Bad Lauterberg: Wo Neonazis in Stadtbroschüren werben und in Bürgerinis mitmischen

Der Schandfleck von Bad Lauterberg im Südharz hat einen Namen: Er heißt „ Zettel am Zeh“, ist ein schäbiges Tätowierstudio an der Hauptstraße und wird betrieben von einem erklärten Neonazi: Oliver Keudel. Er ist Sänger der Rechtsrockgruppe „Agitator“. Keudel, der sich im Internet dazu bekennt, „ mit Leib und Seele Nazi“ zu sein, dürfte vor Freude in die Hände geklatscht haben, als er die jüngste Werbebroschüre der Stadt Bad Lauterberg auf den Tisch bekam, denn auf Seite 27 findet sich eine Werbeanzeige seines Tatöwierladens.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Ein unglaublicher Vorgang sei das, meint der Bad Lauterberger Pädagoge Martin Struck: „Seit Jahren wehren wir uns gegen diesen Laden und versuchen die Kinder davor zu schützen- und jetzt bekommen sie mit der Broschüre quasi noch eine Empfehlung der Stadt für das Geschäft.“ Rund 5000 Exemplare der Broschüre sind gedruckt worden. Sie soll vor allem Neubürger mit den Institutionen und der Geschäftswelt der 11.500 Einwohner zählenden Stadt vertraut machen. Die Einleitung stammt vom Bürgermeister und schließt mit den Worten „Mit allen guten Wünschen und einem Glück Auf grüßt sie Ihr Bürgermeister Otto Matzenauer“.

Oliver Keudel bei einem Auftritt in Berlin am 21.10.2006, Foto: Otto Belina
Oliver Keudel bei einem Auftritt in Berlin am 21.10.2006, Foto: Otto Belina

Der parteilose Bürgermeister dürfte allerdings nicht allzu glücklich darüber sein, dass die Anzeige für den Neonazi-Laden in der Broschüre steht. Die Verantwortung dafür weist er zurück: Aus rechtlichen Gründen dürfe er keine „Negativ-Liste“ von Unternehmen seiner Stadt anfertigen, sagt der Verwaltungschef. Hergestellt hat die durch Anzeigen finanzierte Werbebroschüre eine Agentur aus der Region Augsburg. Grundlage für das Anzeigengeschäft war offenkundig eine Liste der Gewerbetreibenden, die in Bad Lauterberg erstellt worden war. Und auf dieser Liste fand sich auch der Name des rechten Tätowierstudios. Ein Probeabzug der Broschüre passierte die Verwaltung in Bad Lauterberg offenkundig, ohne dass irgendjemandem die Anzeige des stadtbekannten Tätowierstudios aufgefallen wäre.

Hinter den Kulissen gibt es jetzt Krach in Bad Lauterberg. Vertreter aller demokratischen Fraktionen im Stadtrat kamen zusammen um den Bürgermeister zum Handeln aufzufordern: Der Verwaltungschef möge wenigstens die Verteilung der Broschüre verhindern. Doch Matzenauer fürchtet Schadensersatzansprüche der Inserenten, falls das Werk eingestampft werden sollte. Für den Sprecher der Bad Lauterberger „Arbeitsgemeinschaft Weltoffenheit und Demokratie“, Fritz Vokuhl, ist das ein schlechtes Argument: „Der Schaden für Bad Lauterberg wäre viel größer, wenn eine solche Broschüre tatsächlich in Umlauf kommen würde.“

NPD-Aktivist bei Bürgerinitiative

Bad Lauterberg gilt seit Jahren als Hochburg der Neonaziszene Niedersachsens. Nachdem Medien, darunter der Weserkurier, mehrfach darüber berichtet hatten, gründeten engagierte Bürger im Landkreis Osterode ein breites Bündnis gegen Rechts. Der einzige, der sich über die Anzeige des braunen Geschäfts in der Broschüre amüsiert haben dürfte, ist der Bad Lauterberger NPD-Aktivist Michael Hahn. Er sitzt für die rechtsextreme Partei in der Ratsversammlung und freut sich derzeit darüber, dass eine örtliche Bürgerinitiative namens „Bimo“ keinerlei Anstalten macht, zu ihm auf Distanz zu gehen. Im September trug er bei einer Demonstration Protestschilder der „Bimo“ gegen die Müllgebühren des Landkreises, am Mittwoch saß er einträchtig im Kreise von rund 100 Initiativenmitgliedern bei einer Saalveranstaltung der „Bimo“.

Der Bimo-Vorsitzende Marian Bittner hat keine Probleme damit, dass der braune Abgeordnete dabei ist: “Es würde gegen unser Demokratieverständnis verstoßen, wenn wir ihn ausschließen würden“, sagt der frühere CDU- Kreistagspolitiker Bittner. Für den Präsidenten des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Günter Heiß, ist es eine fragwürdige Position, die „Feinde der Demokratie in Bürgerinitiativen mitmachen zu lassen“.

Siehe auch: Im Harz alles beim Rechten, Linke befürchtet terroristisches Neonazi-Netzwerk in Südniedersachsen, “Deutschlandpolitische Akademie” in Bad Lauterberg,

4 thoughts on “Bad Lauterberg: Wo Neonazis in Stadtbroschüren werben und in Bürgerinis mitmischen

  1. Tja, wer auch partout NICHTS gegen rechts tun will, muss sich ueber solche Fehler auch nicht wundern.
    Im Kleinstadt-Idyll hat man nunmal keine Probleme mit Nazis, sondern nur falschverstandene Toleranz und einen tiefe Abneigung gegen alternative Ideen.
    Als ehemaliger Einwohner dieser Stadt weiss ich nur zu gut, welches Klima des Leugnens und Verdraengens dort herrscht – „Die tun doch keinem was“ ist noch immer der Satz der Stunde.

  2. Nun warum soll es in Bad Lauterberg anders sein als im Rest des Südharzes..wie schon gesagt …..Göttingen ist auch nicht ohne und wird auch immer brauner was ist nur los mit euch von der Antifa.. wir brauchen euch jetzt mehr denn jeh um demokratischen widerstand zu zeigen

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