Nazidemo nach Steinwürfen aufgelöst

Der Aufmarsch von rund 1000 Neonazis in Leipzig ist vorzeitig aufgelöst worden. Zuvor war es zu Rechtsverstößen aus der Versammlung gekommen. Die Neonazis bewarfen laut MDR die Einsatzkräfte mit Steinen. Auch der Polizeipräsident wurde demnach am Ohr verletzt. Nach Polizeiangaben wurden viele Neonazis nach dieser Attacke in Gewahrsam genommen, um die „strafrechtlichen Dinge abzuarbeiten“.

Die Polizei löste die Neonazi-Demonstration auf (Foto: Screenshot MDR)
Die Polizei löste die Neonazi-Demonstration auf (Foto: Screenshot MDR)

Die Leipziger Internetzeitung schreibt, auch Demonstrationsanmelder Tommy Naumann werde in Kürze mit einer Strafanzeige konfrontiert. Mit Steinen, Holzstangen und PET-Flaschen seien Teilnehmer der Demonstration „Recht auf Zukunft“ auf die Einsatzkräfte der Polizei losgegangen. Wie viele in welcher Form an den Angriffen auf die Einsatzkräfte beteiligt waren, werde noch ermittelt. Eines stehe jedoch schon fest. „Vier Kollegen sind verletzt, einer davon schwer“, vermeldete demnach Polizeipräsident Horst Wawrzynski. Er selbst werde sich noch untersuchen lassen müssen. Eine unmittelbar in seiner Nähe explodierende, volle PET-Flasche, eventuell aufgefüllt mit Knallgas, habe das Gehör in Mitleidenschaft gezogen. Ob es sich dabei um einen vermuteten Hörsturz handelt, wird die ärztliche Untersuchung zeigen.

Die Pressemitteilung der Polizei:

Im Hinblick auf die hohe Gewaltbereitschaft, die zahlreichen Sachbeschädigungen und sechs verletzte Einsatzbeamte zeigte sich Polizeipräsident Horst Wawrzynski mit den Ereignissen des Tages unzufrieden. Was bereits in der Nacht mit Gewalt durch Linksautonome begann, setzte sich auch am Tage durch diese und durch Teilnehmer des Aufzuges der Jungen Nationaldemokraten fort, wodurch beide Seiten demokratische Grundwerte verletzten.

Der Zulauf zu dem angemeldeten Aufzug der Jungen Nationaldemokraten begann bereits in den Morgenstunden. Gegen Mittag befanden sich ca. 400 Teilnehmer am Sammelort an der Eisenbahnstraße Ecke Portitzer Straße. Aufgrund des stetigen Zulaufes und den damit verbundenen Kontrollmaßnahmen, verzögerte sich der Beginn des Aufzuges. Die Zahl der Demonstranten erhöhte sich bis 15.00 Uhr auf ca. 1350. An den zahlreichen friedlichen Gegenveranstaltungen, welche im Vorfeld von Interessengemeinschaften bei der Stadt Leipzig angemeldet wurden, nahmen schätzungsweise 2500 bis 3000 Personen teil.

Diese Veranstaltungen verliefen im Sinne von OBM Burkhard Jung und Polizeipräsident Horst Wawrzynski „Leipzig ist bunt, Leipzig ist schön, Leipzig ist friedlich“.

Leider mischten sich unter die friedlichen Veranstaltungsteilnehmer auch Stimmen, welche diesem Motto nicht Rechnung tragen wollten.

Bereits in der Nacht kam es im Stadtteil Connewitz zu Auseinandersetzungen mit Personen der linksautonomen Szene. Kurz vor Mitternacht versammelten sich über 200 Gewaltbereite auf dem Connewitzer Kreuz, errichteten Straßensperren und zündeten Müllcontainer an. Sie bewarfen eintreffende Kräfte der Bereitschaftspolizei sofort mit Glasflaschen und Steinen, wodurch sieben Einsatzfahrzeuge beschädigt wurden. Im weiteren Verlauf zündeten die Randalierer drei in der Prinz-Eugen-Straße geparkte Pkw an. Einer dieser Pkw brannte vollständig aus, die anderen beiden wurden stark beschädigt. Desweiteren zogen die Chaoten, die sich mittlerweile in zahlreichen Kleingruppen aufgesplittert hatten, durch die angrenzenden Straßen und zerschlugen Schaufensterscheiben im Bereich des Connewitzer Kreuzes sowie der Südvorstadt.

Die Ereignisse der Nacht setzten sich auch am Tage fort. Unter dem Deckmantel der friedlichen Demonstration schlossen sich mehrere gewaltbereite Personen, welche ebenfalls der linksautonomen Szene zuzuordnen waren, zusammen. Sie beschädigten Verkehrseinrichtungen, schoben Container auf die Straße und zündeten diese zum Teil an. In Kleingruppen suchten sie den offenen Konflikt zu eingesetzten Polizeibeamten, indem sie diese mit Steinen bewarfen.

Einen ebenso unfriedlichen Verlauf nahm der angemeldete Aufzug der Jungen Nationaldemokraten. Aufgrund des durch den Veranstalter nicht erwarteten starken Zulaufes von Gleichgesinnten standen anfänglich nicht ausreichend Ordner zur Verfügung. Folglich verzögerte sich der Beginn der Veranstaltung. Dadurch verbreitete sich in der Masse zunehmend Unmut, welcher dazu führte, dass diese aus ihrer Mitte Flaschen, Stangen, Steine und Feuerwerkskörper auf die vor Ort eingesetzten Polizeibeamten warfen.
Durch diese Handlungsweise entzogen die Werfenden die dem Aufzug verfassungsrechtlich gebotene Friedlichkeit, weshalb kurzzeitig der Einsatz der Wasserwerfer notwendig wurde. Letztlich musste der Aufzug durch den Polizeiführer gegen 16.00 Uhr aufgelöst werden. Aufgrund der vorangegangen Straftaten erfolgte eine Feststellung der Personalien aller Teilnehmer, weshalb sich der Abgang bis 21.30 Uhr hinzog. Mit Beendigung des Aufzuges lösten sich auch die restlichen Gegenveranstaltungen auf. Jedoch schlossen sich immer wieder vermeintlich gewaltbereite Linksautonome zu kleinen Gruppen zusammen und beschäftigten die Einsatzkräfte bis in die späten Abendstunden.

Insgesamt wurden im Einsatzverlauf 114 Personen beider Seiten in Gewahrsam genommen. Mit Wegfall der Gewahrsamsgründe begann die Entlassung der Betroffenen. Neben den in der Nacht festgestellten Sachschäden wurden am Tag bislang zehn abgebrannte Müllcontainer, drei umgestoßene Pkw, ein beschädigter Reisebus der rechten Demonstrationsteilnehmer sowie zahlreich eingedrückte Zäune registriert.

Unterstützung erhielt die Leipziger Polizei durch mehrere Bereitschaftspolizeihundertschaften aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und aus Rheinland-Pfalz sowie der Bundespolizei.

Oberbürgermeister Burkhard Jung und Polizeipräsident Horst Wawrzynski bedanken sich ausdrücklich bei allen friedlichen Versammlungsteilnehmern und bedauern die durch Gewalttäter verursachten Schäden an privatem Eigentum. (Bria/DaK)

Nach diesem Auftritt – eine Woche nach den öffentlichen Drohungen in Berlin – dürften die „Strategie-Debatten“ in der extremen Rechten weiter an Fahrt gewinnen. Schon vor der Demonstration hatten die strengen Auflagen der Initiatoren für Unmut gesorgt, vor allem richteten sich die Regeln gegen die Aktionsform der „Autonomen Nationalisten“. Dabei waren aus dem gesamten Bundesgebiet Neonazis nach Leipzig gekommen, darunter auch ANs – unter anderem aus dem Ruhrgebiet. Die Scheiben eines Busses von Neonazis aus Dortmund sollen nach Angaben von Indymedia angeblich zerstört worden sein.

In den einschlägigen Internet-Foren wird derweil bereits über die weitere Strategie beraten. Ein Kommentator meint:

Schön das ging ja dann voll nach hinten los. Da frage ich mich dann auch wozu im Vorfeld die ganzen schönen Auflagen von Seiten der Demo-Veranstalter festgelegt wurden, wenn dann ein paar Randale-ANs meinen sie müßten die Bullen angreifen und etwas auf Dicke Hose machen. Meint ihr allen Ernstes, dass auch nur ein einziger Bürger einer randalierenden Jugend eine Zukunft gönnen mag. Die ANs haben unserer Bewegung mal wieder massiven Schaden zugefügt und es wird Zeit sie aus der nationalen Bewegung zu verbannen! Früher Skinheads heute ANs! Weg mit dem Abschaum!!!

Andere Teilnehmer werteten die Gewaltorgie als Erfolg. In einem anderen Forum schreibt „NS-Bremen“:

Gelungene und kampfstarke Demonstration des Nationalen Widerstandes in Leipzig!!!

Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!!!

Antifas zerschlagen, kaputt hauen und zerschmettern!!!

Schön, dass dies auch heute schon mehrmals gelungen ist… 😉

Siehe auch: Neonazis marschieren in Leipzig auf: “Sind keine billige Kopie der Antifa”, Kommentar: Blanker Hass wird als Notwehr verkauft, Berlin: Nazis fordern mehr rechte Gewalt

18 thoughts on “Nazidemo nach Steinwürfen aufgelöst

  1. Es sei hier nochmals auf die zentrale Internetplattform, DEN virtuellen Stammtisch der Rechstextremen verwiesen.
    Dort kann man sich selbst einen Eindruck von den wahren Absichten und Gesinnungen vieler Faschos machen. Denn: Gesagt ist gesagt! Interpretatorischer Freiraum bleibt bei zahlreichen dort nachlesbaren parolenhaften Statements da nicht mehr. Auch hier bewahrheitet sich immer wieder auf das Neue, wenn auch in makaberer Form: Lesen bildet!
    Besonders auch was die Diskussion um die Vorgänge in Leipzsch betrifft ist der Erkenntnisgewinn hoch!

    Ach ja: Gemeint ist übrigens nicht „gesamtrechts.tk“

    Also: nachlesen, dann reden wir weiter.

  2. Hat euch schon mal jemand gesagt, dass Kommunisten wie ihr rotlackierte Nazis sind?

    Ja, kommt mehrmals pro Woche vor. Denkt Euch mal was Neues aus.

  3. also Leute, nun ists mal wieder gut!
    Immer wenn es bei Demonstrationen zu Ausschreitungen kommt, sollen die „Braunen“ schuld daran sein!
    Es ist doch fakt, das wiederholt die linken Autonomen angefangen haben mit Gewalt und Zerstörung fremden Eigentums, aber am Ende sinds immer die bösen rechtsextremisten!
    Sorry aber für mich habt ihr voll einen an der Waffel!
    Werdet endlich wach, denn irgentwann werdet Ihr in euerm Dorf/Stadt-(teil) die „Exoten“ sein und werdet eures Eigentumes enteignet!!!

  4. Hätte mich auch gewundert, wenn nicht jemand einen Grund gefunden hätte, dass „die linken Autonomen“ an allem Schuld waren. Es muss ja auch sehr verdächtig sein, wenn alle Medien berichten, dass die Nazis gewalttätig waren. Denn das zeigt bestimmt ganz klar das Kartell der „Systempresse“, dem wohl auch die Polizei angehört, wie? Und weil „die linken Autonomen“ angefangen haben, hat man auch die Nazi-Demonstration aufgelöst? Bemerkenswert!

  5. Tja, die Wahrheit tut weh, nicht wahr? Ihr seid nun mal nicht die moralisch Erhabenen, für die ihr euch immer haltet.
    Wir brauchen uns gar nichts „Neues“ ausdenken, weil das „Alte“ nach wie vor stimmt.

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