FPÖ-Chef Straches Twitter-Netzwerk: JN, NPD und militante Neonazis

Heinz-Christian Strache ist Bundesparteiobmann und Klubobmann der FPÖ im österreichischen Nationalrat sowie Landesparteiobmann in Wien. Er selbst nennt sich HC Strache, seine Verbindungen ins extrem rechte Milieu sorgten bereits mehrfach für Schlagzeilen. Kein Wunder, wenn man sich beispielsweise Straches Netzwerk bei Twitter anschaut. Dieses reicht weit in das militante Neonazi-Lager hinein.

Der FPÖ-Chef Strache (Foto: Facebook)
Der FPÖ-Chef Strache (Foto: Facebook)

So folgt der FPÖ-Chef, dessen Partei am Sonntag bei der Landtagswahl in Vorarlberg 25,2 Prozent der Stimmen gewann, bei Twitter beispielsweise dem „Ministerium für Veranstaltung und Organisation“, bei dem sich „die Bewegung“, womit der „Nationale Widerstand“ gemeint sein dürfte, alles für ihre Konzerte und Aufmärsche leihen kann. Das V-Ministerium wiederum folgt unter anderem der „Arischen Prinzessin“, die ihren Twitter-Account mit einem Hakenkreuz schmückt.

Kanal88 und Neonazi-Parteien

Auch die Verlautbarungen von „RockNord“ hat Strache abonniert. Hierbei handelt es sich um ein einflussreiches extrem rechtes Musikfanzine. Unter dem Namen RockNord fungieren neben der Zeitschrift u.a. ein Musiklabel und ein Versandhandel. Bei Wikipedia heißt es: Bei den CD-Besprechungen handelt es sich um Reviews von Rechtsrock-Bands wie 08/15, Division Viking T.H.O.R.. United Blood, Sturmwehr oder Spirit of 88, jedoch finden sich auch Besprechungen zu Veröffentlichungen von unpolitischen Bands. Eindeutig neonazistische Inhalte finden sich z.B. in Form eines Fernsehprogrammes („Kanal 88“, „Kabel 33“, „Nord 14), wo ohne große Hemmungen Bands wie Zillertaler Türkenjäger („Live im Studio: Die Zillertaler TJ“) oder Landser („Historienmagazin. Opa war Sturmführer bei der SS.“) genannt werden.

Auch diverse NPD-Kreisverbände sowie die Twitter-Nachrichten der NPD-Bundespartei gehören zu Straches bevorzugten Quellen. Zudem hat er die Propaganda der neonazistischen „Jungen Nationaldemokraten“ abonniert. So dürfte ihm auch nicht entgangen sein, dass ein JNler zurzeit wegen der angeblichen Planung von Bombenanschlägen in Untersuchungshaft sitzt und die Polizei weitere Wohnungen von Neonazis aus Südbaden in diesem Zusammenhang durchsuchte.

„Nationale Sozialisten Hoyerswerda“

Straches Netzwerk reicht aber auch in die parteiunabhängige militante Neonazi-Szene. So verfolgt er die Nachrichten der „Nationalen Sozialisten Hoyerswerda“, die auf ihrer Seite freimütig bekennen: „Wie sind keine Demokraten – na und?“ Die Neonazis berichten stolz über eine Bombendrohung gegen ein Kino in Hoyerswerda, in dem der Film „Inglorious Bastards“ [sic] gezeigt werden sollte. Der Film wurde nach der anonymen Drohung aus dem Programm genommen.

Selbst die Seite der militanten Neonazis von Widerstand.info gehört zu Straches Twitter-Netzwerk. Auch der Münchner Neonazi Philipp Hasselbach zählt zu seinen Favoriten. Hasselbach ist Anführer der „Freien Nationalisten München“, posierte schon mal mit Hitler-Gruß vor einer Hakenkreuz-Fahne und wurde jüngst wegen eines Angriffs auf einen Fotografen verurteilt.

Schulz: Strache ist ein Nazi

Strache verwehrt sich laut Medienberichten dagegen, ins „rechtsextreme Eck“ gestellt zu werden. Sein Twitter-Netzwerk fügt sich allerdings nahtlos in sonstige Hinweise auf Straches stramme extrem rechte Gesinnung. Im Jahr 2007 tauchten Bilder von Strache mit ausgewiesenen Neonazis in Kampfmontur im Gelände auf, Strache stand dabei „in vollem Wichs beim Zeigen des „Kühnen-Grußes“ mit drei gereckten Fingern, der in Deutschland als Nazizeichen verboten ist“, so die Süddeutsche Zeitung. Alles sei harmlos, so Strache laut SZ : „Ich war nie ein Neonazi und werde nie ein Neonazi sein“. Er sei „jung und suchend“ gewesen, aber heute ein untadeliger Demokrat.

Das reicht in Österreich, um auch die Sozialdemokraten zu besänftigen, die FPÖ hat mit Nazis ohnehin wenig Probleme, wie es scheint. Er werde niemandem irgendwelche „Jugendtorheiten“ ein Leben lang nachtragen, erklärte der damalige Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) zu den Bildern. Der Politologe Anton Pelinka hält die Einschätzung, Strache sei „rechtspopulistisch“ allerdings für „eine böse Verharmlosung“, die an einer korrekten Klassifizierung vorbeigehe. Er bezeichnet Strache als Rechtsextremisten. Und der sozialdemokratische Europapolitiker Martin Schulz sprach auch in dieser Sache Klartext: Für ihn, so Schulz im ZDF, sei Strache ein Nazi.

Noch ein Nachtrag in Sachen FPÖ: Vor der Wahl im Bundesland Vorarlberg sorgte der dortige FPÖ-Landeschef mit antisemitischen Äußerungen für – begrenztes – Aufsehen. Strache stellte sich hinter den Landeschef. Der Kurier schrieb dazu:

Im EU-Wahlkampf warnte die FPÖ vor einem EU-Beitritt Israels – obwohl dieser weder in Wien noch in Brüssel oder Jerusalem Thema ist. Im Frühjahr hatte der umstrittene Dritte Nationalratspräsident Martin Graf den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, als „Ziehvater des antifaschistischen Linksterrorismus“ bezeichnet. Und nachdem Mitarbeiter der jungen Tiroler FPÖ Israel als „zur Atommacht herangewachsene, aggressive Siedlerkolonie“ betrachten und selbst FPÖ-Parlamentarier wie Lutz Weinzinger vor dem Einfluss der „amerikanischen Ostküste“ warnen, stellt sich die Frage: Ist das alles Zufall? Oder versucht die FPÖ, mit antisemitischen Ressentiments Stimmen zu machen? Und wenn ja: Kann sie damit erfolgreich sein? „Im Vergleich zum Ausländer-Thema kann die FPÖ mit antisemitischen Ressentiments weit weniger Wähler direkt ansprechen. Dazu ist die Zahl der manifest antisemitischen Wähler zu gering“, erklärt Wahlkampf-Experte Peter Filzmaier. Was ist dann das Ziel? „In diesem Fall“, sagt Filzmaier, „geht es weniger um Inhalte als um Provokation. Provokation schafft Aufmerksamkeit und Präsenz – und die kann man im Wahlkampf gut brauchen.“

Heribert Schiedel vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) sieht sich angesichts der Aussagen von FPÖ-Mann Egger in seiner These bestätigt, wonach der offen geäußerte Antisemitismus in Österreich wieder zunimmt: „Exil-Jude – Geld – Amerika: Das sind klare Assoziationsketten, mit denen die gängigen Ressentiments bedient werden.“ Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzicant sagt, die „Kellernazis hätten wieder Oberwasser“ (siehe Interview). Neu ist laut Experte Schiedel, dass eindeutig besetzte Codes und Begriffe wie „Ostküste“ seltener verwendet werden: „Die Vorurteile werden wieder offen, unverblümt formuliert.“

Die FPÖ konnte in dem Bundesland übrigens 13 Prozent hinzugewinnen.

Siehe auch: “Strache ist ein Hassprediger”, Südtiroler Freiheitliche beenden Kooperation mit FPÖEU-Parlament: Nationalisten scheitern am eigenen Nationalismus, Österreich: Mitglied von rechtsextremer Burschenschaft als Nationalratspräsident, 22 Schnäpse, sieben Bier und keine Theorie, Österreich: Haider hatte 1,8 Promille, Österreich: Haider fuhr laut Staatsanwaltschaft 142 km/h, Österreich: Jörg Haider ist totÖsterreich: FPÖ und BZÖ holen gemeinsam fast 30 Prozent der Stimmen 

6 thoughts on “FPÖ-Chef Straches Twitter-Netzwerk: JN, NPD und militante Neonazis

  1. so ekelig die leute unter „following“ teils auch sind, ist doch eine gleichsetzung von twitter dot com slash hc unterstrich strache mit hcstrache dot at etwas verwunderlich, wenn in der twitter bio steht, dass es ein inoffizieller account ist und bei der analyse des genannten twitter accounts es sich nicht wie bei dem twitter account namens bueti oder bodoramelow um die echten menschen handelt, die den account mit inhalten bestücken, sondern es ist ganz klar ein roboter der mittels twitterfeed und google news nachrichten. zudem lässt sich auf der homepage von hc kein hinweis auf den oben genannten twitter account finden, trotz seitenbezogener suche mit den ueblichen suchmaschinen. und nun einen fan von hc der scheinbar hinter dem twitter account steckt mit dem hc zu verwechseln ist sehr schade, da hc alles andere als wählbar ist.

  2. Twitter ist alles, nur keine verläßliche Quelle – das weiß auch Herr Gensing. Allerdings ist die Verlockung sooo groß, nun endlich virtuelle Beziehungen zwischen der FPÖ und den „Nationalen Sozialisten Hoyerswerda“ „entlarven“ zu können, einfach zu groß. Der Artikel ist im Wesentlichen ein „Namedropping“, garniert mit alten Geschichten. Einige jetzt tätige Politiker sind als Jugendliche im Wald rumgelaufen und haben „Krieg“ gespielt (Strache), andere haben die RAF unterstützt und den „Scheiss-Staat“ bekämpft (Ströbele) – beide sind im Großen und Ganzen in der Demokratie angekommen. So what? Fadenscheinig ist es, mit zweierlei Maß zu messen, die vielen Fragwürdigkeiten rechter Politiker hochzujazzen, die linker (und linksradikaler) Politiker schlichtweg zu ignorieren, als wären Linke als mustergültige Demokraten auf die Welt gekommen. Und zu M. Schulz (SPD): Er bezeichnet jeden dritten Parlamentarier, der der EU-Linie der Etablierten nicht folgen will als „Faschisten“ – zuletzt stellte Schulz tatsächlich fest: Die Ablehnung des Lissabonsvertrages führe in einen neuen Faschismus, aha.

  3. interessant das ein SPD-Mann Edmund Burk zitiert, gilt dieser doch als Begründer des Konservativismus. Aber das nur am Rande.

    Martin Schulz hat recht und unrecht. Recht damit, dass es sich um EU-Wahlen gehandelt hat und ein Einmischen bei solchen Auswüchsen sicherlich sofort in den Sinn kommt. Allerdings hat er auch sehr unrecht, vergisst er offenbar die s.g. Sanktionen gegen Österreich im Jahre 2000 (Koalition zw. ÖVP und FPÖ), die genau zum Gegenteil geführt haben, nämlich zu einer Solidarisierung der Österreicher mit der FPÖ. Man hat es als Einmischung und Druck von außen gesehen und erlebt, was beträchtlichen SChaden verursaacht hat… (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Weisenbericht)

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