NPD-Berlin: Gequälter Rest-Vorstand

Eine Woche vor der Bundestagswahl steht der Berliner Verband der NPD vor einem Fiasko. Eine Reihe von Funktionären und Mandatsträgern ist aus der Partei ausgetreten. Ein Landesparteitag im Herbst soll den Scherbenhaufen aufkehren, den viele Berliner Rechtsextremisten dem Landesvorsitzenden Jörg Hähnel anlasten.

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Nazi-Barde und NPD-Funktionär Jörg Hähnel sorgt offenbar für Dissonanzen in der Bewegung (Foto: Marek Peters, Dresden 2008)
Nazi-Barde und NPD-Funktionär Jörg Hähnel sorgt offenbar für Dissonanzen in der Bewegung (Foto: Marek Peters, Dresden 2008)

Erst im Juni letzten Jahres war Hähnel zum Berliner NPD-Landesvorsitzenden gewählt worden, doch in diesem einen Hähnel-Jahr musste die Partei in der Hauptstadt eine Reihe von Rückschlägen einstecken. Nach und nach traten die beiden stellvertretenden Landesvorsitzenden Hans Joachim Henry und Stefan Bathke aus der Partei aus. Der Schatzmeister Igor A. Moda trat von seinem Amt zurück. Beim Austritt von Henry verließen Ende Februar gleich zwei Dutzend Parteimitglieder die NPD, darunter auch die damalige Kreisvorsitzende in Marzahn-Hellersdorf, Gesine Hennrich.

Nun hat offenbar ein weiterer Funktionär das Handtuch in der Hähnel-NPD geworfen. Mit Thomas Vierk verließ ein weiterer Beisitzer des NPD-Landesvorstandes und zudem einer der beiden NPD-Abgeordneten in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Neukölln die Partei, wie eine Webseite der NPD-Abtrünnigen vermeldet.

Demnach heißt es in einem Hähnel-Rundschreiben: „Für mich als Landesvorsitzenden ist es bitter zu sehen, wie der Verband der Hauptstadt sich in den letzten 10 Jahren hinsichtlich der Pesonaldecke verschlechtert hat“. Durch die Austritte sei „die Arbeit in den letzten Monaten für den verbliebenen Restlandesvorstand – Sebastian Thom, Michaela Zanker und Jörg Hähnel – zur Qual“ geworden. Unterstützung habe die gequälte Rest-Truppe bei der Ehefrau des Landesvorsitzenden Stella Hähnel sowie bei Björn Wild gefunden, dem früheren Anführer der verbotenen „Kameradschaft Tor“ und jetzigem Landesvorsitzenden der Parteijugend „Junge Nationaldemokraten“ (JN). Darüber hinaus seien mit Katharina v.d.W. und „Ruth“ zwei NPD-Frauen in den Vorstand berufen worden. Im Oktober oder November soll ein Landesparteitag den geschrumpften Landesverband wieder in ruhigere Gewässer lenken.

Der jüngst ausgetretene Thomas Vierk kandidiert auf Platz fünf der NPD-Landesliste für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag. Da bei dieser Wahl die NPD keinerlei Aussicht auf einen Erfolg hat, wird sie auch nicht in die Verlegenheit kommen, von einem Ex-Mitglied als Bundestagsabgeordnetem repräsentiert zu werden.

Mit dem früheren stellvertretenden Landesvorsitzenden Henry waren im Frühjahr einige der NPD-Abtrünnigen in die DVU eingetreten. Doch auch dort sind innerparteiliches Hauen und Stechen gut bekannt. Geführt wird der Berliner DVU-Landesverband von Torsten Meyer, der als Bezirks-Abgeordneter in Lichtenberg der dortigen NPD-Fraktion angehört. Diese Fraktion besteht ansonsten aus Jörg Hähnel und Manuela Tönhardt, die wie ihr Ehemann Dietmar Tönhardt früher der DVU angehörte. Dietmar Tönhardt hatte den DVU-Landesverband früher sogar als Landesvorsitzender geleitet.

Kritiker werfen Torsten Meyer seit geraumer Zeit eine zu große Nähe zur NPD vor. Allerdings ist auch in der Berliner DVU, die sich angesichts der Beitritte im Frühjahr schon als kommende Rechtsaußen-Kraft in der Hauptstadt wähnte, Ernüchterung eingekehrt. Der schillernde Wanderer zwischen den rechtsextremen Parteien Detlef Nolde ist nach seiner Werbung für einen islamistischen Aufmarsch und nachfolgender Kritik seitens des DVU-Bundesvorstandes nach nur wenigen Monaten wieder aus der DVU ausgetreten.

Siehe auch: Dubiose Anklage gegen Nazigegnerin, NPD-Wahlkampf: Größenwahn und rassistische Hetze, Berliner NPD-Chef Hähnel erneut zu Geldstrafe verurteilt, Berlin: Hohe Fluktuation bei NPD und deutlich mehr rassistische Gewalttaten, Antifa-Gruppe: “Hähnel hat nie in Berlin gewohnt”, VS-Berlin: NPD verliert durch Machtkampf deutlich an Schlagkraft, Poppenkontakte & Huren24 – Erpressung bei der NPD?, Berlin: rassistische Gewalt stieg 2008 um 40%, Keine V-Leute bei NPD-Spitzen in Berlin und weiteren Bundesländern, “Deutsch Stolz Treue” – Prozess gegen Neonazi-Band wird fortgesetzt, Etwa 35 Neonazis bei antisemitischer NPD-”Mahnwache”

10 thoughts on “NPD-Berlin: Gequälter Rest-Vorstand

  1. „Eine Reihe von Funktionären und Mandatsträgern ist aus der Partei ausgetreten“ Dann sind wenigstens die Nazis vom Verfassungsschutz raus, weil sie meinen, jetzt könnte man so richtig zuschlagen durch zufälligen Massenaustritt. Niemand wird sie vermissen. Die NPD will keine Nazis vom Verfassungsschutz sondern undogmatische Linksnational orientierte Demokraten a la Chavez und Castro. Und das stinkt der Antifa zum Himmel…

  2. @haram:

    Sicher können Sie dann auch erklären, warum die „undogmatisch linksnationale“ NPD mit Wehrmachts- und Rudolf-Hess-Plakaten rumrennt? Waren die auch „undogmatisch linksnational“?

  3. [quote]Sicher können Sie dann auch erklären, warum die “undogmatisch linksnationale” NPD mit Wehrmachts- und Rudolf-Hess-Plakaten rumrennt? Waren die auch “undogmatisch linksnational”? [/quote] Und genau das meine ich, @Betrachter, warum die NPD sich sämtlicher Nazis aus den BRD-Spitzelbehörden mal entledigen soll.

    Deutschland: Deine Vorbilder sind Bankmanager, die die Wirtschaft an den Rand des Abgrunds führen und trotzdem noch Millionen an Gehaltszahlungen einklagen
    http://www.zeit.de/online/2009/11/hre-funke-klagt-millionengehalt
    und libanesische Großfamilien, die nichts können und tun als Drogen und Waffen verschieben, nach eigenen Gesetzen des Stärekeren leben und in Berlin Millionen an Transferleistungen abgreifen.
    http://www.welt.de/print-welt/article170176/Zwei_Haftbefehle_nach_Einsatz_gegen_eine_Grossfamilie.html

    Aber dass der Gürtel für die nächsten Jahre massiv enger geschnallt wird, haben Politiker von CDU und SPD gleichermaßen bekanntgegeben. Vermutlich wird Hartz4 für die Deutschen nach den Wahlen stark gekürzt, damit die Alimentierung der muslimischen Zuwanderer und der Bankmanager noch weiter erhöht werden kann – dient ja schließlich der Integration.

    Ich schäme mich für dieses Land.

  4. @Haram:

    „warum die NPD sich sämtlicher Nazis aus den BRD-Spitzelbehörden mal entledigen soll.“

    Achso, die Nazis werden also alle vom System geschickt? Voigt, Rieger, Pastörs, Wulff, Gansel, die Glatzenhorden auf den NPD-Veranstaltungen, alles V-Männer? Hm.
    Wer oder was bleibt denn noch von der NPD übrig wenn man die Nazis abzieht?^^

  5. Harams Argumentation ist typisch für Nazis: Da werden Dinge zusammengerührt, die nichts miteinander zu tun haben und so ergeben sich deren „Argumente“. Sozialkürzungen und muslimische Zuwanderer, Bankmanager und Ausländerkriminalität, Hartz IV und arme Deutsche als „Opfer“ böser Abzocker. Er hat leider noch vergessen, dass die Juden an allem Schuld sind. Und einzig die NPD weiß die Lösung für alles: Voigt beantragt mehr Toiletten in Berlin.

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