Österreichischer Revisionist referiert bei NPD und CDU

Beim vom NPD Kreisverband Unna/Hamm als „einen besonders lieben Gast aus dem deutschen Bruderstaat Österreich“ bezeichneten Referenten der letzten NPD-Schulungsveranstaltung handelt es sich einem Bericht der Antifa UNited zufolge um den bekannten Revisionisten Walter Marinovic. Die Schulungsveranstaltung, die im ehemaligen Naziladen „Buy or die“ in Dortmund-Dorstfeld stattfand, dessen Räumlichkeiten nun von „Autonomen Nationalisten“ aus Dortmund angemietet wurden, hatte am 23. Oktober 2009 spontanen Protest ausgelöst.

Thema des Marinovic-Vortrags war laut NPD-Unna der „Kampf des Befreiers Germaniens Arminius/Hermann“. Arminius habe sich im Jahre 9 gegen „die Supermacht der damaligen Zeit“ aufgelehnt, „um Freiheit und Eigenart zu verteidigen“. Ein Vortrag Marinovics zum selben Thema – Titel: „Arminius befreite 09 Germanien von den Römern – wovon befreien wir uns 2000 Jahre danach?“- hatte zuletzt im April für einen Skandal in Österreich gesorgt. Marinovic konnte seine extrem rechten Thesen auf Einladung des FPÖ-Abgeordneten Martin Graf, der zugleich auch Dritter Präsident des Nationalrats ist, im österreicherischen Parlament halten, was für größere Proteste seitens der Grünen gesorgt hatte.

Die Grünen über Walter Marinovic
Walter Marinovic, österreichischer Staatsbürger, bezeichnet sich selbst in einem Interview mit der rechtsextremen Zeitschrift „Deutsche Stimme“ als „Ostmärker“, war bereits mehrmals Vortragender bei der rechtsextremen „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP) und hat laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) „kaum Berührungsängste zum deutschen Nationalsozialismus“.

Dieser Mann hält heute im Parlament der Republik Österreich eine Rede zum Thema: „Arminius befreite 09 Germanien von den Römern & wovon befreien wir uns 2000 Jahre danach?“ Marinovic ist auch einer der Erstunterzeichner des sogenannten Württemberger Appells 2004. Dieses neonazistische Pamphlet fordert „die Volksgemeinschaft“, da „das materielle, geistige und biologisch-genetische Erbe des deutschen Volkes in noch nie da gewesener Form tödlich bedroht“ sei, und zwar „von Auflösung und Zersetzung durch Amerikanismus, Globalismus, Geldkapitalismus, Dekadenzkrise, Geburtenverweigerung und der Wahnvorstellung einer multikulturellen Gesellschaft“.

Der ehemaligen Gymnasiallehrer Marinovic ist in Österreich als Revisionist und extrem Rechter bekannt. Er zeigt keinerlei Berührungsängste zur deutschen Neonazi-Szene: Seit Jahren verbreitet er seine geschichtsverfälschenden und rassistischen Positionen in einschlägigen Publikationen wie der „Deutschen Stimme“ und der „Deutschen Nationalzeitung“ oder spricht auf Tagungen von Organisationen wie der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP). Bei der NPD trat Marinovic schon Ende 2002 auf, als Gastredner des „1. Freiheitlichen Kongresses“ des Deutsche-Stimme Verlags.

Referent bei der CDU-Hannover

Trotz der vielfältigen und dauerhaften Kontakte von Walter Marinovic ins Neonazi-Spektrum, trat der Revisionist auch bei einer Veranstaltung der CDU-Organisation „Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung“, einer Vertriebenenorganisation innerhalb der konservativen Partei, auf. Am 19. November 2008 referierte er in Hannover zum Thema „Wie deutsch ist Österreich?“. Der offizielle Bericht über die Veranstaltung würdigte den Österreicher mit folgenden Worten: „Dr. Marinowic steht für die Werte, die in Gefahr geraten, ihren geistigen Bestand in der Öffentlichkeit zu verlieren.“

Aus dem Bericht der CDU über das Referat des Revisionisten:
1945 wurde Deutschland auf Betreiben der Alliierten von Österreich getrennt – ohne Volksabstimmung. Auch im Staatsvertrag von 1955 bleibt Österreich der Anschluß an Deuschlnd verwehrt.

Der Bericht ist nun nicht mehr online, die Vorankündigung des Vortrags ist allerdings noch zu finden:  Auf den Seiten der CDU hieß es dazu: „Dr. Marinovic ist u.a. Gymnasialprofessor für Deutsch und Latein, Bundesobmann des Verbandes der Professoren Österreichs, Schriftleiter der Zeitung PROFESSOR, Leiter der Vereinigung „Freunde der Dichtung“, Vortragstätigkeit zwischen Südtirol und Schleswig-Holstein.“

Siehe auch: die Seite Eurorex über Walter Marinovic, Protest gegen NPD-Veranstaltung in Dortmund

6 thoughts on “Österreichischer Revisionist referiert bei NPD und CDU

  1. Das klingt ja, als sei man in der CDU noch immer an einer „Großdeutschen Lösung“ interessiert… Oh mann, hört das denn nie auf?

  2. Was hat es denn mit Großdeutschland zu tuen ? Ich darf vielleicht daran erinnern, dass der ehemalige Intendant von RTL ebenfalls aus Österreich kam und der Journalist Marcus Lanz sogar aus Südtirol. Igitt?
    Im übrigen steht das Selbstbestimmungsrecht doch heute angeblich hoch im Kurs.
    Man sollte doch die Kirche im Dorfe lassen.

  3. Vortrag fand auch in Hamburg statt
    Ein Vortrag von Walter Marinoviv zum Thema Arminius fand auch am Montag den 26. Oktober in Hamburg statt. Veranstalter war der Norddeutsche Kulturkreis, Hamburgs älteste neofaschistische Organisation neben der HIAG. Der Kulturkreis hieß früher Freundeskreis Filmkunst und war Käufer des ehemaligen Nazizentrums Hetendorf in Niedersachsen. Als Freundeskreis Filmkunst machte diese Nazis über Jahrzehnte heimlich Filmvorführungen mit indizierten NS-Filmen in Hamburger Kinos. Auch in Hamburg gibt es Überschneidungen zum konservativen Establishment: Die Veranstaltungen des Norddeutschen Kulturkreises finden seit mehreren Jahren in den Räumen der Burschenschaft Germania Königsberg im Hamburger Univiertel statt. So auch die Veranstaltung mit Marinovics.

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