Rund 700 Neonazis bei stationärem „Antikriegstag“

Rund 700 Neonazis haben am 05. September 2009 an einer Kundgebung der Dortmunder „Autonomen Nationalisten“ in der Nähe des Hafens teilgenommen. Wie die Seite nrw rechtsaußen berichtet, sei die die Teilnehmerzahl damit  deutlich hinter der des vorigen Jahres zurück (1200), aber auch unter der Erwartung der Veranstalter zurückgeblieben. Ursache dafür, so meint nrw rechtsaußen, könne zum einen die Tatsache gewesen sein, dass die Neonazi-Veranstaltung erst am späten Freitagnachmittag vom Bundesverfassungsgericht genehmigt worden war. Zum anderen hatte die Polizei die Auflage erteilt, dass es nur eine stationäre Kundegebung auf dem Parkplatz Speestraße geben dürfe, aber keinen Demonstrationszug durch die Stadt.

Christian Worch (Quelle: Marek Peters)
Christian Worch (Quelle: Marek Peters)

Die Kundgebung – eigentlich bis 21 Uhr genehmigt – endete dem Bericht zufolge schon deutlich früher. Gegen 16 Uhr, nach zweieinhalb Stunden Programm, löste sich der Neonazi-Spuk wieder auf, heißt es. Neben dem „Kopf“ der Dortmunder Rechts-„Autonomen“, Dennis Giemsch, und dem Hamburger Neonazi Christian Worch, der die Leitung der Veranstaltung übernommen hatte, traten laut nrw rechtsaußen Redner aus Tschechien, Belgien, Bulgarien, Russland und den Niederlanden auf. Verlesen wurde außerdem der Redebeitrag eines Palästinensers. Zwischendurch spielte das thüringische Liedermacherduo „Novus Ordo Mundi“ (Neue Weltordnung).

Begeistern konnte das alles das Neonazi-Publikum unterm Strich nicht. Zu schwer wog offenbar der Verzicht auf einen Marsch durch die Stadt. Versammlungsleiter Worch musste sein Fußvolk bereits nach zwei Stunden mahnen, doch noch durchzuhalten.

An den zahlreichen Gegenveranstaltungen im Stadtgebiet nahmen nach Polizeiangaben insgesamt ca. 6.000 Personen teil. Die Versammlung des Bündnisses „Dortmund stellt sich quer“ mit bis zu 3.000 Teilnehmern fand am Zentralen Omnibus Bahnhof statt. Andere Quellen sprechen von bis zu 10.000 Teilnehmern an den antifaschistischen Protesten.

Die Neonazis durften in Dortmund nicht marschieren, sondern nur eine "stationäre" Kundgebung durchführen. (Quelle: Recherche Nord)
Die Neonazis durften in Dortmund nicht marschieren, sondern nur eine "stationäre" Kundgebung durchführen. (Quelle: Recherche Nord)

 Siehe auch: Neonazi-Aufmarsch in Dortmund findet als “stationäre Kundgebung” statt, Neonazi-Aufmarsch zu “Antikriegstag” bleibt verboten, NPD und “Autonome Nationalisten”: Geld stinkt nicht 

5 thoughts on “Rund 700 Neonazis bei stationärem „Antikriegstag“

  1. Nun mag man die linke Gewalt bei den Demonstrationen nicht befürworten, aber einen positiven Effekt hat sie ganz klar: Niemand achtete mehr auf die Nazis und nahm ihnen damit jegliche Öffentlichkeit!

    – Die zahlreichen Gegenveranstaltungen und Menschen sorgten zunächst dafür, dass die Polizei gezwungen war, die Nazis weiträumig abzuschirmen und unter sich zu belassen. Sie waren also effektiv.

    – Und nicht nur, dass die Nazis schon mit ihrer Kundgebung niemanden erreichten, nun ist auch der mediale Fokus nicht mehr auf sie gerichtet, sondern auf die Gegendemonstranten (s.o.). Für die Nazis ist dies ein maximaler Misserfolg, da ihr einziger Zweck ja der Versuch ist, die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten – ein Desaster. Das versucht am Freitag auch Rieger in Hamburg und wird dabei hoffentlich auch dabei Probleme bekommen.

Comments are closed.