Neonazis marschieren in Leipzig auf: „Sind keine billige Kopie der Antifa“

Unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ wollen am 17. Oktober 2009 in Leipzig mehrere Hundert Neonazis aufmarschieren. Als Veranstalter treten „Nationale Sozialisten“ aus Leipzig auf. Zu der Demonstration werden aber Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet, unter anderem aus Niedersachsen und NRW. Besonders das Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ aus dem Ruhrgebiet könnte für Zwist sorgen, denn die Veranstalter forderten in ihren Auflagen für den Aufzug:

Wir sind keine billige Kopie der Antifa oder des „BRD Mainstreams“. Als Deutsche sind wir Angehörige eines uralten Kulturvolkes. Das heißt: Wir brauchen keine extremen subkulturellen Erscheinungsformen. Dieses dürfte eindeutig auf die ANs gemünzt sein. Gleiches gilt für den Hinweis, dass im Oktober Sonnenbrillen „nicht die ganze Zeit getragen werden“ müssen.

Zudem gilt ein Alkohol- und Rauchverbot, die Hände sollen nicht in die Hosentaschen gesteckt werden und keine Kaugummis gekaut werden. Transparente sollen keine Assoziationen zu „sozialrevolutionären und marxistischen Personen oder Vereinigungen und vergleichbare antifaschistische Symbolik“ aufweisen.

Allerdings sind diese Auflagen möglicherweise kaum die Internet-Seite wert, auf der sie verbreitet werden. Denn schon auf ihrem Mobilisierungsplakat für die Demonstration nutzen die Veranstalter selbst ein Symbol, welches von der Antifa abgekupfert sein dürfte.

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Nach der Demonstration soll es für die Teilnehmer noch ein „Solikonzert in Mitteldeutschland“ geben.Mit dem Aufruf zu dem Neonazi-Aufmarsch allein hätten die Initiatoren auch wohl kaum eine größere Mobilisierung hinbekommen; als aktueller Aufhänger wird der Wahlkampf im Superwahljahr 2009 angeführt. Zur Erinnerung: Die letzten Wahlen des Jahres liegen mittlerweile drei Wochen zurück. Und dann zeichnen die „Nationalen Sozialisten“ mehr oder weniger gekonnt folgendes Bild, um die Dramatik der Lage zu unterstreichen:

Ähnlich wie das Wechseln linker und rechter Sitzplätze die Fahrtrichtung eines Busses nicht beeinflussen können, so wird auch niemals der Austausch einer Demokratenclique mit der anderen das Steuer unserer selbstmörderischen Fahrt in den Volkstod herumreißen.

Zudem ist immer wieder davon die Rede, dass das deutsche Volk frei sein müsse. Wie diese Freiheit aussieht, wird dann auch noch verraten: „Nur mit diesen Grundrechten erhält auch der Einzelne als Glied in einer unerschütterlichen Volksgemeinschaft seine Freiheit zurück.“ Der Aufruf endet mit der Forderung nach einem „Nationalen Sozialismus“.

Der Kampf um die Kohle

Unterstützt wird der Neonazi-Aufmarsch von den Jungen Nationaldemokraten sowie der sogenannten „Burschenschaft Thormania“. Dabei handelt es sich nicht um eine studentische „Burschenschaft“, sondern eine Kameradschaft aus Braunschweig (mehr dazu bei Indymedia). Aber auch mehrere Versandhändler und Plattenlabels rufen zu der Demonstration auf, so heißt es auf der Seite zur Demonstration:

Ein weiteres Dankeschön an den Chemnitzer Versand “PC Records” welcher uns kostenfrei mit einigen Werbeheften versorgt hat. Wir freuen uns auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit euch

Und über das Unternehmen „Versand der Bewegung“, für das Sarah Janker aus Bayern als Verantwortliche aufgeführt wird, gibt es auch das T-Shirt zur Demo zu kaufen. Der Kampf für die Freiheit als Glied in einer Zwangsgemeinschaft soll sich ja auch lohnen.

Siehe auch: Bundesanwaltschaft: “Sturm 34″ sehr wohl eine kriminelle Vereinigung, Leipzig: Neonazis verletzen linken Fußball-Fan schwer, Rechte Gewalt gegen “Minderwertige”: Mordfall auch in Leipzig?

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