers Thorsten Heise, auch sie wurde kurz darauf indiziert. Daraufhin hatten die Ermittler im November 2007 die Räumlichkeiten von Heise in Thüringen und der Nazi-Liedermacher Annett und Michael Müller in Bad Lauterberg am Harz durchsucht. Auch Heise wurde verdächtigt, der Urheber der CD „Geheime Reichssache“ zu sein und sie vertrieben zu haben.

Ob eine von Heise auf seiner Homepage ankündigte neue CD wirklich in Bälde erscheint, ist fraglich. So hieß es im Vorfeld des Prozesses auch auf einer einschlägigen Neonazi-Homepage: „Es handelt sich dabei um Musikstücke, dessen Texte man der Öffentlichkeit unter keinen Umständen anbieten kann. So sollte man in diesem speziellen Fall der Bundesprüfstelle sogar dankbar sein, dass sie die CD aus dem Verkehr gezogen haben.“

Siehe auch: NPD-Bundesvorstand Heise erneut wegen Volksverhetzung verurteilt, Produktion von Nazi-Rock: Dänemark liefert Neonazis aus, Internationale Razzia gegen Rechtsrock-Produzenten, : Dänemark will Rechtsrock-Produzenten ausliefernSchwedische Neonazis in neuem Gewand, Neonazi-Musik – Internationale der Nationalisten als Ziel – bzw. Zielgruppe