Anschlag auf Nazi-Kneipe: Täter handelten offenbar aus Rache

Beamte des Staatsschutzes des Landeskriminalamtes der Berliner Polizei haben am Abend des 09. Oktober 2009 im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Berlin Durchsuchungsbeschlüsse für sechs Objekte in Berlin und einen in Königs Wusterhausen vollstreckt. Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen sieben 20 bis 42 Jahre alte deutsche Männer, denen die Begehung eines Brandanschlags auf das Lokal „Zum Henker“ in der Brückenstraße in Niederschöneweide mit anschließendem versuchten Mord zur Last gelegt wird.

Wie berichtet, wurden am 4.Oktober gegen 2.20 Uhr zwei Brandsätze von einem Maskierten auf das überwiegend von Personen der Neonazi-Szene besuchte Lokal geworfen. Anschließend wurden mit dem Flucht-Audi mindestens drei Personen zum Teil schwer verletzt. Ein 28-Jähriger wurde überrollt, erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wird weiterhin intensivmedizinisch betreut. Mindestens einer der Verletzten soll Mitglied der neonazistischen NPD sein.

Die extrem rechte Bewegung, von DVU über NPD bis zu militanten Neonazi-Gruppen verkündeten sofort, es handele sich um „linken Terror“, in den einschlägigen Internet-Foren wurden umgehend Rachefeldzüge geplant. Am Samstag, dem 10. Oktober 2009 wollten zudem rund 500 Neonazis am Alex aufmarschieren, um gegen angebliche linke Gewalt zu demonstrieren. Sie wollten nach eigenen Angaben dabei auch durch Friedrichshain ziehen.

Rache angebliches Motiv

Nach gegenwärtigen Erkenntnissen der Polizei handelten die Tatverdächtigen allerdings aus Rache, da sie am 26. September mit Gästen des Lokals in Streit geraten waren. Ihnen wurde demnach der Zutritt verweigert, sie wurden angegriffen und dabei verletzt. Keiner der Tatverdächtigen handelte aus politischer Motivation. Die Männer sind weder der rechten noch der linken Szene zuzuordnen.

Die Durchsuchungen führten zum Auffinden diverser Beweismittel, die Tatverdächtigen wurden für die speziell für diesen Verfahrenskomplex eingerichtete „Ermittlungsgruppe Joker“ des Polizeilichen Staatsschutzes zur Prüfung der richterlichen Vorführung zum Erlass eines Haftbefehls eingeliefert. Die Vernehmungen dauern an und die Ermittlungen werden „mit Hochdruck“ fortgeführt.

„Wir sind alle Enrico“

Die neuen polizeilichen Erkenntnisse werden in der virtuellen Neonazi-Szene – wie zu erwarten – als Fälschungen, bzw. Propagandaberichte bezeichnet. In den einschlägigen Foren rufen Kommentatoren weiterhin nach „Mord und Totschlag“, andere warnen hingegen:

„Kameraden, ihr macht euch morgen zur Lachnummer der Nation, wenn ihr dann alle um 12.00 Uhr vor’m Fernsehturm steht und nicht wisst was ihr hier nun eigentlich machen sollt.Dass diverse Kameraden da wieder die große Verschwörung riechen spricht mehr von Paranoia, als von sonstwas. Bleibt zuhause, macht Beischlaf, füttert eure Haustiere, grabt den Garten um oder besauft euch am Balkon östlich vom Treptower Park – macht der nationalen Bewegung aber nicht diese Schande. Ihr schlittert auf Eis und seid sehr kurz davor euch so auf die Fresse zu packen wie nie zuvor. Außerdem mißbraucht ihr Enrico’s fatales Stadium.“

Von dem Zustand des Schwerverltzten ist allerdings nur selten die Rede, nur einige Kommentatoren mahnen: „Wir sind alle Enrico.“

Teilweise keine Polizei zwischen Nazis und Gegendemonstranten... on Twitpic
Keine Polizei zwischen Neonazis und Gegendemonstranten

500 bis 1000 Neonazis im AN-Stil unterwegs

In Berlin versammelten sich derweil mehrere Hundert Neonazis, um gegen „linken Terror“ zu demonstrieren. Im Internet wurden Gerüchte verbreitet, wonach 400 Neonazis angeblich am Ostbahnhof 30 Polizisten überrannt haben sollen. Dieses trifft aber nicht zu. Die anwesenden Neonazis am Alex waren fast ausschließlich im Stil der „Autonomen Nationalisten“ gekleidet. Offenbar marschierten sie gegen 13.00 Uhr über die Jannowitzbrücke. Immer wieder kam es zu dezentralen Protest- und Blockadeaktionen. Nach Angaben von Augenzeugen liegt die Teilnehmerzahl der Neonazi-Demonstration bei bis zu 1000. Die Polizei geht von etwa 750 Neonazis aus.

Fast alle Neonazis traten im Stil der Autonomen Nationalisten auf.
Fast alle Neonazis traten im Stil der "Autonomen Nationalisten" auf.

Siehe auch: Leipzig: Neonazis verletzen linken Fußball-Fan schwer, Anschlag auf Szene-Kneipe: Nazis schwören Rache

6 thoughts on “Anschlag auf Nazi-Kneipe: Täter handelten offenbar aus Rache

  1. Die bisherigen Erkenntnisse werden zumindest eine Seite wieder beruhigen. Denn Gegendemonstranten kann man für heute nur viel Erfolg wünschen!

    P.S.: Schöner Bericht! Danke!! :-)

  2. Das wird eine sehr, sehr lange Verteilerliste! :(

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:13:15 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    bverfg@bundesverfassungsgericht.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:09:57 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    poststelle@bmj.bund.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:09:07 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    info@bmj.bund.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:07:56 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    IS3@bmi.bund.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:07:11 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    IS2@bmi.bund.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:06:17 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    bfvinfo@verfassungsschutz.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:05:13 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    info@bka.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Sat, 10 Oct 2009 14:02:47 +0200
    Von: „axel mylius“
    An:
    lkapraev@polizei.berlin.de
    Betreff: Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto: „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ – Beschwerde.

    An das
    Landeskriminalamt Berlin
    lkapraev@polizei.berlin.de

    An das Bundekriminalamt
    info@bka.de

    An das Bundesamt für Verfassungsschutz
    bfvinfo@verfassungsschutz.de

    An das Bundesministerium des Innern/Abtlg. Innere Sicherheit
    IS2@bmi.bund.de
    IS3@bmi.bund.de

    An das Bundesministerium der Justiz
    info@bmj.bund.de
    poststelle@bmj.bund.de

    An das Bundesverfassungsgericht
    bverfg@bundesverfassungsgericht.de

    Unter Weiterleitung

    Axel Mylius
    Schwarzmeerstr. 25/714
    10319 Berlin
    Tel.: (030) 513 87 82
    a.mylius@gmx.net

    Berlin, den 10. Oktober 2009

    Bezug:

    Die wiederholte Gewährung von nationalsozialistischen Aufmärschen zur Ausrufung eines neuen neonazistischen „nationalen Angriffs“ in Deutschland.

    http://www.nw-berlin.net/

    http://www.der-berliner-bote.info/nachrichten/berlin/187-10102009-demonstration-in-berlin

    http://www.berlin.npd.de/index.php?sek=0&pfad_id=12&cmsint_id=1&detail=412

    http://anonymizer.imservices.ru/nph-proxy.cgi/000001A/http/87.230.8.161/demo-berlin/

    http://anonymizer.imservices.ru/nph-proxy.cgi/000001A/http/87.230.8.161/demo-berlin/Aufruf.html

    Der Aufmarsch neonazistischer, gewaltbereiter sowie terroristischer NS-Personenzusammenschlüsse (sog. „Freie Kameradschaften“ etc.) am Samstag den 10. Oktober 2009 in Berlin unter dem Motto:

    „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“

    BESCHWERDE

    ______________________________________

    Wehrte Damen und Herren,

    Es muß erneut energisch darauf verwiesen werden, dass den für die Innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zuständigen Stellen, der Polizei in Berlin, der Kriminalpolizei, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und seinen Landesämtern sowie dem Bundesministerium des Innern/Abtlg. Innere Sicherheit, seit Jahren bekannt ist, dass auch an diesem Samstag erneut nationalsozialistische Aktivisten aufmarschieren werden!

    Den Behörden ist bekannt, dass es sich um bundesweit organisiertes sowie aktionsorientiertes NS-Klientel handelt (u.A. die neonazistische „Initiative für Volksaufklärung e.V.“, dessen Leiter als Anmelder der Demonstration fungierte), das massiv und terroristisch in der Tradition der SA agiert, Bürger bedroht, NSDAP-Schulungen vor Jugendlichen abhält und dafür sog. „nationale Jugendzentren“ einfordert, Netzwerke zum Vertrieb NS-rassistischer und volksverhetzender Tonträger etc. betreibt, antisemitische und Fremdenfeindliche Flugschriften an Berliner Haushalte verteilt und den erneuten Nationalsozialismus auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland nicht nur OFFEN propagiert, sondern dafür von den deutschen Versammlungsbehörden etc. auch noch Propaganda-Plattformen verlangt – und bekommt.

    Ein Brandanschlag auf einen bundesweit bekannten Treffpunkt der Berlin-Brandenburger NS-Hooligan,- NS-„Kameradschafts“- und NS-„Blood & Honour“-Szene in Berlin, wird nun OFFEN – und augenscheinlich unter Billigung durch die Versammlungsbehörden in Berlin – dazu instrumentalisiert, ERNEUT in der Öffentlichkeit und vor Jugendlichen den sog. „Nationalen Angriff“ auszurufen: Dies geschieht unter den Augen jener Behörden, die seit Jahren darüber in Kenntnis sind, dass gerade in Deutschlands Hauptstadt und in ihrem Einzugsgebiet, die aggressivsten NS-Aktivisten in Zellen-Struktur agieren. Allein der Anmelder der Demonstration war über Jahre Mitglied innerhalb der, inzwischen verbotenen, sog. „Kameradschaft Tor“!

    Es werden am heutigen Tage – und dies wissentlich durch die Behörden! – keine Bürger unter dem Motto „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff!“ aufmarschieren, die sich nur halbwegs auf dem Boden des deutschen Grundgesetzes bewegen! – Wiederholt gewährt man es den neuen Nationalsozialisten, für ihre rassistischen, antisemitischen, „nordisch-völkischen“, Fremdenfeindlichen, und in der Tradition des Nationalsozialismus, des „Dritten Reiches“ und speziell der SA stehenden, Zielstellungen aufzumarschieren.

    Da den zuständigen Stellen die Anmelder des Aufmarsches bekannt sind, und diese DENNOCH (nebst NS-Klientel) wieder durch die deutsche Hauptstadt ziehen und, wie 1932, den „Nationalen Angriff“ heraus gröhlen können, MUß ich mich erneut beschweren!

    Ich muß daher noch einmal energisch betonen, dass es in unserem Land gesetzliche Sperrmechanismen gibt, um gerade DAS zu verhindern, was nun offensichtlich nach über 65 Jahren wieder zum deutschen „Alltag“ geworden ist: Der ständige Aufmarsch von Nationalsozialisten, die u.A. OFFEN unter dem Vokabular der Nazis und vor der Bevölkerung der Hauptstadt unseres Landes zum „nationalen Angriff“ aufrufen. – Und dieser „nationale Angriff“ erfolgt bereits TÄGLICH in unserem Land: Es vergeht buchstäblich KEIN TAG, an dem nicht bundesweit Menschen von Neonazis angegriffen werden … gezielt nach Hautfarbe, Sprache, Herkunft, sexueller Orientierung, politischer Ausrichtung, Beruf, Engagement, sozialer Stellung usw.usf.

    Andauernde Unterstützungen derartiger Aufmärsche durch ihr Nichtverbot, kann ich angesichts des aggressiv-kämpferischen und terroristischen NS-Postulats nur noch erneut als HOCHVERRÄTERISCH und VERFASSUNGSWIDRIG bezeichnen, dies um so mehr, da den zuständigen Behörden bekannt ist, WER aufmarschiert, welche NS-Netzwerke agieren (unter Beteiligung der NPD) und welche NS-Zielstellungen zur erneuten „völkischen Säuberung“ des Landes – in „bester“ NSDAP-Tradition – vorliegen!

    Mylius

    __________________________

  3. hoffentlich berichtet die breite presse auch mal endlich über das achwarze autonomenoutfit der nazis, die ja nach aussen für otto normalo auch wie die „bösen“ linken autonomen aussehen und aussehen WOLLEN. die wahl ist ja nun vorbei, vlt. gehts jetzt wieder mit mehr „realen“und glaubwürdigeren berichterstattungen weiter und mit ein wenig mehr unterstutzung der linken und weniger verteufelung…

  4. Volksgenosse, wir kommen! 😉

    Die Ausrichter des NS-Aufmarsch am Samstag in Berlin:

    (…)

    „Die soziale Frage ist materiell allein nicht lösbar. In einem Volk, dass derart tiefgründig ist, wie das deutsche Volk, bedarf es einer völlig neuen, dass gesamte Leben des Volkes durchziehende Wertegrundlage. Unsere Gesellschaftsordnung heißt Volksgemeinschaft! In der Leistung die der Einzelne für die Gemeinschaft erbringt, erhöht sich auch der eigene Wohlstand. Nutznießer einer jeder erbrachten Leistung ist das Volk und durch das Volk jeder einzelne Volksgenosse. Diese Ausgangsbasis ist die Grundlage des deutschen Sozialismus. Im Gegensatz aber zum rotem Sozialismus setzen wir statt des völkervernichtenden, leistungshemmenden gleichmacherischen Element, die Leistungskraft und die gestalterische Fähigkeit des Einzelnen sowie die Volksgemeinschaft als Träger und Empfänger dieser Leistung.“ (…)

    http://www.der-berliner-bote.info/ueber-uns

    … DAS kommt mir doch aber bekannt vor! :(

    Und erst diese Umfrage! – Da wird die Wahl ja wohl eng:

    (…)
    Umfrage

    Welche Strafe sollte Kinderschändern ausgesprochen werden?
    Die Todesstrafe!
    Folter jeglicher Art!
    Freiheitsstrafe nach jetzigem Strafmaß!
    lebenslängliche Freiheitsstrafe!
    Rehabilitierung

    (…)

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