Riegers Schlaganfall: Die NPD und das ungeliebte „PR-GAU“

Man stelle sich vor, es gebe bei einer Partei einen einflussreichen Kreditgeber, der gleichzeitig auch noch stellvertretender Parteivorsitzender ist. Er bricht auf einer Vorstandssitzung zusammen, ringt mit dem Tod – und die Partei schweigt – wahrscheinlich aus Rücksichtnahme auf die Familie. Doch parteinahe Internet-Seiten berichten über den Vorfall, Kreisverbände melden sogar das Ableben des Funktionärs. Auf Nachfrage von Journalisten teilt dann der Pressesprecher dieser Partei mit, man wolle nicht sagen, ob der Vize noch am Leben sei. Absurd? Grotesk? Durchaus. Aber genau das ist bei der NPD passiert.

Von Robert von Seeve für NPD-BLOG.INFO

Vier Tage hat es gedauert, bis die Nachricht vom Zusammenbruch des NPD-Vizes Jürgen Rieger bei einer Parteivorstandssitzung in Berlin endgültig an die Öffentlichkeit gelangte. Von der NPD selbst ist weiterhin nichts zu hören, auf der „Weltnetzseite“ herrscht Schweigen zu dem Thema vor – und NPD-Bundespressesprecher Klaus Beier wollte Journalisten noch nicht einmal mitteilen, ob Rieger überhaupt noch am Leben sei.

Kreisverbände aus NRW der Neonazi-Partei vermeldeten unterdessen bereits den Tod des Anwalts aus Hamburg. Auf Neonazi-Seiten wird derweil bereits über das Erbe spekuliert. Und auf der Seite der NPD wird  – als sei nichts geschehen – am 27. Oktober über die Wahl von Holger Apfel zum Parteichef in Sachsen berichtet.

Die Machttektonik in der Partei dürfte nun einmal mehr gehörig durcheinander geraten. Rieger als einflussreicher Strippenzieher ist für NPD-Chef Udo Voigt von großer Bedeutung, um sich gegen die mächtigen Funktionäre aus Dresden und Schwerin zu behaupten. Apfel verfügt nach seiner Wahl zum Landeschef des einflussreichsten Landesverbandes sowie dem erneuten Einzug der NPD in den Landtag über eine Machtfülle wie nie zuvor. Die Strategie des „Sächsischen Weges“ könnte so gegenüber dem „Deutschen Weg“ der Bundespartei aufgehen. Der PR-GAU der Bundespartei dürfte die Kritiker zudem eher lauter werden lassen, denn auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit sind die Sachsen den Berlinern deutlich voraus.

Siehe auch: Schlaganfall: NPD-Vize Rieger im Koma

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