Faßberg: NPD-Funktionär Rieger kann auf Versteigerung hoffen

Die Meldung hat bei manchem in der Gemeinde Faßberg in der niedersächsischen Südheide für Alarmstimmung gesorgt: Überraschend hat das Oberlandesgericht in Celle für den 16. Dezember einen öffentlichen Versteigungstermin für das marode Hotel namens „Landhaus Gerhus“ am Rande der 7000- Seelen- Gemeinde angesetzt. Der überraschend frühe Termin setzt die finanziell klamme Gemeinde bei ihren Bemühungen zusätzlich unter Druck, ein rechtsextremes Zentrum zu verhindern.

Von Stefan Schölermann NDRInfo

Seit rund zwei Jahren kämpft Faßberg gegen entsprechende Pläne des vermögenden Neonazis Jürgen Rieger aus Hamburg. Der hatte angekündigt in dem 80-Betten–Haus ein braunes Schulungszentrum einrichten zu wollen. Die öffentliche Versteigerung könnte Rieger in die Lage versetzen, das Haus legal zu erwerben. Der Faßberger Gemeinderat kam deshalb am Dienstagabend zu einer Sondersitzung zusammen.

NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)
NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)

Das stillgelegte Hotel steht zur Zeit unter Zwangsverwaltung der Volksbank Südheide. Mit der Zwangsverwaltung will die Volksbank ihre Forderungen gegen die Eigentümerfamilie des Hotels absichern. Die Eigentümer hatten mehrfach die Absicht bekundet, das Hotel an den braunen Rechtsanwalt aus Hamburg verkaufen zu wollen. Mit ihnen schloss Rieger einen Pachtvertrag über das Gelände ab, über dessen Gültigkeit vor Gericht gestritten wird .

Im Sommer nahmen Neonazis aus der Region das Areal widerrechtlich in Beschlag. Nach einer Gerichtsentscheidung mussten sie das Gelände unter Polizeiaufsicht wieder räumen. Die Beamten hatten zuvor das Haus nach Waffen durchsucht, nachdem Anwohner mehrfach Schüsse auf dem Gelände gehört hatten.

Breites Bündnis gegen Neonazis

Der rund zwei Jahre dauernde Abwehrkampf gegen das braune Begegnungszentrum hatte die Gemeinde unfreiwillig bundesweit bekannt gemacht. In der Region hat sich mittlerweile ein breites Bündnis gegen die Pläne des Neoanzis aus Hamburg gebildet. In den Sommermonaten protestierten wochenlang mehrere Hundert Menschen regelmäßig gegen die rechtsextremen Umtriebe in ihrer Region. Dieser Widerstand dauert bis heute an und wird auch von allen Fraktionen in der Faßberger Ratsversammlung unterstützt. Faßbergs parteiloser Bürgermeister Hans- Werner Schlitte zeigte sich am Dienstagabend zuversichtlich, ein Neonazi-Zentrum verhindern zu können. Experten sehen jetzt allerdings erhebliche juristische Risiken auf die Kommune zukommen.

Der Hamburger Neonazi Jürgen Rieger gilt bei Sicherheitsbehörden als fanatischer Rassist. Er ist in Hamburg Landesvorsitzender der NPD und zugleich deren stellvertretender Bundesvorsitzender. Mit ihm hatte man in der Region bereits vor rund 20 Jahren unliebsame Erfahrungen gemacht. Im nahen Hetendorf gründete Rieger ein braunes Zentrum, das mehr als zehn Jahre bundesweiter Anlaufpunkt seiner Gesinnungsfreunde war.

Zugleich äußern Sicherheitsexperten aber auch Zweifel an der politischen Zurechnungsfähigkeit des Neonazis aus Hamburg-Blankense. Zur Begründung verweisen sie auf Riegers Verbindung zu germanisch orientierten Heilslehren und der von ihm betriebenen Sekte namens „Artgemeinschaft“. „Rieger würde am liebsten um den Metkessel tanzen und aus dem Methorn trinken“, heißt es in Sicherheitskreisen. Dennoch wird vor einer Verharmlosung des Rechtsextremisten gewarnt. Er gelte als wichtiges und zumindest finanziell potentes Bindeglied verschiedener rechtsextremer Zirkel, heißt es von Verfassungsschützern.

Siehe auch: Neonazi-Hotel kann geräumt werden / Razzia nach erneutem Schuss, Braunes Schulungszentrum in Faßberg: Etappensieg für NPD-Vize Rieger, Neonazis wollen JN in Niedersachsen reaktivieren, Neonazi-Schulungszentrum: Faßberg will Landhaus erwerben, Faßberg: Einsatz im Immobilienpoker wird erhöht, “Als Haus wärst du `ne Hütte”: Neonazis bieten, Gemeinden zahlen, Über die Anziehungskraft von Bruchbuden auf Neonazis

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