„Ein angemalter Weißer ist kein Schwarzer“

Der Wallraff-Film „Schwarz auf Weiß“ sorgt bundesweit für Aufsehen – aber auch Kritik. Die schwarze Autorin Noah Sow wirft Wallraff vor, er äffe Minderheiten nach. Im Interview mit tagesschau.de betont sie, das Wissen über Alltagsrassismus sei längst präsent, die Weißen müssten nur aufhören, dieses zu ignorieren.

Noah Sow
Noah Sow

Die Erfahrungen Wallraffs überraschten sie nicht, so Sow, denn sie sei „ja schon länger schwarz als Wallraff. Und das Gott sei Dank auch noch wenn Karneval vorbei ist.“ An dem ganzen Projekt sei problematisch, dass Wallraff selbst schreibe: „Vor Jahren hatte ich einen ersten Anlauf gemacht, das Vorhaben aber wieder abgebrochen. Nicht weil diese Rolle anmaßend wäre gegenüber schwarzen Migranten oder schwarzen Deutschen. Jede meiner Rollen ist auf eine bestimmte Art anmaßend, aber ohne diesen Schritt auf fremdes Terrain würde ich viel weniger über die Lebenswirklichkeit der Menschen erfahren, in deren Haut ich schlüpfe.“ Sow meint, Wallraff stelle damit „seine Neugier über die Forschungsergebnisse, Gefühle, Wissensproduktionen und Repräsentationsrechte Schwarzer.“ Damit bediene er sich weißer Privilegien: „Er äfft unterdrückte Minderheiten nach und erntet damit Geld, Aufmerksamkeit und sogar Respekt.“

Noah Sow:
Die Autorin, Schauspielerin, Dozentin, Medienschaffende und Musikerin Noah Sow ist unter anderem für mehrere ARD-Sender tätig, zudem war sie im Jahr 2001 Mitglied der Jury in der Casting-Show „Popstars“, stieg allerdings während der Staffel aus, weil sie den von einem „unmöglichen Menschenbild“ geprägten Umgang mit den Kandidaten nicht mehr mittragen wollte. Im Jahr 2008 veröffentlichte Sow das Buch „Deutschland Schwarz weiß: der alltägliche Rassismus“. Sie engagiert sich in dem Verein „Der braune Mob“, dessen Ziel es ist, dass „die Darstellung Schwarzer Menschen in deutschen Medien und der Öffentlichkeit fair und ohne Diskriminierung erfolgt“. Der Begriff „schwarz“ soll laut Sow als politischer Begriff und Selbstbeschreibung stets großgeschrieben werden.

Zwar mache er auf das Problem Rassismus aufmerksam, doch bediene er sich „äußerst fragwürdiger Mittel“, so Sow weiter. Er könne als „angemalter Weißer schwarze Erfahrungen nicht machen und auch nicht in einen Zusammenhang stellen, auch wenn er das glaubt oder versucht“. Wallraff mache „hier vor allem auf sich selbst aufmerksam“.Zudem sei die Idee „ja schon alt, wurde schon in den 1950er Jahren von John Howard Griffin gemacht – mit gemischten Reaktionen“.

„Sauber“ hätte Sow gefunden, wenn Wallraff sich in schwarzer Co-Autorenschaft in einen Lernprozess begeben hätte, „anstatt angesprüht zu behaupten, er habe etwas herausgefunden“.

Das gesamte Interview bei tagesschau.de, außerdem ein Text von Günter Wallraff beim Netz gegen Nazis.

Siehe auch: Der Grund, nicht Grün zu wählen, Buchtipp: “Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus”, `Brauner Mob` startet `schwarzen Blog`

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