„Autonome Nationalisten“ werden die Skinheads ablösen

Der Aussteiger Frank Försterling im Gespräch mit NPD-BLOG.INFO über die Rolle der „Autonomen Nationalisten“, die NPD in Hamburg, Frauen in der extrem Rechten sowie Neonazis, die sich bei ihren Aufmärschen auf die Polizei verlassen.

Du warst mehr als fünf Jahre in der Neonazi-Szene aktiv. Warum bist Du ausgestiegen? 

Aussteiger Frank Försterling (Foto: privat)
Aussteiger Frank Försterling (Foto: privat)

Es ist nach und nach gekommen. Ich konnte mich ziemlich früh für linksnationale Ideen begeistern, was in Hamburg noch toleriert wurde. Im Frühjahr 2008 bin ich in den Ruhrpott gezogen. Da hatte ich mit Holger H. zu tun, bei dem habe ich gewohnt. Der wurde rausgeschmissen, hat sich dann nach und nach Kopfmäßig von der Szene weg orientiert. Das ging bei mir ähnlich, dass ich mit der Szene und dem Schwachsinn nichts mehr zu tun haben wollte. 

Warum konntest Du Dir das in Hamburg rausnehmen? 

Ich hatte in Hamburg einen guten Ruf und konnte daher ein Stück weit mein eigenes Ding machen. Man konnte es sich erarbeiten. 

Warum hattest Du einen guten Ruf?

Ich glaube, man konnte sich auf mich verlassen, ich habe mich wohl nicht so aufgespielt, eher understatement.

Welche Rolle spielten Hierarchien und die autoritäre Ausrichtung der extrem rechten Ideologie?

Das war ja immer die Frage, inwieweit man sich daran hält. 

„Autonome Nationalisten passt nicht“ 

Neonazis klauen unverschämt viel bei anderen Subkulturen oder politischen Strömungen. Wirkt sich das nicht auf die Leute aus, die dann plötzlich wie Autonome rumlaufen?

Es wird zwar viel bei links geklaut, aber das ist in 99 Prozent nur das Äußere: Das Auftreten und die Parolen. Für die meisten Leute ist das nur eine Frage des Auftretens. Für die ist es vollkommen egal, wie sie auftreten. Das was sie verbreiten, das zählt. „Autonome Nationalisten“ passt auch nicht als Name, weil es kein selbst verwaltetes Denken gibt, da gibt es auch Hierarchien, auch in den Schwarzen Blöcken.

Aber gibt es nicht auch Leute, wie beispielsweise Holger H., die Inhalte oder Ideen übernehmen, die nicht mit der extrem rechten Ideologie kompatibel sind?

Das sind nur wenige. Und die werden ausgesondert. Das war in Dortmund eben Holger H., der gesagt hat: „Nein, wir haben keine Lust, Ordner zu haben, das bekommen wir auch alleine hin.“ Und der wurde herausgeekelt.

 Welche Rolle werden die „Autonomen Nationalisten“ (AN) in den kommenden Jahren aus deiner Sicht spielen? Ist das nur eine Mode, die schnell wieder verschwindet?

Frank Försterling auf einer Neonazi-Kundgebung im Juli 2005 (Quelle: Antifainfo)
Frank Försterling auf einer Neonazi-Kundgebung im Juli 2005 (Quelle: Antifainfo)

Die AN und die NS-Hardcore-Geschichte werden nach und nach die Skinheads ablösen. Das, was die Skinheads in den 1980iger waren, sind heute die AN. Anfangs hatten sie einen Ruf zwischen elitärem Haufen und Spinner. Aber wenn ich mir die 1. Mai Demo 2008 in Hamburg anschaue, als die Hälfte der Leute mit schwarzen Kapuzenpullover und Käppi rumliefen – das ist schon eine ziemliche Wandlung.

Aber inwieweit ist das auch eine Mode?

Es gibt nur wenige, die wirklich etwas auf Demos reißen. Da waren am 01. Mai 2008 in Hamburg welche, die Leuchtkugeln in ihrem Anus mit auf die Demo geschmuggelt haben. Das haben die wirklich gemacht, ich hab das mitbekommen. Das sind die, die Chamäleonartig auftreten. Und dann gibt es die Fraktion, die das cool findet und sich dann T-Shirts anzieht auf denen AN steht.

Wie schätzt Du den Umgang der NPD mit den AN ein?

Die NPD-Führung weiß: Das ist ein Faktor, den man einkalkulieren muss. Würde die NPD sagen, wir wollen nichts mehr mit den AN zu tun haben, würde ein großer Teil der Leute wegfallen, die deren Aufkleber verkleben, die auf Demos gehen, die Flugblätter verteilen. Die wirklich als Mannstärke oder Personal zur Verfügung stehen, die fallen weg. Teile der NPD sehen nicht ein, dass sie nur eine legale Plattform für diese Szene. Sie wollen mit Wahlen was gewinnen, was sie niemals schaffen werden.

Eng verbunden: NPD und „Freie Kameradschaften“

Warum warst Du in der NPD?

Um Anja Zysk als Landesvorsitzende zu unterstützen. Anfang 2008 bin ich wieder ausgetreten. Da habe ich auch einen bitterbösen Brief bekommen, obwohl ich den Austritt begründet habe.

Wer macht die Arbeit im NPD-Landesvorstand?

Jürgen Rieger macht organisatorisch gar nichts, steht nur als Galionsfigur zur Verfügung. Sonst findet das Ganze in Bramfeld statt, bei Jan-Steffen Holthusen. Er ist der große Zampano. Der hat in der NPD und in parteiungebundenen Kräften fette Reputation. Seine Kumpels von früher unterstützen ihn, beispielsweise Torben Klebe. Bei Holthusen läuft alles zusammen.

Wie ist die ideologische Ausrichtung der NPD in Hamburg?

Das ist ein ganz klar nationalsozialistisches Weltbild, das nicht nach außen getragen wird.

Inwieweit gilt das für die gesamte NPD?

Sehr weit, das machen die meisten, das ist bezeichnend für die NPD.

Zuletzt wurde des Öfteren über Frauen in der extrem rechten Bewegung berichtet. Was ist mit den Frauen? Gibt es Frauenorganisationen in Hamburg?

Försterling hinter einem Transparent des "Kampfbunds Deutscher Sozialisten" (Quelle: Antifainfo)
Försterling hinter einem Transparent des "Kampfbund Deutscher Sozialisten" (Quelle: Antifainfo)

Eine Organisation gibt es nur auf dem Papier. Aktive Frauen gibt es drei Stück, davon ist Inge Nottelmann die einzig wichtige. Inge Nottelmann ist die Frau von Tobias Thiessen. Da findet nicht die klassische Rollenverteilung statt. Sie kann quatschen, sie kann sich auf Zusammentreffen argumentativ gegen andere durchsetzen. Sie hat Kontakte quer durch Deutschland. Die beiden sind richtige Fädenzieher.

Die NPD demonstriert in Hamburg für ein Verbot des Schanzenfestes. Verlässt sich die Szene bei Aufmärschen auf die Polizei?

Der Polizeischutz ist teilweise absolut Kalkül. Wenn ich mir Aufmärsche von Christian Worch angucke, wo 20 bis 30 Leute kommen, dann rechnet der damit. Ich habe es sogar zwei Mal erlebt, dass uns der HVV abtransportierte. Einmal bei einem  Konzert auf dem Kiez, einmal am 01. Mai 2008.

Welche Rolle spielt Christian Worch noch?

Der kocht sein eigenes Süppchen und unterstützt immer mal wieder jemand anderes.

Verspielt er sich damit Ansehen?

Ja.

Danke für das Gespräch.

Siehe auch: Ein Neonazi steigt aus: “Ich will, dass es allen Menschen gut geht”

14 thoughts on “„Autonome Nationalisten“ werden die Skinheads ablösen

  1. Moinsen,

    ich selber war lange Zeit mit Frank unterwegs und kann vieles was er sagt nachvollziehen. In Hamburg is wirklich einiges anders als z.B.: im Süden der Republik.

    Wenn ich Kommentare wie die von Andrea lese die wahrscheinlich ein Andre ist wird mir ehrlich gesacht ganz warm ums Herz und ich muss schmunzeln denn die meisten Frauen in HH waren echt Intelligenzmäßig nicht wirklich auf der Höhe der Zeit. So war es nun mal in Krakania-Ciddy.

    Was mir persönlich aber bei Frank aufstößt ist irgendwie das er scheinbar alte Rechnungen auf diese Art und Weise begleichen will.

    Mal ganz ehrlich Frank warum spielst du der AFA so in die Hände hätte es nicht still gehen können?

  2. „…und ich muss schmunzeln denn die meisten Frauen in HH waren echt Intelligenzmäßig nicht wirklich auf der Höhe der Zeit.“

    Von unten aus betrachtet ist es vielleicht wirklich schwer die Intelligenz anderer Menschen zu bewerten 😉

    mfg
    Intelligenz_homie

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