Racheakt von Neonazis? Brandanschlag auf Autonomes Zentrum

In der Nacht auf den 9. September ist ein Brandanschlag auf das Autonome Zentrum KTS Freiburg verübt worden. Die Feuerwehr konnte den Brand gegen drei Uhr löschen, verletzt wurde niemand. Es entstand Sachschaden in mehreren Räumen und an der Außenwand des Gebäudes.

Die Autonome Antifa Freiburg meint in einer Stellungnahme, alles deute „auf einen von Nazis verübten Brandanschlag hin. Nach der Zerschlagung des NPD-Kreisverbandes Freiburg-Südlicher Oberrhein durch das Outing des Kreisvorsitzenden John Marlon Bürgel und den antifaschistischen Aktivitäten gegen den JN-Kader und Bombenbauer Thomas B. aus Weil am Rhein und seine Helfer Christoph B., Thorsten Z., Markus W., Dorian S., Max H., Kevin H., Tobias K. und Julien L. fordern Nazis im Internet unverhohlen Vergeltung.“ Die Antifa weist auf Kommentare auf Neonazi-Seiten hin, beispielsweise vom 29. August 2009. Da hieß es:

Der Südwesten aber, speziell die Region Freiburg, ist bislang noch unser Sorgenkind. Hier werden wir – und das wollen wir ehrlich zugeben – bisher von der Antifa fast nach belieben durch die Wildnis gehetzt. Und das muss sich dringend ändern! Wir müssen hier weitaus entschlossener und zielstrebiger vorgehen als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Gegen den JN-Stützpunktleiter Thomas B. war zuvor Haftbefehl erlassen worden, da er möglicherweise Bombenanschläge geplant hatte. Die Polizei war erst kurz vor der Festnahme des Mannes durch eine anonyme Anzeige aufmerksam geworden. Grüne und SPD-Fraktion warfen den Verfassungsschützern und Ermittlern in zwei Anfragen daher „schwere Versäumnisse“ vor. Der Leiter der Kriminalpolizei in Lörrach sagte nach der Festnahme von B. es gebe „Anhaltspunkte dafür, dass als wahrscheinliches Anschlagsziel die Kreise der Antifa infrage kommen“.

Aus einem JN-Bericht zur Gründung des Stützpunktes:

Danach übergab er das Wort an den frischgebackenen Stützpunktleiter [gemeint ist Thomas B.] und seinen Stellvertreter, die ihre Stützpunktfahne feierlich überreicht bekamen. In ihren Reden gingen sie insbesondere auf die regionalen Zustände ein und kündigten an, auf die unerträglichen Zustände in diesem System aufmerksam machen zu wollen und diese organisiert in der JN offensiv zu bekämpfen.

“Kampfpartei”

Die Jungen Nationaldemokraten sollen Scharnier zwischen neonazistischen Subkulturen und der NPD sein. Sie versuchen, extrem rechte Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 35 Jahren für die parteipolitische Arbeit zu gewinnen – oder zunächst einmal zu disziplinieren. Denn in vielen rechten Cliquen ist der Alkoholkonsum hoch, viele junge Neonazis werden gewalttätig. Probleme mit der Polizei und der Justiz sind die Folge. Die konstant hohe Zahl der extrem rechten Überfälle – in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 1.000 Opfer im Jahr – zeigt die Dimension der Gewaltbereitschaft.

Transparent der JN-Baden-Württemberg (Quelle: Marek Peters)
Transparent der JN-Baden-Württemberg "Multikulti rocken!" (Quelle: Marek Peters)

Viele JN-Mitglieder lehnen Gewalt offenbar nicht generell ab, den rechten Terror auf den Straßen aber betrachten sie als kontraproduktiv für ihre politische Mission an. So heißt es in einem Strategiepapier der JN:

Revolutionär ist ideologischer und nicht bewaffneter Kampf. Voraussetzung für das Beschreiten des revolutionären Weges ist ein geschärftes politisches Bewußtsein unserer Mitstreiter. […] Die Konsequenz daraus heißt nun logischerweise, daß man dieses System nicht reformieren kann, sondern beseitigt und durch etwas Neues ersetzt werden muß. […] Ist das Bewußtsein der aktiven nationalistischen Kampfgefährtinnen und Kampfgefährten dahingehend ausgerichtet, geht es im nächsten Schritt darum, das Bewußtsein möglichst  vieler Menschen in diese Richtung zu schärfen. In Verbindung mit der zunehmenden Verschärfung der sozialen Frage wird die Revolution wahrscheinlich und die Chance für eine revolutionäre Kampfpartei wird zunehmen. Dann wird der organisierte Nationalismus vom Objekt zum Subjekt der Politik, vom Verteidiger zum Angreifer!

Das heißt konkret: Die JN sehen noch nicht die Zeit gekommen für ihren „Angriff“ und für ihre „Kampfpartei“. Das dies aber das Ziel ist, wird nicht verheimlicht. Und offenbar laufen konkrete Vorbereitungen für diesen Kampf.

Siehe auch: Mögliche Nazi-Bombenpläne: NPD vermutet “linksradikalextremistischen” Hintergrund, JN-Stützpunktleiter Thomas B.: “Zustände offensiv bekämpfen”, Haftbefehl gegen JN-Funktionär: Anschläge auf Antifas geplant?, Neonazi als Bombenbauer: Sicherheitsbehörden in der Kritik