Mögliche Nazi-Bombenpläne: NPD vermutet „linksradikalextremistischen“ Hintergrund

In Baden-Württemberg ist Ende August gegen einen 22-jährigen JN-Funktionär Haftbefehl erlassen worden, da er möglicherweise Bombenanschläge geplant hat. Bei dem JN-Funktionär handelt es sich um Thomas B., der den JN-”Stützpunkt” Lörrach angeführt hat. Dieser Stütztpunkt wurde am 13. Juni 2009 gegründet. Die NPD versucht nun, eine Verwicklung von sich zu weisen – mit einer abenteuerlichen „Umkehrlogig“. So schreibt der NPD-Landesvorsitzende, Jürgen Schützinger, es könne

unzweifelhaft registriert werden, daß der vermeintliche Bombenbastler den Linken zu nützen und den Rechten zu schaden hat. Einer durchaus angebrachten Umkehrlogig zufolge ist es durchaus denk- und nachvollziehbar, daß der nichtbombenbastelnde Bombenbastler nicht aus der rechten, sondern doch wohl eher aus der linksradikalextremistischen Ecke kommen könnte. Aus dieser Nutznießerecke heraus kam ja auch – zeitlich richtig platziert – der entsprechende anonyme Hinweis auf den vermeintlichen „Rechtsextremisten“ und genau auch aus dieser Extremistenszene heraus, werden jetzt die gebündnisten Grünen und deren SPD-Kumpane angeleitet, den „Bombenbastler-Fall“ landtagsbeschäftigungsfähig zu machen.

Also sozusagen ein Antifa-Märtyrer, der in den Knast geht, um der in Baden-Württemberg geradezu erdrückend mächtigen NPD zu schaden. Hätte man auch selbst drauf kommen können, aber als indoktrinierter antideutscher Hetzer bleiben einem solche Erkenntnisse eben verwehrt. Gut, dass es die NPD gibt (bei diesem Satz habe ich mich fünf Mal vertippt, auch wenn es nur Ironie war.)

Übrigens ist der langjährige und oftmals umstrittene NPD-Funktionär Schützinger in seiner Argumentation auch sonst wenig stringent. Denn in Teilen seines Textes versucht er, die Verdachtsmomente gegen den „Linksradikalextremisten“ zu entkräften, obwohl es doch viel schlauer wäre von den bösen Linken, auch noch konkrete Anschlagspläne zu verbreiten. Doch Schützinger schreibt:

Bei dem Herrn „Bombenbastler“ wurden anläßlich einer Hausdurchsuchung Chemikalien gefunden, die rein theoretisch zur Herstellung einer „Bombe“ geeignet hätten sein können. Bombengebastelltes wurde ebenso wenig entdeckt, wie bombendeponierende Zukunftspläne.

Naja, aber immerhin fand die Polizei bei dem JN-Stützpunktleiter, der nach Angaben aus Antifa-Kreisen beste Kontakte zu anderen bekannten extrem rechten Funktionären aus der Region pflegt, immerhin Chemikalien und Laborgeräte, mit denen sich Sprengstoff herstellen lässt – sowie entsprechende Fachliteratur. Außerdem stellten die Beamten laut taz ein funktionsfähiges Schweizer Sturmgewehr, mehrere Messer, Bajonette und Reizgaspistolen sicher. Also doch ganze Arbeit der linksradikalextremistischen Verschwörer von SPD und Grünen…

Transparent der JN-Baden-Württemberg (Quelle: Marek Peters)
Transparent der JN-Baden-Württemberg (Quelle: Marek Peters)

Wer das alles nicht mehr versteht, dem kann geholfen werden – spätestens im Jahr 2011. Wieder Schützinger:

Nach jetziger Sicht der Dinge, wird es sich die kommende NPD-Landtagsfraktion (im Frühjahr 2011 ist Landtagswahl!) nicht nehmen lassen, einen Untersuchungsausschuß zu beauftragen, dem wahren Hintergrund der Bombenbasteleigeschichte auf die Spur zu kommen.

Dann kann ja nichts mehr schief gehen. Außer vielleicht, dass der Herr NPD-Landesvorsitzende den Verdächtigen JN-Funktionär mit vollem Namen nennt, was bei einem Verdachtsmoment nicht die ganz feine Art ist. Und woher kennt Schützinger eigentlich den Namen dieses Linksradikalextremisten? Fragen über Fragen. NPD, bitte übernehmen…

Siehe auch: JN-Stützpunktleiter Thomas B.: “Zustände offensiv bekämpfen”, Haftbefehl gegen JN-Funktionär: Anschläge auf Antifas geplant?, Neonazi als Bombenbauer: Sicherheitsbehörden in der Kritik

7 thoughts on “Mögliche Nazi-Bombenpläne: NPD vermutet „linksradikalextremistischen“ Hintergrund

  1. ich kriege bei google für „umkehrlogig“ übrigens ganze vier ergebnisse.

    solche fehler zu machen ist gar nicht einfach!

    .~.

  2. hey, ich hab noch einen:
    der verdächtige ist ein vs-spitzel, der auf diese weise abgezogen wird!
    noch mehr lustige ideen?

  3. „noch mehr lustige ideen?“

    Hmm, jüdische Aliens, die ein islamistisch-terroristisches Attentat gegen die NPD vorhatten um somit die bolschewistisch-kapitalistische Weltherrschaft zu erlangen wie in Independence Day? Zur Tarnung wollte man das aber als „internen Job“ darstellen. Wäre das glaubhaft?

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  4. Ha, die haben Humor: „die kommende NPD-Landtagsfraktion“ :-)

    Man fragt sich immer, ob es angesichts der Äußerungen aus der NPD überhaupt noch Satire braucht. In Bayern haben sie vor der letzten Wahl der CSU prophezeit, sie könne sich schon einmal von der Macht verabschieden und sich selbst als die wahre „Heimatpartei“ stilisiert. In den Wahlergebnissen war die NPD dann unter „Andere“ zu finden.

    Apropos: Die NPD verfügt auch über seherische Fähigkeiten. Ja, ja, denn selbige NPD in Bayern weiß nämlich schon seit dem 22. August: „Noch fünf Wochen bis zum größten Wahlbetrug in der Geschichte der BRD“. Nicht dass wir auf diese Behauptung schon bei all den letzten Wahlen verzichten mussten…

  5. @Vert
    Der verdächtige könnte ja auch vom Mossad angeheuert worden sein um der NPD und ihren Kollegen zu schaden – gleichzeitig hat der Mossad dann den linksextremen die wichtigen Informationen zu gespielt und dafür gesorgt das der gute auffliegt um der NPD noch mehr zu schaden.

    So aber nun mal im ernst: Was ich dort geschrieben habe ist natürlich blanker Unsinn (hätte sicher keiner gedacht ;))
    Aber unsere lieben Freunde von der Rechten sind ja bekanntlich davon überzeugt das solche Geschichten genauso stattfinden…
    Da fragt man sich hin und wieder was für diese Herren besser wäre – Knast oder Klapse…

  6. Die Auseinandersetzung geht weiter. In der Nacht auf den 9. September wurde ein Brandanschlag auf das Autonome Zentrum KTS Freiburg verübt. Die Feuerwehr konnte den Brand gegen drei Uhr löschen, verletzt wurde niemand. Es entstand Sachschaden in mehreren Räumen und an der Außenwand des Gebäudes.

    Alles deutet auf einen von Nazis verübten Brandanschlag hin. Alles deutet auf einen von Nazis verübten Brandanschlag hin. Nach der Zerschlagung des NPD-Kreisverbandes Freiburg-Südlicher Oberrhein durch das Outing des Kreisvorsitzenden John Marlon Bürgel und den antifaschistischen Aktivitäten gegen den JN-Kader und Bombenbauer Thomas Baumann aus Weil am Rhein und seine Helfer Christoph B., Thorsten Z., Markus W., Dorian S., Max H., Kevin H., Tobias K. und Julien L. fordern Nazis im Internet unverhohlen Vergeltung.

    Quelle und weitere Informationen

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