„Kampf um die Straße“: Attacken statt Aufmärsche in Gräfenberg?

Organisierte Neonazis haben ihre monatlichen Aufmärsche in Gräfenberg unter dem Motto „Denkmäler sind für alle da“ aufgegeben. Wie das Bürgerforum Gräfenberg mitteilt, setzten die Neonazis einen Schlusspunkt, weil ihre Mobilisierungsprobleme für die letztlich erfolglosen Aufmärsche zuletzt unübersehbar waren und Gräfenberg nach 43 fast identischen Kundgebungen den Nazi-Verantwortlichen und Mitläufern einfach nicht mehr den „Kick“ gegeben habe. „Die Brandstifter haben keine Biedermänner in Gräfenberg vorgefunden, sondern ein reges Bürgerengagement, das nicht müde wurde, die Ungeheuerlichkeit und Nichthinnehmbarkeit dieser Aufmärsche zu skandalisieren und andere Gemeinden zu ermutigen, nicht mehr wegzusehen, sondern sich kreativ zur Wehr zu setzen“, bilanziert das Forum.

(Quelle: Mut gegen rechte Gewalt)
(Quelle: Mut gegen rechte Gewalt)

Letztendlich hätten sich die Neonazis mit ihrem unentwegten Terror selbst geschadet und diese Einsicht sickerte langsam, aber sicher auch in die Köpfe der Verursacher – dafür gebe es eine Reihe von Hinweisen, heißt es weiter. Nach innen hin, zu den eigenen Parteigängern, hätten die Neonazis andere Gründe vorgeschoben für die Veränderung der Strategie: Ein Brief von Angehörigen der als Helden gefeierten Soldaten, die auf dem Kriegerdenkmal verzeichnet sind, habe sie bewogen mit den Aufmärschen aufzuhören. Dies sei aber nur vorgeschoben, vernutet das Bürgerforum.

Die Nachricht von dem Ende der Aufmärsche sei allerdings „mittelschlecht“, weil die Nazis im Rahmen ihrer Kundgebung am letzten Samstag deutlich gemacht hätten, dass sie ihre Strategie verändern werden und das Denkmal keine Rolle mehr spielen solle, sondern der Angriff auf Personen. „In ziemlich eindeutiger Weise haben Fischer, Kempken und Schmaus dargestellt, dass sie sich die „Herrschaften des Bürgerforums“ „vorknöpfen“ wollen und haben überraschende Aktionen u.a. in Weißenohe angekündigt.“ Jetzt solle es gegen die Demokratie und gegen die Demokraten des Bürgerforums und gegen den Bürgermeister Werner Wolf gehen, gegen – wie es auf ihrer neuesten Homepage-Eintragung heißt – „billige Stricher und Dirnen der herrschenden Klasse“, die in einem Atemzug aber kurioserweise auch als „Linksextremisten“, „Gutmenschen“ und Sklaven der „Multikulti-Idee“ tituliert werden.

Einige Aktive aus dem Bürgerforum haben aufgrund der massiven und personifizierten Stoßrichtung der Drohungen Strafanzeige gestellt und die Staatsanwaltschaft prüft, ob hier nicht ohnehin ein Offizialdelikt vorliegt. Die Reden der Nazis sind von der Polizei aufgezeichnet worden, die Schmähpamphlete sind veröffentlicht.

Siehe auch: Neonazis wollen fünf Stunden lang durch Gräfenberg marschieren, Kult um Kriegsverbrecher Heß: Neonazis Bordin und Fischer zu Geldstrafen verurteilt, Neonazis marschieren erneut in Gräfenberg auf, Bayern: JN-Landeschef Fischer aus der NPD ausgetreten, Neonazis machen Rückzieher: Kein Aufmarsch in Gräfenberg am 08. Mai, Gräfenberg: 260 Pfarrer solidarisch mit Bürgerforum / Neonazi-Aufmarsch am 08. Mai, Anerkanntes Recherche-Projekt wird zum VS-Objekt

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