NPD-Vize Jürgen Rieger verstorben

NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)
NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)

Der Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger ist tot. Das gab die Familie des 63-Jährigen gegenüber der Nachrichtenagentur Deutschen Presse-Agentur (dpa) am 29. Oktober 2009 bekannt. Der 63-Jährige hatte am Sonnabend während einer Sitzung des NPD-Bundesvorstandes in Berlin über Unwohlsein geklagt, der Neonazi und NPD-Funktionär Thomas „Steiner“ Wulff fuhr den Anwalt dann in eine Klinik. Die Ärzte erkannten einen Schlaganfall. Riegers Zustand wurde bereits seit Tagen als äußerst kritisch beschrieben, NPD-Seiten vermeldeten bereits den Tod des NPD-Funktionärs. Auch ein Vertrauter Riegers veröffentlichte auf einer Neonazi-Seite einen Kommentar, wonach Rieger bereits gehirntot sei.

Die Familie möchte sich laut dpa nicht weiter äußern und bat um Respekt für die Trauerzeit. „Er war nicht nur ein rechtsorientierter Anwalt, sondern auch ein sehr liebenswerter Vater“, teilten die Angehörigen mit.

Der Anwalt aus Hamburg-Blankenese galt als einer der wichtigsten Strippenzieher im braunen Netzwerk. Unter anderem sorgte Rieger in den vergangenen Jahren immer wieder durch vermeintliche oder tatsächliche Kaufabsichten für diverse Immobilien für Aufsehen. Zudem war er Landeschef der NPD in Hamburg und Bundesvize der Partei. Durch sein Geld hatte Rieger der NPD aus finanziellen Notlagen geholfen haben, dafür aber auch politischen Einfluss gefordert. Seine Wahl zum NPD-Vize war auch in der Partei umstritten, Ex-NPD-Funktionär Andreas Molau hatte diese als “politische Katastrophe” bezeichnet.

Die Machttektonik in der Partei dürfte nun einmal mehr gehörig durcheinander geraten. Rieger als einflussreicher Strippenzieher war für NPD-Chef Udo Voigt von großer Bedeutung, um sich gegen die mächtigen Funktionäre aus Dresden und Schwerin zu behaupten. Holger Apfel verfügt nach seiner Wahl zum Chef des einflussreichsten Landesverbandes sowie dem erneuten Einzug der NPD in den sächsischen Landtag über eine Machtfülle wie nie zuvor. Die Strategie des „Sächsischen Weges“ könnte so gegenüber dem „Deutschen Weg“ der Bundespartei aufgehen.

Apfel als Rieger-Nachfolger im Bundesvorstand?

Hinter der Kulissen sind nach Informationen von NDR Info bereits Gespräche über die Nachfolge von Jürgen Rieger im NPD- Bundesvorstand geführt worden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der Vorsitzende der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag. Apfel hatte im Streit mit NPD-Chef Voigt beim Bundesparteitag der NPD in Berlin demonstrativ auf einen Vorstandsposten verzichtet. Nach Informationen von NDR Info war es aber in jüngster Vergangenheit zu einer Annäherung von Voigt und Apfel gekommen. Experten befürchten, dass die NPD in Zukunft vermehrt versuchen wird, sich ein „zivilisiertes“ Image zu geben und auf Distanz zu den als besonders extrem geltenden Kameradschaften gehen wird. Dies, so befürchten Fachleute, könnte die Attraktivität der rechtsextremen Partei als „Wolf im Schafspelz“ erhöhen. Der als besonders rassistisch geltende Jürgen Rieger wäre bei dieser Neuorientierung vermutlich im Wege gewesen.

Allerdings spielt auch die enge Anbindung an das neonzistische Fußvolk eine wichtige Rolle für die Strategie der NPD.  Zudem ist noch unklar, was mit Riegers zahlreichen Immobilien und seinem Vermögen geschieht. Da Riegers Angehörige dem politischen Treiben des Anwalts kritisch gegenüberstanden, könnte die Neonazi-Bewegung sehr viel Geld und wichtige Knotenpunkte in der Infratstruktur verlieren, sollte der Anwalt kein Testament zu Gunsten der Neonazi-Bewegung aufgesetzt haben.

Siehe auch: Riegers Schlaganfall: Die NPD und das ungeliebte “PR-GAU”, Schlaganfall: NPD-Vize Rieger im Koma

11 thoughts on “NPD-Vize Jürgen Rieger verstorben

  1. „Wir haben eine Politikform die sich
    Sozialer Kapitalismus…“

    Unsere Politikform, oder besser Regierungsform, nennt sich Demokratie.
    Unser Wirtschaftssystem heißt soziale Marktwirtschaft…

    Na wo ist der Fehler!?

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