„Macht Euch vom Acker“: Wenn Neonazis „gedenken“

Seit Mitte der sechziger Jahre treffen sich alljährlich bis zu 120 junge und alte Nazis aus verschiedenen Spektren in Rheinau-Memprechtshofen. Neben Mitgliedern und Funktionären der NPD seien Nazis aus dem Umfeld der „Freien Kameradschaften“ und – seit der Jahrtausendwende – auch sogenannte „Autonome Nationalisten“ anwesend, heißt es in der Broschüre „MACHT EUCH VOM ACKER“. Am Volkstrauertag führen die Nazis demnach am „Ehrenmal Panzergraben“ ein „Gedenken“ durch.

Die Stadt Rheinau verhalte sich gegenüber den Nazis defensiv und würde deren Veranstaltung am liebsten verschweigen. In den vergangenen 40 Jahren hat sich das Treffen, neben dem Fackelmarsch im Februar in Pforzheim, als größter regelmäßiger Naziaufmarsch in Baden-Württemberg etabliert. Neonazis aus dem gesamten Südwesten und auch aus Frankreich pilgerten bisher jährlich im November ungestört nach Rheinau.

Lesetipp: Trauern als Strategie

Seit mehreren Jahren regt sich dagegen Widerstand. Das Rheinauer Bündnis „Bunt statt Braun“, mit dessen Unterstützung diese Broschüre entstanden ist, kämpft dabei nicht nur gegen den Naziaufmarsch sondern muss sich auch in einem rechtskonservativen ländlichen Sumpf behaupten.

Die Broschüre ist im Rahmen der Kampagne „Macht euch vom Acker“ entstanden, deren Ziel es ist, zusammen mit dem Rheinauer Bündnis „Bunt statt Braun“, dem rechten Treiben ein Ende zu setzten. Sie soll Informationen über die Bedeutung des Gedenkens für die Nazis und den bundesdeutschen Geschichtsrevisionismus liefern sowie Möglichkeiten und Strategien zur Verhinderung des Nazigedenkens eröffnen. Zudem werden in der Broschüre Informationen über die wichtigsten braunen Strippenzieher in der Region geliefert. Sie kann hier kostenlos als pdf gelesen und heruntergeladen werden.

Siehe auch: Neonazis wollen wieder in Halbe marschieren, “Heldengedenken” in Estland, der deutsche Botschafter und eine Einladung, Neonazi-Konzerte und Heldengedenken am 14./15. November